17.09.24
Das Forschungsprojekt „Last Mile Tram Rhein-Main“ der University und Applied Science (UAS) Frankfurt am Main in Kooperation mit der VGF und Amazon befasst sich aktuell mit der Frage, welchen Beitrag die Straßenbahn in einer Großstadt bei der Paketzustellung leisten kann. Im Rahmen eines zunächst einmonatigen Testlaufs im Realbetrieb befördert die sogenannte Gütertram, eine ausschließlich zum Pakettransport genutzte Straßenbahn, Päckchen und Pakete seit letzter Woche vom Stadtrand in die Frankfurter Innenstadt.
Ziel des Projekts ist es, den Straßenverkehr zu entlasten sowie Lärm und CO2-Emissionen im Stadtgebiet zu verringern. Die Idee, eine Gütertram im Rahmen des Zustellprozesses auf der „letzten Meile“ (last mile) zu nutzen, ist 2018 in der Theorie gestartet. Der Weg des Forschungsprojekts führte über verschiedene Iterationsstufen, zuletzt mit Prozess-Simulationen, zum nun angelaufenen Realbetrieb der Last Mile Tram. Die Güterstraßenbahn der VGF wird Pakete von Amazon von der Haltestelle „Stadion“ zu der Haltestelle „Zoo“ und zum Betriebshof Gutleut – befördern.
Der Transportprozess auf der letzten Meile erfolgt dabei ohne den Ausstoß von CO2-Emissionen: Die Päckchen und Pakete werden von einem Verteilzentrum von Amazon in Raunheim mit E-Transporter zur Tram-Station in Stadtrandlage gebracht, in der Innenstadt werden die Sendungen von den Haltestellen „Zoo“ und auch vom Betriebshof Gutleut mit elektrisch betriebenen Lastenrädern an die Haustüren der Kunden geliefert. Gefördert wird das Projekt durch das Land Hessen aus dem Etat des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums.
Auch wenn Paketdienstleister vielerorts an nachhaltigeren Zustellkonzepten arbeiten und etwa die Elektrifizierung ihrer Flotten vorantreiben, erfolgt die Paketzustellung größtenteils noch immer durch konventionelle Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Beim Aufsetzen einer lokal CO2-freien Zustellung sind viele Faktoren und komplexe Zusammenhänge zu berücksichtigen: Neben den geeigneten Fahrzeugen bedarf es einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur und zentraler Mikrodepots, also kleiner Sendungsumschlagplätze, die besonders in Innenstadtlagen rar und teuer sind.
Deshalb sind alternative Lösungsansätze wie der Pakettransport via Schiene interessant. Im Rahmen des Realversuchs erfolgt eine ganzheitliche Betrachtung des Betriebs der Gütertram. Dies soll unter anderem Aufschluss darüber bringen, wie ein derartiges Lieferkonzept im Vergleich zur konventionellen Belieferung ausfällt, wobei auch Punkte wie Inflation und CO2-Steuer berücksichtigt werden.
Daneben geht es auch um Fragen zu Mengenspitzen im Sendungsvolumen und deren Auffangen in einem dreistufigen System sowie zum Verlagern des Transports in Randzeiten. Außerdem prüfen die Projektpartner, ob sich Sperrgut in der VGF-Straßenbahn transportieren lässt, und erproben den Einsatz von potenziell geeigneten Ladungsträgern zum Bündeln der Sendungen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de