Die Busfahrer sind in Deutschland stark unterrepräsentiert, was gravierende Folgen für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hat. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) meldet einen aktuellen Mangel von rund 20.000 Fahrern, der bis 2030 auf bis zu 65.000 ansteigen könnte. Hauptursachen sind die hohe Anzahl älterer Fahrer, die in Rente gehen, und unattraktive Arbeitsbedingungen wie niedrige Gehälter und unregelmäßige Schichten. Viele erfahrene Mitarbeiter verlassen den Beruf vorzeitig, während junge Fahrer rar sind. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sind dringend bessere Arbeitsbedingungen erforderlich. Die Ausbildungskosten für angehende Busfahrer liegen zwischen 10.000 und 12.000 Euro, was viele abschreckt. Zudem erschweren bürokratische Hürden und die mangelnde Anerkennung ausländischer Qualifikationen die Anwerbung internationaler Arbeitskräfte.
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Die Busfahrer fehlen – und das hat Konsequenzen. Im ganzen Land mangelt es an Busfahrern. In den kommenden Jahren wird diese Zahl aufgrund steigender Renteneintritte weiter ansteigen. Die Folgen sind für die Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) deutlich spürbar. Von Katharina Bruns, hr. Es ist noch dunkel draußen, die Straßen sind menschenleer. Der 31-jährige Messi Azar beginnt seine Schicht im Busdepot in Wiesbaden. Zunächst fährt er etwa 20 Minuten allein, eine Zeit, die er besonders schätzt. Denn sobald der Bus voll ist, trägt Azar die Verantwortung für Hunderte von Fahrgästen. Vor zwei Jahren wurde er von einem Auto auf der Busspur geschnitten und musste eine Notbremsung machen, bei der mehrere Passagiere verletzt wurden. Diese Erinnerung beschäftigt ihn bis heute. „So sehr ich meine Arbeit auch liebe: Man muss stets wachsam sein. Fehler sind nicht erlaubt und werden hart bestraft.“
Ein herausfordernder Beruf
Dies ist nur ein Aspekt, der den Beruf des Busfahrers anspruchsvoll gestaltet. Unregelmäßige Arbeitszeiten, Schichten am Wochenende, relativ niedrige Gehälter sowie psychischer Druck durch straffe Fahrpläne und wachsende Konflikte mit Fahrgästen führen dazu, dass viele erfahrene Mitarbeiter den Job vorzeitig aufgeben. Gleichzeitig sind junge Fahrer wie Azar rar gesät. Diese Situation stellt die Branche vor erhebliche Herausforderungen. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) berichtet bereits jetzt von einem Mangel von rund 20.000 Busfahrern im ÖPNV in Deutschland. Dies führt dazu, dass etwa 65 Prozent der Unternehmen Fahrten absagen müssen. Prognosen des BDO zeigen, dass sich diese Zahl bis 2030 auf bis zu 65.000 erhöhen könnte, falls keine Maßnahmen ergriffen werden. Jochen Koppel, Gewerkschaftssekretär bei ver.di für den Bereich ÖPNV in Hessen, rechnet sogar mit einer noch höheren Zahl.
Geburtenstarke Jahrgänge gehen in Rente
Aktuellen Zahlen des BDO zufolge sind rund 57 Prozent der Bus- und Straßenbahnfahrer älter als 55 Jahre; jährlich gehen zwischen 4.000 und 6.000 von ihnen in den Ruhestand. Diese hohe Anzahl älterer Fahrer resultiert daraus, dass viele ÖPNV-Unternehmen in den 1990er-Jahren aus Kostengründen keine neuen Mitarbeiter eingestellt haben, erklärt Lars Wagner vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Die Gruppe der Babyboomer ist also überproportional vertreten. Um jüngere Fahrer zu gewinnen, sind dringend bessere Arbeitsbedingungen erforderlich, betont Jochen Koppel von ver.di. Azar wünscht sich beispielsweise mehr Erholungstage und eine höhere Wertschätzung seiner Arbeit. An manchen Tagen muss er Verspätungen mit seinen Pausen ausgleichen – oft bleibt ihm nicht einmal Zeit für eine Toilettenpause. Wenn er doch geht, stößt das bei vielen Fahrgästen auf Unverständnis. Den Frust spürt er auch während Streiks: „Viele Fahrgäste begreifen nicht, dass wir zu ihrem Vorteil streiken, um die Voraussetzungen für eine sichere Beförderung zu schaffen“, sagt Azar.
