Unwetterschäden und Debatte um Verspätungsstatisik

 

(Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Deutsche Bahn hat Gerüchte zurückgewiesen, wonach man die Pünktlichkeitsmessung auf einen 15-Minuten-Wert verändern möchte. Demnach wären in der internen Bewertung künftig alle Züge pünktlich, die maximal eine Viertelstunde Verspätung haben. Es bleibt jedoch bei der Grenze von fünf Minuten und 59 Sekunden. Um jede Art von Missverständnissen zu vermeiden, wird die DB AG in den kommenden Wochen aktiv auf Kunden, Verbände und Politik zugehen und informieren.

Ziel ist es, Transparenz zu schaffen. Mit der möglichen Ergänzung der Pünktlichkeitsstatistik durch einen zusätzlichen Wert reagiert die Bahn auf den Wunsch nach einer auf die Reisenden bezogenen Kennzahl, die ausweist, ob und wie stark verspätet der Fahrgast am Endbahnhof seiner Reise im Fernverkehr ankommt. Im Gegensatz zur zugbezogenen (oder auch betrieblichen) Pünktlichkeit werden hier auch Zugausfälle, Ersatzzüge und nachträgliche Fahrplanänderungen mit einbezogen.

Der zusätzliche Wert berücksichtigt auch das Funktionieren von Anschlüssen und gewichtet die Pünktlichkeit jener Züge höher, die von vielen Reisenden genutzt werden. Diese Erhebungsmethode bildet die Realität der Bahnreisenden besser ab und ermöglicht die Vergleichbarkeit mit den entsprechenden Kennzahlen für den Luftverkehr und den Fernbus.

Für die Berechnung der Reisendenpünktlichkeit für die täglich rund 400.000 Fahrgäste werden die Daten im Gegensatz zur betrieblichen Pünktlichkeit nicht nur gemessen, sondern auch simuliert und hochgerechnet. Dazu werden die täglichen Buchungsdaten von rund 270.000 Reisenden mit den Pünktlichkeitsdaten der ca. 7.000 Fernverkehrshalte verknüpft, ausfallende und Ersatzzüge berücksichtigt und für jeden nicht erreichten Anschluss konkrete Alternativverbindungen ermittelt und bewertet.

Derweil hat es am vergangenen Wochenende und am Anfang dieser Woche durch das Sturmtief Eberhard ganz konkrete Auswirkungen auf den Eisenbahnverkehr in weiten Teilen Deutschlands gegeben. In Nordrhein-Westfalen ist der Verkehr gänzlich eingestellt worden, während in Hessen und Rheinland-Pfalz Fernzüge teilweise aus Sicherheitsgründen in den Bahnhöfen zurückgehalten werden mussten.

Auch im Freistaat Bayern und Baden-Württemberg waren Beeinträchtigungen zu spüren, wenn auch nicht in dieser Intensität. Hunderte DB-Mitarbeiter waren die ganze Nacht im Einsatz, um die durch Eberhard verursachten Schäden zu beseitigen und Strecken wieder frei zu bekommen. Die Aufräumarbeiten dauerten bis weit in den Montag an. In Nordrhein-Westfalen ist der Fernverkehr am Montag wieder angelaufen.

Derzeit sind die Strecken Köln/Wuppertal – Dortmund und Altenbeken – Hamm noch gesperrt. Auch bundesweit kann es heute noch zu Einschränkungen im Bahnverkehr kommen. In der Nacht auf Montag hatte die Deutsche Bahn an mehreren Bahnhöfen Aufenthaltszüge bereitgestellt. Reisende wurden mit Essen und Getränken versorgt.

Die Deutsche Bahn hat für vom Sturm betroffene Reisende umfangreiche Kulanzregelungen getroffen. Am Montagabend hatte sich der Verkehr weitgehend stabilisiert. Dabei haben auch unwetterbedingte Probleme, wie in diesem Fall, Einfluss auf die Pünktlichkeitsstatistik des Konzerns. Unwetter sorgen immer wieder für erhebliche Probleme.




Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
58453 Witten


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