Jobportal für die Bahnbranche & ÖPNV

VBB: Fahrgastniveau knapp unter 2019

26.05.25

Nach Jahren des kontinuierlichen Wachstums lagen die Fahrgastzahlen im VBB-Verbundgebiet 2024 nur knapp unter dem bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2019: 2024 nutzten rund 1,56 Milliarden Menschen den öffentlichen Nahverkehr in Berlin und Brandenburg – 43 Millionen mehr als im Vorjahr. Damit erreichten die Verkehrsunternehmen 99,4 Prozent des vorpandemischen Rekordniveaus von 2019. Der Nahverkehr in der Hauptstadtregion ist damit nahezu zurück auf Vorkrisenstand, trotz veränderter Mobilitätsmuster und in Teilen weiterhin verbreitetem Homeoffice.

Allerdings auch mit dem neuen Deutschlandticket, das es 2019 noch nicht gegeben hat. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) verzeichnete 2024 einen Anstieg der Fahrgastzahlen um 2,8 Prozent – bleibt damit jedoch hinter dem bundesweiten Trend zurück. Laut Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) legte der öffentliche Nahverkehr deutschlandweit um rund vier Prozent zu. Das Statistische Bundesamt berichtet gar von einem vorläufigen Plus von rund fünf Prozent im Nahverkehr der großen Verkehrsunternehmen.

Das liegt daran, dass der VDV die Werte grundsätzlich konservativer rechnet als das Statistische Bundesamt. Die VDV-Daten liegen zudem deutlich früher im Jahr vor, weil die Zahlen für das vierte Quartal hochgerechnet werden – auch hier ist man deutlich zurückhaltender, sodass das Statistische Bundesamt die VDV-Zahlen jedes Jahr noch einmal leicht nach oben korrigiert. Aber dennoch ist der Anstieg im bundesweiten Durchschnitt höher als im VBB. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Nachfrage im Verbundgebiet, durch das bereits dichte ÖPNV-Angebot, schon grundsätzlich auf hohem Niveau lag.

esonders Berlin ist eine Metropolregion mit stark ausgeprägtem Homeoffice-Anteil und einem bereits hohen Anteil digitaler Mobilität, was das Wachstumspotenzial im Vergleich zu anderen Regionen etwas begrenzen kann. Zuwächse wurden auf fast allen Verkehrsträgern verzeichnet – mit einer Ausnahme. Denn die S-Bahn Berlin verzeichnete einen Rückgang um 3,6 Prozent, was rund 17 Millionen Fahrgästen weniger entspricht.

Dieser Rückgang ist vor allem auf die Streiks und auf umfangreiche Baumaßnahmen zurückzuführen, die zu temporären Verlagerungseffekten führten. Eine Trendwende in dieser Entwicklung ist, so der VBB, allerdings absehbar. Im Vergleich zum Einführungsjahr 2023 sind die Verkaufszahlen beim Deutschlandticket im Durchschnitt des Jahres 2024 leicht gesunken.

Dies wird nicht als Rückschritt bewertet, sondern eher als Zeichen dafür, dass die Tarifvielfalt greift. Rückgänge beim Deutschlandticket im Verbundgebiet im Jahr 2024 lassen sich u. a. durch das neue Deutschlandsemesterticket (seit April 2024) und das Berlin-Abo für 29 Euro (seit Juli 2024, erwerbbar bis Anfang Dezember 2024) erklären. Beide Angebote haben zu einer Verlagerung innerhalb der Tarifstruktur geführt. Insgesamt bleibt die Nachfrage auf hohem Niveau stabil.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de