Hohe Ausbildungskosten, zu geringe Bezahlung
Auch die Vergütung könnte seiner Meinung nach besser sein. Im Durchschnitt verdienen Busfahrer in Deutschland etwa 3.200 Euro brutto pro Monat. Viele arbeiten Überstunden, um ausreichend Geld zu verdienen und erreichen dabei teilweise über 220 Stunden im Monat. „Wir möchten alle gerne unseren Job fortsetzen, aber unter anderen Bedingungen“, so Azar weiter. Der BDO weist darauf hin, dass die Gehälter zuletzt gestiegen sind und dass es sich die Unternehmen aufgrund des Fahrermangels nicht leisten können, unattraktive Löhne oder Arbeitsbedingungen anzubieten. Jochen Koppel von ver.di hingegen meint: „Das reicht nicht aus. “Auch beim Zugang zum Beruf des Busfahrers seien andere Rahmenbedingungen nötig, fordert der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmen (LHO). Die Kosten für die Ausbildung und somit die Einstiegshürden in diesen Beruf seien nach wie vor viel zu hoch, erklärt LHO-Geschäftsführer Volker Tuchan: „Die Ausgaben für den Busführerschein und die erforderliche Berufskraftfahrerqualifikation liegen zwischen 10.000 und 12.000 Euro. Ohne Unterstützung durch die Arbeitsagentur oder das Unternehmen selbst ist dies kaum zu bewältigen.“ In anderen EU-Ländern seien die Kosten allgemein deutlich geringer, da weniger Pflichtstunden abzuleisten seien.
Mit dem Renteneintritt der Babyboomer-Generation wird sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen.
Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte ist kompliziert. Zusätzlich bemängelt der BDO, dass die deutschen Ausbildungsstandards weit über den Anforderungen des EU-Rechts liegen: „Diese bürokratischen nationalen Vorgaben sowie die hohe Anzahl an Pflichtstunden führen dazu, dass die deutsche Ausbildung zum Busfahrer im europäischen Vergleich extrem teuer ist und durch die bürokratische Gestaltung an Attraktivität verliert.“ Die Pflichtstunden müssten daher reduziert werden. Ein weiteres Hindernis sind die Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Führerscheine, beklagt der BDO weiter. Obwohl der europäische Arbeitsmarkt mittlerweile nahezu ausgeschöpft ist, gibt es in Drittstaaten noch erhebliches Potenzial. „Leider wird die Anwerbung dieser dringend benötigten Fahrerinnen und Fahrer durch die manglnde Anerkennung ihrer Qualifikationen erschwert“, erklärt der BDO weiter. „In Deutschland kann im Gegensatz zu anderen Ländern die Berufskraftfahrerqualifikation nur in deutscher Sprache erworben werden.“
Nutzer des ÖPNV spüren den Fachkräftemangel immer stärker.
Gerät die Verkehrswende ins Stocken? Der BDO hat bereits darauf hingewiesen, dass man die Politik auf das Problem des Fahrermangels aufmerksam gemacht hat. Die alte Bundesregierung habe reagiert und wirksame Maßnahmen wie die Reduzierung der Pflichtstunden sowie die Möglichkeit fremdsprachiger Prüfungen für die Berufskraftfahrerqualifikation initiiert. „Allerdings sind diese Gesetzgebungsprozesse aufgrund des Bruchs der Ampelregierung ins Stocken geraten und müssen nun von der neuen Bundesregierung zügig vorangetrieben werden“, so der Bundesverband. Der Renteneintritt der Busfahrer und der daraus resultierende Mangel stellen zudem ein Problem für die Verkehrswende und den Kampf gegen den Klimawandel dar. „Es besteht die Befürchtung, dass ein Ausbau des ÖPNV durch diese Entwicklung tatsächlich behindert wird“, bestätigt Volker Tuchan vom LHO. Laut einer Studie im Auftrag der Klima-Allianz Deutschland und ver.di müssen bis 2030 etwa 63.000 altersbedingt freiwerdende Stellen im kommunalen ÖPNV neu besetzt werden, um das aktuelle Fahrtenangebot aufrechtzuerhalten. Für eine Verdopplung der Fahrgastzahlen bis 2030 – wie es sich die ehemalige Bundesregierung vorgenommen hat – wären zusätzlich etwa 87.000 Fachkräfte notwendig.
vgl. Katharina Bruns, mit Informationen von Lisa Brockschmidt, https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/oepnv-busfahrer-nachwuchsmangel-100.html, „Die Busfahrer fehlen – und das hat Folgen“, Stand: 11.05.2025