23.05.25
Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hat die Pünktlichkeits- und Zugausfallquoten für das Jahr 2024 veröffentlicht. Fast 15 Prozent der bayerischen Nahverkehrszüge waren unpünktlich: Im Durchschnitt lag die Pünktlichkeitsquote aller Regionalzüge und S-Bahnen in Bayern bei 85,3 Prozent (2023: 87,0 Prozent). Ausgefallen sind 8,0 Prozent der Verkehrsleistungen (2023: 6,3 Prozent). Hauptursachen für die Verspätungen und Ausfälle waren erneut die störanfällige Bahninfrastruktur sowie zahlreiche Baustellen. Als pünktlich gewertet werden alle Züge, die weniger als sechs Minuten Verspätung haben.
Der bayerische Verkehrsminister und BEG-Aufsichtsratsvorsitzende Christian Bernreiter (CSU) führt zu den Zahlen aus: „Die Entwicklung ist ziemlich ernüchternd, kommt aber alles andere als überraschend. Im bayerischen Bahnverkehr gehen die Uhren leider auch nicht anders, dieser Negativtrend ist bundesweit festzustellen. Auch im Freistaat bleiben die massiven Infrastrukturdefizite mit das gravierendste Problem. Mit dem Sondervermögen Infrastruktur hat der Bund jetzt ein wichtiges Instrument zum Gegensteuern. Zusammen mit der DB InfraGO muss er die dringend notwendigen Schieneninfrastrukturmaßnahmen zügig umsetzen, um den Turnaround zu schaffen. Mir ist vor allem wichtig, dass Investitionen dabei nicht nur in die Generalsanierung hochfrequentierter Strecken fließen, sondern auch in die Fläche. Nur dann wird wieder mehr Zuverlässigkeit in den Schienenpersonennahverkehr zurückkehren können.“
BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs ergänzt: „Das ist leider die schlechteste Bilanz seit der Regionalisierung des Schienenpersonennahverkehrs vor dreißig Jahren. Verspätungen und Zugausfälle prägen auch in Bayern immer mehr den Alltag und sorgen für berechtigten Ärger bei den Fahrgästen. Wir müssen realistisch bleiben: Kurzfristig ist kein substanzieller Qualitätssprung zu erwarten. Die marode Infrastruktur setzt die Rahmenbedingungen – unsere Gestaltungsmöglichkeiten sind hier begrenzt. Bis zu einer deutlichen Trendwende ist weiterhin Geduld gefragt.“
Nahezu die Hälfte aller Verspätungen war 2024 wieder auf infrastrukturbedingte Störungen und Bauaktivitäten zurückzuführen. Zusammengefasst waren es 47,2 Prozent; damit liegt der Wert nochmals um 6,4 Prozentpunkte höher als im Vorjahr (2023: 40,8 Prozent). Störungen an Leit- und Sicherungstechnik, Weichen, Gleisen und Bahnübergängen verursachten 36,4 Prozent aller verbuchten Fälle (2023: 30,7 Prozent); häufiger Grund dafür waren Langsamfahrstellen aufgrund von Fahrbahnmängeln und Gleislagefehlern. 10,8 Prozent der Verspätungen gingen auf Bauarbeiten zurück (2023: 10,1 Prozent). 15,2 Prozent der Verspätungsfälle waren auf die verkehrliche Durchführung zurückzuführen, also auf Verspätungen im Verantwortungsbereich der Verkehrsunternehmen (2023: 15,6 Prozent). Haltezeitüberschreitungen hatten einen Anteil von 13,0 Prozent (2023: 15,1 Prozent), also zu lange Abfertigungszeiten.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de