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Münster: Zehn Jahre Elektrobusse

19.05.25

Vor zehn Jahren rollte Münsters erster Elektrobus vom Tieflader. Der hatte den Prototypen des Herstellers VDL aus dem belgischen Werk nach Münster gebracht. „Wir waren gespannt, was uns mit der neuen Technik erwartet. Zwar hatten wir bereits verschiedene Schulungen durchlaufen, aber den Bus dann vor Ort zu sehen, war sehr spannend. Denn dass die E-Busse vieles verändern würden, wusste wir alle“, erinnert sich Tomislav Gorupic, heute Abteilungsleiter der Stadtwerke-Werkstatt.

Inzwischen ist die anfängliche Neugierde längst der Normalität des Alltags gewichen. Von den etwa 120 Bussen der Stadtwerke Münster fahren bis Mitte 2025 bereits 97 vollständig elektrisch. „Wir sind heute schon ein Elektrobus-Betrieb, mit einem kleinen Rest Dieselbusse, die wir in den nächsten Jahren ebenfalls ersetzen werden. Der E-Bus muss jeden Tag funktionieren und darauf haben wir uns vollständig ausgerichtet“, sagt Frank Gäfgen, Geschäftsführer für Mobilität der Stadtwerke Münster, selbstbewusst. „Spätestens 2029 wollen wir den letzten Dieselbus abgeben. Dieses Ziel verfolgen wir von Beginn an und wir werden es erfüllen – vielleicht sogar ein Jahr früher als geplant.“

Schon zum Start der 2010er-Jahre haben die Stadtwerke sich eine Elektrobus-Strategie zurechtgelegt und setzen diese seit 2015 konsequent um. Kernstück dieser Strategie ist das Nachladen der Busse auf der Strecke. Dafür haben sie an zwölf Endhaltestellen 16 Ladestationen installiert. Weitere sechs Haltestellen werden bis 2026 noch ausgerüstet. „Dann ist der Infrastrukturausbau für uns abgeschlossen“, sagt Frank Gäfgen.

Durch die Nachladung an der Endhaltestelle – wenn der Bus ohnehin Pause macht – können die Stadtwerke Dieselbusse fast 1:1 ersetzen, es fallen keine zusätzlichen Ladepausen oder Auswechselfahrten an. Über drei Millionen Kilometer werden die Stadtwerke-Busse in diesem Jahr elektrisch zurücklegen, nur noch etwa eine Million mit Diesel. Der Dieselverbrauch – und damit einhergehend auch der CO2-Ausstoß – wird von 2017 bis 2025 von 2,6 Millionen Liter Diesel auf voraussichtlich unter 500.000 Liter sinken.

Dabei ist es für die Stadtwerke selbstverständlich, dass die Busse Ökostrom tanken. Elektrobusse sind deutlich leiser als Dieselbusse, wovon Fahrgäste genauso profitieren wie Anwohner an den Bustrecken und Gäste in der Innenstadt. Die Investitionen in die Elektrifizierung – insbesondere für Mehrkosten der E-Busse gegenüber Dieselbussen, der Ladeinfrastruktur auf dem Betriebshof und an den Endhaltestellen sowie der Werkstattumrüstung – sind nur dank Fördergeldern möglich.

So gibt es bei den Mehrkosten Förderquoten von achtzig Prozent, bei der Infrastruktur sogar von neunzig Prozent. Ein Ende ist auch nach zehn Jahren noch nicht absehbar: Sowohl die Anschaffung von Elektrobussen als auch der Bau entsprechender Betriebshöfe bedarf dauerhaft einer Kofinanzierung durch Bund oder Land. Unter reinen Marktbedingungen ist der konventionelle Dieselbus weiterhin unschlagbar.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de