Bayern: Verbesserungen nach Krisengespräch

 

(Bayern) Autor:Stefan Hennigfeld

Rund drei Monate nach dem Krisengespräch zwischen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) und den Unternehmen des Transdev-Konzerns werden die am 8. Februar vereinbarten Maßnahmen sukzessive umgesetzt. Anlass waren die im Bayerischen Oberland (BOB) und beim Meridian seit Monaten anhaltenden Qualitätsprobleme in Form von erheblichen Verspätungen und Zugausfällen, unakzeptablen Zugkürzungen, mangelnden Fahrgastinformationen oder einer unzureichenden Disposition im Störfall.

Seit Dezember 2018 kamen außerdem erhebliche Startschwierigkeiten beim Betrieb des Ostallgäu-Lechfeld-Netzes hinzu. „Mit dem Krisengespräch im Februar 2019 wollten wir nicht nur der BOB/BRB-Geschäftsführung gegenüber nochmals ausdrücklich den massiven Unmut der Fahrgäste sowie der BEG über die Betriebslage in den drei betroffenen Netzen verdeutlichen, sondern hatten auch mit Nachdruck weitreichende Maßnahmen zur Verbesserung der Situation im Bayerischen Oberland, beim Meridian sowie bei der Ostallgäu-Lechfeld-Bahn gefordert“, so Thomas Prechtl, Geschäftsführer der BEG.

Die Umsetzung der im Krisengespräch vereinbarten Maßnahmen wird von der BEG seither intensiv begleitet. So wurden alle Maßnahmen in einer umfangreichen Maßnahmenliste dokumentiert und mit Zielterminen hinterlegt. Die BEG lässt sich nach wie vor auf Geschäftsführungs- und Abteilungsleiterebene von der BOB/BRB-Geschäftsführung im Rahmen wöchentlicher Gespräche über den jeweiligen Umsetzungsstand unterrichten.

„Auch wenn der Betrieb in den drei Netzen nicht schlagartig vollständig reibungslos verläuft, konnten auf Intervention der BEG bereits zahlreiche Verbesserungen für die Fahrgäste angestoßen oder bereits umgesetzt werden, die es ohne das Krisengespräch in dieser Form sicherlich nicht gegeben hätte“, erläutert Prechtl.

So hat sich der Betrieb bei der Ostallgäu-Lechfeld-Bahn sowie im Bayerischen Oberland spürbar stabilisiert. Erhebliche Probleme gibt es hingegen noch beim Meridian – hier werden die Fahrgäste trotz des Einsatzes von zwei von der BEG geforderten Ersatzgarnituren weiterhin mit untragbaren Zugkürzungen konfrontiert. Der Betrieb der Ostallgäu-Lechfeld-Bahn lag in den ersten Wochen nach Betriebsstart im Dezember 2018 weit hinter den Erwartungen zurück.

So erreichte die Ostallgäu-Lechfeld-Bahn im Dezember 2018 lediglich einen Pünktlichkeitswert von 80,4 Prozent; auch für den Januar 2019 war mit einer Pünktlichkeit von rund 82,9 Prozent kein signifikanter Aufwärtstrend erkennbar. Zur weit unterdurchschnittlichen Pünktlichkeit kamen weitere Probleme wie beispielsweise vermeidbare Anschlussverluste am Bahnhof Kaufering oder personalbedingte Ausfälle auf dem Abschnitt Kaufering – Landsberg hinzu.

Im Oberlandnetz waren die Fahrgäste im Winter 2019 untragbaren Zuständen ausgesetzt. Im Rahmen der Schneefälle waren die Streckenabschnitte südlich von Holzkirchen wochenlang komplett gesperrt oder nur eingeschränkt befahrbar. Hinzu kamen anhaltende Probleme wie mangelnde Fahrgastinformationen, ein unzureichendes Störfallmanagement oder immer wiederkehrende Fahrzeugprobleme. Im März konnte der Wert auf 94,0 Prozent gesteigert werden. Im April 2019 liegt der Wert sogar bei knapp 96 Prozent und somit deutlich über dem bayernweiten Durchschnitt.

In diesem Zusammenhang hat sich auch die Anschlusssicherung in Kaufering kontinuierlich verbessert, wenngleich es hier weiterhin zu einzelnen vermeidbaren Anschlussverlusten kommt. Das aus BEG-Sicht dringlichste Problem beim Meridian stellte im Rahmen des Krisengesprächs die Fahrzeugsituation dar, welche zu zahlreichen Zugkürzungen geführt hat.

Insbesondere seit dem vierten Quartal 2018 hatten sich die Zugkürzungen von einem ohnehin schon hohen Niveau nochmals drastisch verschärft. Zwar setzt die BOB beim Meridian auf Intervention der BEG seit Ende März 2019 zwei zusätzliche Ersatzfahrzeuge ein, um die zahlreichen Fahrzeugausfälle zu kompensieren – von einer spürbaren Verbesserung kann beim Meridian jedoch keine Rede sein.

So waren auch im April 2019 bis zu über vierzig Zugkürzungen am Tag zu verzeichnen. „Die Fahrgäste werden trotz der Ersatzfahrzeuge weiterhin mit einer untragbar hohen Zahl an Zugkürzungen konfrontiert. Ohne die von der BEG geforderten Ersatzfahrzeuge sähe die Situation sogar noch deutlich schlechter aus“, so BEG-Chef Thomas Prechtl, der die Qualitätssicherung in den verschiedenen Netzen weiter begleiten wird.



Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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