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Deutschlandticket: Einigung auf Mai vertagt

09.11.23

Eine Einigung um die Fortsetzung des Deutschlandtickets wurde auf der Ministerpräsidentenkonferenz in dieser Woche auf Mai vertagt. Bis dahin wird das Angebot weiter für 49 Euro im Monat zu haben, zur Finanzierung in den ersten fünf Monaten des neuen Jahres sollen Finanzierungsreste aus dem laufenden Jahr genommen werden.

Eine Einigung für die Zeit nach Mai 2024 steht noch aus. Sollten sich Bund und Länder nicht gemeinsam auf zusätzliche Finanzmittel einigen, droht auch eine Preissteigerung. Bereits im Frühjahr diesen Jahres wurde das Deutschlandticket dahingehend kommuniziert, dass es mit einem „Markteinführungspreis“ von 49 Euro im Monat starten soll. Dieser könnte unter Umständen deutlich steigen.

Im Anschluss an das Neun-Euro-Ticket, das im Juni, Juli und August des Jahres 2022 galt, hat die Eisenbahnbranche bereits im Sommer ein Folgeangebot vorgeschlagen: Ein Monatsticket, das landesweit für 49 Euro und bundesweit für 69 Euro zu haben sein soll. Das scheiterte zunächst an der Verweigerungshaltung der Länder, die ausschließlich den Bund in der Verantwortung sahen. Auch eine Einführung zum 1. Januar 2023 ist gescheitert. Seit dem 1. Mai gibt es nun das bundesweite Deutschlandticket für 49 Euro, eine abspeckte Landesversion existiert nicht.

Im Vorfeld des Treffens am Montag hat VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff davor gewarnt, dass das Ticket als „verpasste Chance in die Geschichte der deutschen Verkehrspolitik“ eingehen könne. Das ist zumindest für weitere sechs Monate abgewendet. Wolff: „Bei den Fahrgästen wird das Deutschland-Ticket gut angenommen und ist beliebt, weil es Zugangshürden in den ÖPNV abbaut und die Bus- und Bahnnutzung damit einfacher macht als bisher. Statt diese Erfolge mit maximalem Esprit nach außen zu vertreten und damit noch mehr Bürgerinnen und Bürger zu überzeugen, das Ticket zu kaufen, wird politisch nach wie vor um die Finanzierung fürs kommende Jahr gestritten.“

Auch der hessische Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hatte sich bereits in der letzten Woche für eine Beibehaltung des Deutschlandtickets ausgesprochen. „Die anhaltenden Diskussionen darüber, ob das Deutschland-Ticket erhalten bleibt und zu welchem Preis, verunsichern die Menschen und rücken den Blick von dem eigentlich Entscheidenden weg: Das Deutschland-Ticket macht die Nutzung von Bus und Bahn so einfach und so günstig wie niemals zuvor“, so RMV-Aufsichtsratsvorsitzender und Landrat des Hochtaunuskreises Ulrich Krebs (CDU). „Gerade das RMV-Gebiet, welches von fünf Nachbarbundesländern bzw. -ÖPNV-Tarifen umgeben ist. Ohne einen gesicherten Finanzierungsbeitrag des Bundes kann das Deutschland Ticket nicht fortgeführt werden.“ Zugleich gab sich Landrat Krebs optimistisch, dass eine Einigung von Bund und Ländern gelingen kann.

„Rund 340.000 aktive Deutschland-Ticket-Abokundinnen und -kunden haben wir aktuell im RMV“, so RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. „Damit haben wir das Level gegenüber dem Sommer nochmals erhöht. Das Beste: Zwei von drei heutigen Deutschland-Ticket-Abonnentinnen und -abonnenten hatten vorher kein Fahrkarten-Abo. Die Abwicklung der Umstellung von Abos und die Beratung der Neukunden, gerade auch von Angeboten wie dem Hessenpass mobil, war nur durch den unermüdlichen Einsatz des Vertriebspersonals möglich, wofür ich herzlich Danke sagen möchte.“

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert den Erhalt und die Fortschreibung des Deutschlandtickets. Die Finanzierung müsse jetzt über 2024 hinaus gesichert werden. Und der Preis darf nicht schon im nächsten Jahr steigen. Zudem müsse das ÖPNV-Angebot flächendeckend ausgebaut werden, damit das Ticket überall nutzbar wird. Zudem mahnt der VCD an, Deutschlandticket und Tarifstruktur bundesweit sozial gerecht und einheitlich auszugestalten – denn 49 Euro sind für viele Familien und Menschen mit wenig Geld nicht bezahlbar. Daher: Kinder unter 14 Jahren sollten den ÖPNV kostenlos nutzen dürfen. Und wir brauchen das Deutschlandticket als Jugend- und Sozialticket für maximal 29 Euro.

Kerstin Haarmann, die VCD-Bundesvorsitzende, sagte: „Olaf Scholz muss das Überleben des Deutschlandtickets zur Chefsache machen. Er muss die Finanzierung sichern und dafür sorgen, dass es zusammen mit dem gesamten System des öffentlichen Verkehrs weiterentwickelt wird. Ökologische und für alle bezahlbare Mobilität kann es nur mit sozialen Tarifen und einem massiven ÖPNV-Ausbau geben. Ein billiges Ticket allein hilft nicht, wenn der Bus nicht kommt.“

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
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Quelle: Zughalt.de