Karlsruhe: Praktikumsprogramm für Asylberechtigte

(Baden-Württemberg) Autor: Stefan Hennigfeld

Die ÖV-Branche in und um Karlsruhe will ihr Engagement zur Schaffung von Praktikumsplätze für junge Asylberechtigte ausbauen. Zwölf junge Leute aus acht Nationen absolvieren derzeit ein Praktikum bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG).

Durch das Pilotprojekt, das die VBK und AVG gemeinsam mit dem Landkreis Karlsruhe und der Albert-Einstein-Schule in Ettlingen vor rund neun Monaten ins Leben gerufen haben, werden die Teilnehmer an die Arbeitswelt in Deutschland herangeführt und so beim Start in ihren neuen Lebensabschnitt unterstützt.

„Wenn wir Flüchtlinge in unsere Gesellschaft integrieren wollen, gelingt dies am besten über Arbeit und Ausbildung. Gerade im Handwerk gibt es viele berufliche Möglichkeiten. Dieses Betriebspraktikum soll ein erster Schritt auf dem Weg zu einem Ausbildungsverhältnis sein – sei es bei der AVG, den VBK oder einem anderen Unternehmen“, erklärt Ragnar Watteroth vom Landratsamt Karlsruhe.

„Als kommunale Verkehrsunternehmen übernehmen wir gesellschaftliche Verantwortung und wollen mit diesem Projekt einen Beitrag dazu leisten, dass die Integration von Flüchtlingen in Deutschland gelingt“, macht Alexander Pischon, Geschäftsführer von AVG und VBK, deutlich. „Wir hoffen mit unserem Engagement auch andere Unternehmen zu ermuntern, unserem Beispiel zu folgen und Praktika für Flüchtlinge anzubieten. Angesichts des Fachkräftemangels sehe ich hier auch die große Chance für Arbeitgeber neue, motivierte Mitarbeiter zu gewinnen.“

Inwieweit man bei den Unternehmen über die Einrichtung von Praktikumsplätzen hinausgeht, ist nicht bekannt. Daher ist nicht zu beurteilen, wie hoch die Chancen für die Teilnehmer sind, im Anschluss an ihre Praktika im Unternehmen eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle zu erhalten. In einem Fall wurde ein Asylberechtigter nach einem Praktikum in eine normale Ausbildungsstelle übernommen.

Im Betriebshof West am Karlsruher Rheinhafen durchlaufen die jungen Männer im Alter zwischen 17 und 23 Jahren die verschiedenen, facettenreichen Abteilungen in der Werkstatt der beiden Verkehrsunternehmen. Parallel dazu besuchen sie die Albert-Einstein-Berufsschule in Ettlingen, wo in einer speziellen Vorbereitungsklasse vor allem Deutschunterricht auf dem Stundenplan steht.

„Die Sprachqualifikation ist der Schlüssel dafür, dass das Ankommen in Deutschland gelingt. Die Albert-Einstein-Schule leistet hier tolle Arbeit“, betont Janine Gerber, die beim Landratsamt die Asylbewerber und -berechtigten bei ihrer Qualifizierungsmaßnahme begleitet und ihnen als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Durch den Sprachunterricht – derzeit sind es 16 Stunden pro Woche – konnten die Teilnehmer das Niveau A2 erreichen.

„Wir haben bei der Auswahl der Praktikanten darauf geachtet, dass sie diese sprachlichen Grundkenntnisse mitbringen. Dies ist unbedingt erforderlich, weil wir während der Praktika nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern die Werkstatt auch ein Bereich ist, in dem die Sicherheit am Arbeitsplatz eine große Rolle spielt und wir entsprechende Unterweisungen durchführen müssen“, erklärt VBK-Ausbildungsleiter Stefan Mock.

Zudem habe man bei der Auswahl der Bewerber den Fokus drauf gelegt, dass die Schüler noch ein „ausbildungsfähiges Alter“ haben. „Einige Praktikanten brachten auch schon Berufserfahrung aus ihren Heimatländern mit, wo sie beispielsweise als Automechaniker oder Elektriker gearbeitet haben. Dies haben wir natürlich auch berücksichtigt“, so Mock. Die in Kooperation mit der AVG und den VBK an der Albert-Einstein-Schule eingerichtete unternehmensbezogene VABO-Klasse (Vorqualifizierungsjahr mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen) ist die erste ihrer Art im Landkreis Karlsruhe.

Die Praktikumsplätze sind dabei ausschließlich auf den Betrieb der AVG und VBK bezogen. In den vergangenen Monaten hat das Landratsamt zudem die allgemeinen VABO-Klassen an beruflichen Schulen im Landkreis ausgebaut und 115 Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen eingerichtet.

„Die Gruppe hat eine tolle Entwicklung genommen. Das war beim Projektstart so noch nicht absehbar. Es war sicherlich ein Lernprozess für beide Seiten. In der Belegschaft gab es zu Beginn auch Vorbehalte und eine gewisse Unsicherheit, mit wem sie es da zu tun haben“, räumt Mock ein. „Aber das hat sich schnell gelegt. Die Mitarbeiter sehen, mit welcher Motivation und Lernbereitschaft die Praktikanten jeden Tag zu uns in den Betriebshof kommen.“

 

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a

 

 

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