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Personalmangel auch rund um Augsburg

01.08.23

Im Zuge des Umdenkens hin zu nachhaltiger Mobilität gewinnt der öffentliche Verkehr immer mehr an Bedeutung. Das Fahrpersonal im ÖPNV leistet mit seiner Arbeit einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Verkehrswende: Fehlen Fahrer, können Linien nicht zuverlässig bedient werden. Damit verliert der ÖPNV nicht nur an Attraktivität, sondern auch Fahrgäste und die Verkehrswende kommt ins Stocken.

Aber auch im ÖPNV ist eine der ganz großen Herausforderungen der Fachkräftemangel. Inzwischen stuft auch die aktualisierte Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit den Beruf des Busfahrers als sogenannten Mangelberuf ein. „Der demografische Wandel klopft gerade erst an unsere Türe“, betonte AVV-Geschäftsführerin Linda Kisabaka.

In zehn Jahren wird die Erwerbsbevölkerung in Deutschland deutlich geschrumpft sein, von jetzt 51,5 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 66 Jahren auf dann nur noch 47,4 Millionen Menschen. Der Grund: die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Dieser Trend zeichnet sich auch in Bayern ab.

Nach Angaben des Landesverbands der bayerischen Omnibusunternehmen fehlen allein in Bayern bereits heute rund 2.000 Busfahrer. Welche Maßnahmen können beitragen, dem gravierenden Fachkräftemangel auf unterschiedlichen Ebenen entgegenzuwirken und den Beruf Busfahrer für die Menschen wieder attraktiv zu gestalten? Das war Thema des AVV und der im Verbund tätigen Regionalbusunternehmer*innen beim diesjährigen AVV-Unternehmer-Dialog Augsburg.

„Wir stehen vor einer gewaltigen Herausforderung“, so Kisabaka. „Soll die Verkehrswende gelingen, muss nun dringend an verschiedenen Stellschrauben auf unterschiedlichsten Ebenen gedreht werden. Zum einen um Nachwuchskräfte für den Beruf zu begeistern, aber auch um ausländische Fahrer für den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen.“

Auf EU-Ebene sollten die Voraussetzungen für die Anerkennung von Führerscheinen aus Drittstaaten erleichtert werden. Heute müssen Berufskraftfahrer aus Drittstaaten trotz vorhandenen Führerscheins die in der EU erforderliche spezielle Berufsqualifikation ablegen, die zudem nur in deutscher Sprache möglich ist. Hier wäre es hilfreich, das Sprachniveau auf ein verständlicheres, dem alltäglichen Sprachgebrauch von Fahrer anzupassen oder das Ablegen der Führerscheinprüfung in verschiedenen Fremdsprachen zu ermöglichen oder das Wohnortprinzip für den Führerscheinerwerb aufzuheben.

„Wir stehen vor einer Herkulesaufgabe“, bilanzierte Kisabaka. Man könne nicht alle Herausforderungen gleichzeitig angehen, aber mit den wichtigsten beginnen. „Nur wenn alle am ÖPNV Beteiligten an einem Strang ziehen, können wir Lösungen finden. Klar ist: Wenn wir es nicht schaffen, ausreichend Menschen für den Beruf des Busfahrers zu gewinnen, wird letztlich die Verkehrswende nicht gelingen und Deutschland kann seine Klimaziele nicht erreichen“, so die AVV Geschäftsführerin.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de