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Bus und Bahn sind wichtiger denn je

26.05.25

Es ist eine allgemeine Unsitte geworden, dass wir in Deutschland marode Unternehmen um jeden Preis retten, weil da ja Arbeitsplätze dranhängen, aber gleichzeitig die Beschäftigten im Bereich des öffentlichen Verkehrs nur Geld kosten – so wird es zumindest vielfach wahrgenommen. Dabei fängt es damit an, dass auch der Straßenbahnfahrer oder der Fahrdienstleiter in Lohn und Brot stehen, ihre Familie ernähren, für die Ausbildung ihrer Kinder sorgen und als volkswirtschaftliche Binnennachfrager auftreten. Die Berufe im Bereich des öffentlichen Verkehrs sind in vielen Fällen deutlich nachhaltiger als so manches, was unter dem Label der vermeintlich „freien Wirtschaft“ läuft.

Doch auch darüber hinaus ist der öffentliche Verkehr mehr als ein Luxus, den wir uns leisten, sondern die volkswirtschaftlichen Kosten, die bei einem Wegfall entstehen würden, wären deutlich größer. Das machen sich viele Leute gar nicht klar, aber wenn wir die vielen Leute, die jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit fahren, plötzlich auf der Autobahn hätten, dann wären die Staus noch schlimmer, die Kommunen würden endgültig im Verkehrsinfarkt ersticken und der Bedarf an Parkplätzen würde den zur Verfügung stehenden Raum weit überschreiten.

Jetzt kann man, womöglich mit Recht, auch sagen, dass so manch ein sogenannter „Captive Rider“ ohne öffentliche Verkehrsmittel gar nicht unterwegs wäre. Ein Student aus einem nicht so gut betuchten Elternhaus in der Eifel könnte ohne Eisenbahnverbindung nach Köln, Bonn, Koblenz oder Trier vermutlich nicht studieren und müsste sich vor Ort eine Lehrstelle suchen. Wenn er die in seiner Nähe nicht findet, müsste man wohl befürchten, dass hier jemand dauerhaft in der Arbeitslosigkeit landet und vom Sozialstaat versorgt werden müsste, weil es in jungen Jahren keine Möglichkeit gibt, dass derjenige zu seiner Hochschul- oder Berufsausbildung pendelt.

Viele Firmen, gerade im urbanen Raum, hätten noch größere Probleme ihre Stellen zu besetzen, weil die Anfahrt über die Schiene nicht zu bewältigen wäre. Ja, vielleicht könnte man mit dem Auto kommen, doch die dann weiter eskalierenden Stau- und Parkplatzprobleme würden den Arbeitsplatz sehr unattraktiv machen. Das ganze muss der Branche aber auch ein Ansporn sein: Es reicht nicht zu sagen, wie toll man es, es reicht auch nicht zu sagen, dass die Probleme bestenfalls die Folge von tatsächlicher oder vermeintlicher Unterfinanzierung durch die öffentliche Hand sind, sondern man muss aktiv den Weg aus der aktuellen Eisenbahnkrise suchen.

Wenn die verschiedenen Verkehrsbetreiber überall in Deutschland im personalbedingten Notfahrplan stecken, dann ist das das Gegenteil einer attrkativen Eisenbahn. Der Fahrgast wünscht sich nicht nur ein verlässlich gutes Angebot, er ist sogar darauf angewiesen. Wenn das über längere Zeit ausbleibt, wird er der Schiene auch trotz des Deutschlandtickets wieder den Rücken kehren. Ja, ein gutes öffentliches Verkehrsangebot ist die Voraussetzung für unseren Wohlstand. Aber auch das muss in Schuss gehalten werden.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de