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Regiobahn startet Elektrifizierung

08.08.24

Die vollständige Elektrifizierung der Düsseldorfer Regiobahn ging letzte Woche in die Ausführungsphase: Im Jahr 2015 hat der VRR eine Ausschreibung zur Erstellung einer Aufgabenstellung für ein Planungsunternehmen erstellt. Das Planungsunternehmen Vössing Ingenieursgesellschafts mbH hat dann den Zuschlag bekommen und noch 2015 begonnen. In den Jahren 2016 – 2018 erfolgen Vorabsprachen mit der Bezirksregierung Düsseldorf und den Trägern öffentlicher Belange (TÖBs). Anschließend wurden die Planrechtsverfahren (davon fünf Plangenehmigungs- und fünf Planfeststellungsverfahren) eingeleitet.

Die letzte Plangenehmigung erreichte ihre Gültigkeit im Herbst 2022. Die Länge der Genehmigungsverfahren entstand aus den Einsprüchen von einigen wenigen Anwohnern, die es zu regeln galt. Weitere Herausforderungen bestehen in der Sperrpausenthematik auf dem Gebiet der Deutschen Bahn im Bereich Neuss Hbf. Nach einem mehrjährigen Vergabeverfahren und intensiven Verhandlungen erhält die Rail Power Systems GmbH (kurz RPS) im März 2024 den Zuschlag für die Umsetzung der Elektrifizierung der Regiobahn Infrastruktur.

Dazu ist es notwendig, nach bauvorbereitenden Maßnahmen wie Kampfmittelsondierungen und Vermessungen, zirka 41 Kilometer Kettenwerk in Bauart Re100 in Einzelstützpunktbauweise mit rund 730 Stahlmasten zu errichten. Die Gründungen finden im Ramm- und Bohrverfahren sowie konventionell statt. Kabeltiefbauleistungen, der Neubau der Speiseleitung sowie die Errichtung und Inbetriebsetzung der Ortssteuerungsanlage inkl. Fernwirktechnik sind ebenfalls im Leistungsspektrum von RPS enthalten. Nach Abnahme Ende 2026 folgt ein Instandhaltungsvertrag für fünf Jahre mit jährlicher Inspektion und ggf. erforderlicher Instandsetzung.

Die Durchführung erfolgt durch das RPS-Baubüro-West. Die Baukosten der Elektrifizierung liegen derzeit bei 45 Millionen Euro zzgl. der Nebenkosten für Planung, Steuerung, Vegetation, Ausgleichskosten und Bauzeitzinsen, welche rund zehn Millionen Euro betragen. Aufgrund der Zusammenführung der Maßnahmen „Elektrifizierung“ und „Verlängerung Wuppertal“ wurde eine Kostengrenze von fpnfzig Millionen Euro überschritten und damit erfolgte eine Förderung über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Sechzig Prozent der Förderung werden durch den Bund und dreißig Prozent der Förderung durch das Land erfolgen. Es werden allerdings nur die zuwendungsfähigen Baukosten gefördert.

Die Eigenmittel verbleiben bei der Regiobahn GmbH und müssen durch Darlehen finanziert werden. Die Eigenmittel (Darlehen) werden über die Laufzeit der Abschreibungen (25 Jahre) über die Trassenentgelte finanziert. Die notwendigen Begleitmaßnahmen zur Erstellung der Elektrifizierung bestehen in den Gleisabsenkungen unter der Konrad-Adenauer-Brücke (ca. 45 Zentimeter über eine Länge von etwa 500 Meter inklusive der Rampen) und unter der DB-Brücke (etwa zehn Zentimeter Absenkung) auf dem Gebiet der Deutschen Bahn.

Ebenfalls gehören vegetative Maßnahmen dazu, um die Sicherheit zur Oberleitung mit einer Spannung in Höhe von 15.000 Volt zu gewährleisten. Zwischen dem Bahnübergang an der Siemensstraße (Kaarst) und dem Bahnübergang der Geulenstraße (Neuss) wird ein zweites Gleis erstellt, um eine fliegende Kreuzung der dort stattfindenden Zugfahrten zu gewährleisten. Somit ist es nicht mehr erforderlich, dass sich die Züge in beiden Fahrtrichtungen an den Bahnsteigen in IKEA Kaarst begegnen.

Die zusätzliche Länge des zweiten Gleises beträgt ca. 1,5 Kilometer. Die Fertigstellung der beschriebenen Maßnahmen ist für Herbst 2026 avisiert, so dass die Elektrotriebzüge ab Fahrplanwechsel im Dezember 2026 verkehren können. Bis dahin müssen in einigen Wochen Schienenersatzverkehr durchgeführt werden. Aufgrund der engen Zeitschiene und um die Baumaßnahmen so kurz wie möglich zu halten, ist es notwendig Arbeiten sporadisch nachts auszuführen.

Das Unternehmen ist hierbei immer im Austausch mit den zuständigen Behörden und Fachbegleitungen, damit das Schutzgut Mensch, Tier und Pflanze so wenig wie möglich gestört werden. Die ab Dezember verkehrenden Elektrotriebzüge können 390 Personen befördern. Darunter befinden sich acht Sitzplätze in der ersten Klasse und 172 Sitzplätze in der zweite Klasse. Weiterhin ist eine Toilette an Bord. Die Länge der Elektrotriebzüge beläuft sich auf etwa siebzig Meter. So soll das bisherige Erfolgsmodell auch in der Zukunft fortgeschrieben werden.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de