Eisenbahner mit Herz gesucht

(Allgemein) Autor:Stefan Hennigfeld

Auch in diesem Jahr sucht die Allianz pro Schiene wieder den Eisenbahner mit Herz. Damit will die Bahnlobby dem in der Öffentlichkeit weit verbreiteten Bild schlecht gelaunter und paramilitärisch sprechender Bundesbahn-Schaffner freundliche Gesichter entgegenstellen. Aus rund 160 Geschichten, die Reisende bis zum 31. Januar an die Allianz pro Schiene schickten, liegen der Jury inzwischen 60 Favoriten vor. Neben verirrten Kindern, Personen im Gleisbett oder verletzten Vögeln hatten die nominierten Bahnmitarbeiter im laufenden Jahr auch Herz-Attacken oder Messerstechereien zu meistern.

Natürlich beschäftigt die Bahnkunden auch, wie liebevoll das Zugpersonal kleine und große Pannen im Reisealltag heilt oder wie Bahnhofsmitarbeiter die Lage retten, wenn sie eine viel zu teure Fahrkarte ausgestellt haben. Auch das Thema Durchsage berührt die Reisenden in größerem Umfang. So bildet der Wettbewerbinzwischen zuverlässig ab, welche Zugdurchsagen bei den Pendlern für den größten Gute-Laune-Schub sorgen. Dass herausragende Lokführer vieler Großstadt-S-Bahnen – darunter die S-Bahn Hamburg, Berlin, Köln oder Frankfurt am Main – unter den Nominierten sind, erlebt die Jury zum ersten Mal.

Alle von den Fahrgästen vorgeschlagenen Eisenbahner haben für den Wettbewerb ihr Einverständnis gegeben, mit ihrer Geschichte und einem Porträt in einer Online-Galerie zu erscheinen. Aus dem Kreis dieser 60 Titelkandidaten wird eine Jury aus Gewerkschaften, Fahrgastverbänden und Verkehrsclubs am 26. April 2017 die Sieger bestimmen. Die diesjährigen Kandidaten kommen aus fast allen Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen arbeiten die meisten Vorzeige-Eisenbahner (11), gefolgt von Niedersachsen (7), Hamburg (7) sowie Bayern, Berlin und Hessen (jeweils 6).

Unter den Bahnkundenlieblingen stellen die Mitarbeiter der Deutschen Bahn mehr als die Hälfte: Von 60 Kandidaten für den Titel Eisenbahner mit Herz arbeiten 34 für die Deutsche Bahn – im Fernverkehr, bei Regio oder in den Bahnhöfen. Zum ersten Mal ist auch DB Cargo in der Galerie dabei. Auch Ex-Bahnchef Rüdiger Grube wollten die Reisenden unter die Top-Eisenbahner des Landes einreihen. Überproportional gut vertreten sind inzwischen auch die Wettbewerber der DB AG. Transdev hat mit dem Meridian, der BOB, der Nordwestbahn, der NOB, der WEG und der Mitteldeutschen Regiobahn insgesamt sieben Kandidaten am Start.

Metronom ist mit sechs Mitarbeitern in der Galerie präsent, National Express mit drei, während Abellio, die ODEG, die HLB und die NEB jeweils zwei Eisenbahner ins Rennen schicken. Einen Kandidaten haben Keolis und die AVG. Im letzten Jahr gewann eine Mitarbeiterin von Abellio den Wettbewerb: Eine aus Syrien stammende Familie, die sich als Asylbewerber in Deutschland aufhält, wurde von anderen Fahrgästen lauthals angegriffen. Die Schaffnerin verbrachte die Familie daraufhin in die erste Klasse, wo sie ihre Fahrt unbehelligt von unangenehmen Mitreisenden fortsetzen konnte.


Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a 

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