07.10.24
Die Niederrheinischen Verkehrsbetriebe AG (NIAG) wird ab dem Jahr 2026 aufgrund der auslaufenden Bundesförderung keine Elektrobusse mehr neu anschaffen. Infolgedessen verfolgt das Unternehmen seinen ursprünglichen Plan nicht weiter, ein neues, zentrales Busdepot für Elektro-Busse auf rund 50.000 Quadratmetern in Kamp-Lintforter Gewerbegebiet Nord-Kamperbruch zu errichten.
Aufgrund des Karlsruher Urteils zum Bundeshaushalt fehlt es an den notwendigen Finanzmitteln auf Bundesebene, die notwendigen Fördergelder aufzubringen. Ohne zusätzliche Gelder der öffentlichen Hand können die Kommunen die Mehrkosten von sogenannten „alternativen Traktionsarten“ nicht stemmen – denn rein wirtschaftlich betrachtet ist die konventionelle Dieseltraktion allen anderen deutlich überlegen.
„Die neuen Rahmenbedingungen haben uns gezwungen, neue Berechnungen für die Investitionen rund um die E-Mobilität anzustellen“, erläutert NIAG-Vorstand Peter Giesen die aktuelle Situation. Bei einer NIAG-Veranstaltung am 24. Juni hatte NIAG-Vorstand Hendrik Vonnegut in diesem Zusammenhang betont: „Bei einem Preis für einen Elektrobus, der mehr als doppelt so hoch liegt wie für einen Dieselbus, kann praktisch kein ÖPNV-Unternehmen die Kosten alleine stemmen. Wie alle anderen Unternehmen in der Branche auch, sind wir hier auf Fördermittel angewiesen, um die Verkehrswende im ÖPNV zu schaffen.“
Allerdings greift der Bestellstopp nicht ab sofort: Die bereits bestellten, elektrisch angetriebenen Bussesollen sukzessive im Laufe des Jahres 2025 in das Liniennetz integriert werden. Damit würde das Unternehmen seinen Teil am Ziel des Kreises Wesel ganz klar erreichen, bis 2025 die CO2-Emissionen im ÖPNV um 25 Prozent zu reduzieren. „Busse stehen schon heute für nachhaltige Mobilität. Sie helfen, weniger Energie zu verbrauchen, im öffentlichen Raum Platz zu sparen und den Schadstoffausstoß zu verringern”, so NIAG-Vorstand Peter Giesen.
Angesichts der fehlenden Förderung ab dem übernächsten Jahr verzichtet die NIAG nun zunächst auf den Ankauf weiterer neuer E-Busse, bis sich alternative Fördermöglichkeiten in der geplanten Größenordnung ergeben. Das Unternehmen belässt es damit erst einmal bei den vorgesehenen 43 neuen Elektrobussen, davon zwölf Fahrzeuge mit 18 Metern Länge. Hierfür sind aus Bundesmitteln gut zwölf Millionen Euro Förderung vorgesehen. Das bedeutet: Bis einschließlich 2025 übernimmt der Bund achtzig Prozent der Mehrkosten im Vergleich zu neu angeschafften Dieselbussen.
Das Auslaufen der Bundesförderung hält die NIAG zudem nicht davon ab, zeitgemäße, klimafreundliche Angebote im ÖPNV zu entwickeln. Es gelte auch künftig, Umweltbelastungen weiter zu vermindern, um das allgemein steigende Verkehrsvolumen mit möglichst geringen Umweltauswirkungen bewältigen zu können. So prüft das Betriebsteam der NIAG laufend die noch bessere Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger.
Giesen: „Wir wollen die unterschiedlichen Verkehrsträger noch besser miteinander verknüpfen: Busse, On-Demand-Verkehr, Car-Sharing, Bahn und Fahrrad sowie verbindende Mobility- und Fahrradstationen. Und dazu: moderne Mobilitäts-Apps für unsere Fahrgäste. So kann ein Angebot entstehen, mit dem Menschen der Umstieg vom Pkw auf den ÖPNV erleichtert wird.“
Deswegen verzichtet man auch auf den Bau eines neuen zentralen Betriebshofes. Dieser „hätte betriebswirtschaftlich nur Sinn gemacht, wenn wir sicher davon ausgehen könnten, dass die NIAG im Laufe der kommenden Jahre die vorgesehenen Elektrobusse mit der entsprechenden Förderung auch beschaffen kann“, betont Vonnegut. „Das ist beim Wegfall der Förderung nicht machbar.“
Wegen der veränderten Rahmenbedingungen und Unsicherheiten bei Förderungen sei eine, wie von der Stadt verständlicherweise geforderte, kurzfristige Entscheidung über die Standortwahl für die NIAG aktuell nicht möglich. Grundsätzlich sei ein Standort in Kamp-Lintfort auch weiterhin denkbar und wird von der NIAG auch weiterhin für ein angepasstes Gesamtkonzept geprüft.
Mitte Dezember letzten Jahres hatten die Stadt Kamp-Lintfort und die NIAG gemeinsam mitgeteilt, dass sie über ein großes Grundstück für die NIAG-Elektromobilität verhandeln. Für das Beplanen der Fläche hatte die NIAG eine Frist bis Ende September 2024 mit der Stadt vereinbart. Zwar bedankt man sich ausdrücklich bei der Stadt Kamp-Lintfort für die gute Zusammenarbeit, auch wenn die weitere Planungen jetzt aufgegeben werden müssen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de