11.12.23
Wegen der zahlreichen Zugausfälle und insgesamt mangelhaften Qualität im Personenverkehr hat sich Landrat Fritz Brechtel (CDU) aus dem Landkreis Germersheim und Verbandsvorsteher beim Afugabenträger SPNV Süd in Rheinland-Pfalz direkt an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Richard Lutz gewandt.
„Die Personalsituation bei DB Netz ist ein Dauerbrenner, der für die Kunden und Kundinnen unerträgliche Maße annimmt. Schon seit vielen Monaten fallen in der Pfalz Züge aus, weil das für die Steuerung vieler Strecken im südlichen Rheinland-Pfalz zuständige Stellwerk in Neustadt an der Weinstraße unterbesetzt ist“.
In Ludwigshafen kommt es seit Monaten immer wieder zu Arbeitsschutzpausen, weil auch dieses Stellwerk unterbesetzt ist und dann – zum Teil mitten im Berufsverkehr – eine Stunde lang kein Zug fährt. Allein dies ist an der Schnittstelle zwischen dem gesamten pfälzischen Bahnverkehr und dem Knotenbahnhof Mannheim ein, so Landrat Brechtel, „unhaltbarer Zustand. Mit dem Lahmlegen des Bahnverkehrs an einem ganzen Wochenende hat die DB Netz kürzlich unfreiwillig bewiesen, dass die Situation dramatisch ist“.
In der letzten Woche folgten dann wieder die Arbeitsschutzpausen, weil ein Fahrdienstleiter alleine nicht nonstop arbeiten darf und kann. In der Praxis bleiben dann alle Züge vor Ludwigshafen eine Stunde stehen und hinterher herrscht ein komplettes Chaos, weil sich die Züge gegenseitig im Wege stehen und die Arbeitszeiten der Lokführer nicht mehr zu den Zügen passen, die fahren sollen.
„Ich erwarte von DB–Chef Lutz, dass er die Personalknappheit in der Pfalz vom Vorstand aus in den Fokus nimmt. Die Versuche, regional gegenzusteuern, reichen offenkundig nicht aus. Das Versprechen, mit freigesetztem Personal aus der Modernisierung der Stellwerke in Wörth, Germersheim und Speyer zusätzliche Personale für Ludwigshafen und auch Neustadt an der Weinstraße zu gewinnen, hat sich in Luft aufgelöst“, macht der Verbandsvorsteher deutlich.
Brechtel: „Hinzu kommen die Zugausfälle wegen fehlender Fahrzeugpersonale. Auf mehreren Strecken in Süd- und Vorderpfalz fallen nun geplant wochenlang Züge aus. Das Image des Bahnverkehrs leidet unter diesen gravierenden Mängeln. Ich fordere deshalb von der Deutsche Bahn AG, eine Verstärkung im Bemühen, den Personalpool für die Stellwerke Ludwigshafen und Neustadt an der Weomstraße zu vergrößern. Gleichzeitig muss, mit Blick auf hohe Krankheitsquote, den Ursachen dieser Entwicklung intensiv nachgegangen werden. Ein zuverlässiger Betrieb ist mit einem derart volatilen Personalbestand nicht möglich“.
Für Landrat Brechtel steht der Schienenverkehr mit der bevorstehenden Sperrung der Riedbahn nicht nur in der Pfalz vor einem großen Risiko: „Kommt es während der Sperrung der Riedbahn zu Störungen in Ludwigshafen, hat dies bundesweite Auswirkungen. In knapp fünf Wochen startet die erste Sperrphase. Da muss die Bahn zeigen, was sie kann.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de