VCD veröffentlicht Bahntest 2019/2020

 

(Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

In der letzten Woche hat der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) seinen alljährlich in der Vorweihnachtstzeit publizierten Bahntest publiziert. Dieser steht unter dem Motto „Mehr Bahn fürs Klima: Preise runter – Angebot rauf“. Für den Bahntest hat das Forschungsinstitut Quotas im Auftrag des ökologischen Verkehrsclub VCD eine repräsentative Umfrage durchgeführt.

85 Prozent der Befragten finden, es sollte Rabatte für bestimmte Gruppen geben. Von den befragten Bahnkunden wünscht sich eine Mehrheit, dass Schüler auch über 14 Jahren, Auszubildende und Studenten, Rentner und Behinderte nicht länger den vollen Preis für eine Fahrt im Fernverkehr zahlen. Seit 2015 sind die Preise für Fernfahrten um 3,3 Prozent gestiegen, während Inlandsflüge um 4,1 Prozent billiger wurden.

Kerstin Haarmann, VCD-Bundesvorsitzende: „Wirksamer Klimaschutz kommt nicht ohne Preissignale aus. Das wird dazu führen, dass der umweltbelastende Straßenverkehr für viele Menschen teurer wird. Damit dies nicht zu Lasten der Mobilität der Menschen geht und zum sozialen Sprengstoff wird, muss es für Bürgerinnen und Bürger brauchbare und bezahlbare Alternativen geben. Gerade auf langen Distanzen ist das die klimafreundliche Bahn.“

Der VCD Bahntest 2019/20 erhob die fünf wichtigsten Merkmale für ein gutes Bahnangebot. Diese wurden von den Fahrgästen jeweils mit Schulnoten wie folgt bewertet: Fahrtdauer (2,4), Direktverbindungen (2,8), Höhe der Ticketpreise (3,4), Pünktlichkeit der Züge (3,5) und Klimaverträglichkeit der Bahn (2,2). Im Schnitt geben die Bahnkunden dem Fernverkehrsangebot nur die Note „Befriedigend“ (2,8).

Ganze 88 Prozent der Befragten finden, dass die Bundesregierung zu wenig für die Schiene tut. Schon jetzt reisen viele Fahrgäste mit Sparpreis-Tickets oder anderen Rabatten. Etwa jeder dritte Befragte davon hätte ein anderes Verkehrsmittel als die Bahn genutzt, wenn er den vollen Preis hätte bezahlen müssen. Gute Noten vergeben die Fahrgäste für die Ticketbuchung per App und ihr Sicherheitsgefühl auf der Reise.

Philipp Kosok, VCD-Sprecher für Bahnverkehr: „Die Fahrgäste sind in wichtigen Punkten unzufrieden mit dem Angebot der Bahn. Die Deutsche Bahn und auch die Bundesregierung müssen sich anstrengen, um ihr selbst gestecktes Ziel zu erreichen, die Fahrgastzahlen bis 2030 zu verdoppeln. Nur so kann es gelingen, Millionen Menschen, die heute mit dem Auto oder dem Flugzeug unterwegs sind, vom klimafreundlichen Reisen auf der Schiene zu überzeugen.“

Heute reist ein großer Teil der Bahnfahrer zum Sparpreis, wie der VCD Bahntest ergibt. Eine genaue Analyse der Sparpreise zeigt: Selbst 24 Stunden vor Abfahrt lassen sich mit Sparpreistickets durchschnittlich noch 33 Prozent gegenüber dem Flexpreis sparen. Vielfahrer reisen erst mit der passenden Bahncard richtig günstig. Welche Bahncard am besten zu wem passt, zeigt der neue VCD Bahncard-Rechner, der erstmals eine unabhängige und individuelle Bahncard-Empfehlung ausspricht.

„Unsere Analyse hat gezeigt: Im Schnitt kosten hundert Kilometer Fahrt im Fernverkehr rund 12,50 Euro. Die Bahn ist oft nicht so teuer, wie es immer heißt. Man muss sich jedoch auskennen, um ein günstiges Ticket zu bekommen. Deshalb haben wir in unserem Bahntest für die Fahrgäste praktische Tipps zum bequemen Buchen und Reisen zusammengestellt“, sagte Kosok.

Der Vorschlag ist indes auch beim Konzernvorstand angekommen. Berthold Huber, Bahnvorstand für Personenverkehr. „Mehr Bahn für weniger Geld: Das wollen die Fahrgäste laut VCD-Studie. Und genau das steht jetzt zum Jahreswechsel an. Wir verzichten auf eine Preiserhöhung im Dezember. Die Senkung der Mehrwertsteuer werden wir eins zu eins an unsere Kunden weitergeben. Die Preise im Fernverkehr werden um rund zehn Prozent sinken, sobald die neue Mehrwertsteuer-Regelung in Kraft tritt. Und gleichzeitig erreicht uns derzeit alle drei Wochen ein neuer ICE 4. Mehr Bahn für weniger Geld ist für uns kein abstraktes Ziel, sondern konkretes Tagesgeschäft für unsere Kunden.“

Dass die Zahl der Fahrgäste, die inzwischen weiß, wie man an ein günstiges Ticket kommt, so gestiegen ist, wertet man zudem als Erfolg der eigenen Informationspolitik. „ Die Bahn hat laut VCD-Umfrage damit deutliche Fortschritte bei der transparenten und kundenfreundlichen Ausgestaltung ihres Preissystems gemacht. Handlungsbedarf besteht laut der Studie noch bei Direktverbindungen und der Pünktlichkeit der Züge“, so Bahnvorstand Berthold Huber abschließend.




Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten

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