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VRR publiziert 18. Qualitätsbericht

17.06.24

Der VRR hat in der letzten Woche seinen 18. SPNV-Qualitätsbericht für das Jahr 2023 publiziert. Er dokumentiert die Leistungen der RE-, RB- und S-Bahn-Linien, wirft einen prüfenden Blick auf den Zustand der Züge und gibt einen Überblick, wie die Fahrgäste die Eisenbahnverkehrsunternehmen bewerten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich insbesondere die Betriebsqualität verschlechtert. Die Regionalverkehrslinien waren häufiger mit Verspätung unterwegs oder fielen aufgrund von Baustellen, maroder Infrastruktur oder Personalmangel aus.

Im Jahr 2023 stieg die Anzahl der verspäteten Fahrten – und zwar in allen Produktgruppen. S-Bahnen waren wie bereits in den Vorjahren die pünktlichsten Regionalverkehrslinien: 83,4 Prozent aller Fahrten waren entweder pünktlich oder nur leicht verspätet. Bei den Regionalbahnen war dies nur bei 79,4 Prozent, bei den Regionalexpressen bei 72,5 Prozent der Fahrten der Fall. Gleichzeitig sank die durchschnittliche Verspätung um 29 Sekunden: Die Regionalverkehrszüge waren im Schnitt mit einer Verzögerung von zwei Minuten und sieben Sekunden unterwegs.

Baustellen im Eisenbahnnetz beeinträchtigten auch im Jahr 2023 den Regionalverkehr. Der Anteil an hieraus resultierenden Zugausfällen stieg um 2,41 Prozentpunkte auf 9,12 Prozent. Rechnerisch war fast jede zehnte Fahrt betroffen. Oftmals führen auch nicht vorhersehbare Ereignisse dazu, dass Fahrten nicht stattfinden konnten – so beispielsweise durch kurzfristige Personalausfälle bei Triebfahrzeugführern und Werkstattmitarbeitenden oder durch Streckensperrungen infolge von Infrastrukturstörungen, Bombenentschärfungen oder Personen im Gleis. Leider zeigte sich hier ein ähnliches Bild wie bei den Ausfällen aufgrund von Bauarbeiten: Die Quote der Fahrten, die 2023 kurzfristig nicht stattfinden konnte, stieg um 1,68 Prozentpunkte auf 8,36 Prozent.

„Die sinkenden Pünktlichkeitswerte und die Vielzahl an Zugausfällen zeigen deutlich, dass der Regionalverkehr nicht so verlässlich ist, wie er sein muss, um dem Umstieg auf Bus und Bahn einen Schub zu geben. Baustellen und die prekäre Personalsituation im SPNV sind zwei der Hauptgründe für die teils schlechte Betriebsqualität“, erklärt Oliver Wittke, Vorstandssprecher des VRR. „Alle SPNV-Akteure müssen sich dafür stark machen, die Situation im Interesse der Fahrgäste spürbar zu verbessern. Die Bandbreite reicht dabei von einem verbesserten Baustellenmanagement über die verstärkte Ausbildung und Qualifizierung von Personal bis hin zu Ersatzfahrplänen, die die Mobilität der Reisenden nachhaltig sichern.“

Bereits seit 2004 befragen wir unsere Fahrgäste zu einzelnen Qualitätsstandards und der Gesamtzufriedenheit mit einer Linie – und zwar auf Basis des gängigen Schulnotensystems von einsbis sechs. Erstmals erhielt keine der 49 SPNV-Linien eine Einser-Bewertung. Gleichzeitig ist die Spanne zwischen der beliebtesten und der unbeliebtesten Linie kleiner geworden – sie beträgt nur noch 0,8 Notenpunkte.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de