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OVAG steigt in den Wasserstoffbetrieb ein

06.06.24

Die Oberbergische Verkehrs AG (OVAG) bereitet aktuell intensiv den Einstieg in die Wasserstofftraktion bei ihren Linienbussen vor. Wie OVAG-Geschäftsführerin Corinna Güllner im Kreisentwicklungsausschuss letzte Woche präsentierte, wurde dieser Betriebshof bewusst ausgewählt: „Der Betriebshof in Wipperfürth-Hämmern hat mit derzeit 25 Bussen, die dort beheimatet sind, eine ideale Größe, um in einem überschaubaren Zeitraum vollständig auf den Wasserstoff-Betrieb umgestellt zu werden. Hinzu kommen die Pläne zur Aufwertung der Linie 336. Die ersten emissionsfreien Busse im Oberbergischen sollen verstärkt auf dieser Linie eingesetzt werden.“

Für den Betriebshof im Nordkreis spricht auch die geographische Nähe zu den beiden Wasserstoff-Pionieren unter den Verkehrsunternehmen, nämlich der RVK, die unter anderem auf dem Betriebshof in Wermelskirchen Wasserstoffbusse einsetzt, und der WSW mobil in Wuppertal. Bereits im letzten Jahr hat die OVAG nach europaweiter Ausschreibung 15 Wasserstoffbusse vom Typ „Urbino 12 hydrogen“ des Busherstellers Solaris bestellt. Die Produktion läuft nach Plan und die ersten fünf Busse werden Anfang 2025 ausgeliefert. Die weiteren zehn Busse folgen im Laufe des ersten Quartals 2025.

Die Busse werden mit Wasserstoff betrieben, welcher gasförmig in sogenannten Druckspeichertanks auf dem Fahrzeugdach gespeichert wird. Der komprimierte Wasserstoff wird dann in eine Brennstoffzelle geleitet, welche den Strom für die Fahrmotoren generiert. Die einzigen Nebenprodukte sind Abwärme und Wasserdampf. Die neuen Solaris-Wasserstoffbusse werden mit modernen Brennstoffzellen mit einer Gesamtleistung von 70 kW und mit Solaris-High-Power-Traktionsbatterien ausgestattet, um die Brennstoffzelle in Zeiten des Spitzenstrombedarfs zu unterstützen.

Der Antrieb der Fahrzeuge erfolgt über einen 160 kW starken elektrischen Zentralmotor. Die bestellten Urbino-Wasserstofffahrzeuge werden mit einer Wärmepumpe beheizt. Die Reichweite einer Tankfüllung deckt mit rund 350 Kilometern die meisten der OVAG-typischen Fahrzeugumläufe sehr gut ab. Die Anschaffung der 15 Busse wird durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr mit 4,3 Millionen Euro gefördert. Die Förderung wird von der NOW GmbH koordiniert und durch den Projektträger Jülich (PtJ) umgesetzt.

Landrat Jochen Hagt (CDU) freut sich in seiner Doppelrolle als ÖPNV-Aufgabenträger und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der OVAG über die Förderung durch den Bund: „Emissionen spürbar absenken, attraktiven Lebensraum schaffen und die nachhaltige Mobilität ausbauen – die Beschaffung der 15 Wasserstoffbusse ist eine zukunftsweisende Maßnahme. Die umfangreiche Bundesförderungvon 4,3 Millionen Euro leistet einen wichtigen Beitrag, die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger in Oberberg zu verbessern.“

Jochen Hagt sieht aber auch die Herausforderungen, die mit der dauerhaften Finanzierung neuer Antriebstechnologien verbunden sind. Denn trotz der stolzen Summe deckt die Förderung nur achtzig Prozent der Mehrkosten gegenüber der Beschaffung von Dieselbussen ab, so dass der verbleibende Teil durch Eigenmittel gestemmt werden muss. Auch die laufenden Kosten liegen momentan noch über denen des Betriebs von Dieselbussen. Die Finanzierung der von der EU vorgegebenen Umstellung auf alternative Antriebstechnologien stellt damit für die OVAG und den Oberbergischen Kreis eine große Herausforderung dar, vor der derzeit deutschlandweit alle Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger stehen und sich eine zuverlässige und dauerhafte finanzielle Unterstützung durch Bund und Länder wünschen.

Die Betankung der Busse erfolgt in der Anfangsphase über eine mobile Tankstellenlösung. Bei der Ausschreibung, die auf große Resonanz stieß, konnte sich der französische Gase-Hersteller Air Liquide durchsetzen. Dieser betreibt in Marl das größte Trailer-Abfüllzentrum für Wasserstoff in Europa. Bei der mobilen Tanklösung von Air Liquide wird der Wasserstoff in Trailern angeliefert und über eine Umfülltafel direkt aus dem Trailer in den Bus gefüllt. Die OVAG und der Oberbergische Kreis war es dabei wichtig, dass von Anfang an erneuerbarer Wasserstoff („grüner Wasserstoff“) zum Einsatz kommt. Dabei produziert Air Liquide den Wasserstoff in seiner neuen PEM-Elektrolyse-Anlage „Trailblazer”, die aktuell in Oberhausen im Übergang von der Inbetriebnahme- in die Betriebsphase ist. Die Anlage wird mit erneuerbarem Strom betrieben.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de