02.06.25
FlixTrain hat letzte Woche die Bestellung 65 neuer europäischer Hochgeschwindigkeitszüge bekanntgegeben. Während der spanische Hersteller Talgo die Züge baut und gewisse Wartungsleistungen übernimmt, liefert Siemens die Lokomotiven. Das Vertragsvolumen beläuft sich auf bis zu 2,4 Milliarden Euro, davon sind bereits über eine Milliarde Euro verbindlich zugesagt. Mit dieser strategischen Entscheidung reagiert FlixTrain auf die wachsende Nachfrage nach schnellen und günstigen Zugreisen.
Die neuen Hochgeschwindigkeitszüge ermöglichen es dem Unternehmen, das enorme Marktpotenzial in Deutschland und Europa zu erschließen. Der Schienenpersonenfernverkehr soll in Deutschland bis 2030 um 45 Prozent gegenüber 2021 wachsen. Europaweit ist das Marktpotenzial mit rund 27 Milliarden Euro im Jahr 2023 mit einem erwarteten jährlichen Wachstum von vier bis fünf Prozent sogar noch größer. Allein im Jahr 2024 hat FlixTrain sein Angebot um vierzig Prozent ausgebaut und einen deutlichen Fahrgastzuwachs erzielt – aufbauend auf dem bereits sehr starken Jahr 2023.
„Wir verfolgen mit FlixTrain eine langfristige Strategie und werden unser Angebot in den kommenden Jahren deutlich vergrößern“, sagt André Schwämmlein, CEO und Mitgründer von Flix. „Mit dem starken Ausbau unserer Zugflotte starten wir eine neue Ära des Zugreisens in Deutschland und Europa.“ Das übergeordnete Ziel von FlixTrain ist es, mehr Menschen für nachhaltiges Reisen mit dem Zug zu gewinnen: „Wir wollen nicht nur unseren Marktanteil erhöhen, sondern auch den Markt selbst deutlich vergrößern.“
Politisch hat die neue Bundesregierung das enorme Potenzial des Marktes erkannt und sich zu langfristigen Investitionen in die Infrastruktur sowie zu einer Reform des Trassenpreissystems in Deutschland bekannt. Diese Pläne können weitere private Investitionen in den deutschen Bahnsektor anstoßen, Innovationen fördern und für ein größeres Angebot sorgen. Letztlich würde dies mehr Wettbewerb und ein besseres Angebot für Fahrgäste bedeuten.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagt: „Wir begrüßen die Investition von FlixTrain ausdrücklich. Dass ein deutsches Tech-Unternehmen in dieser Größenordnung investiert, ist ein starkes Signal für den Schienenmarkt”.
„Die neue Bundesregierung hat die Bedeutung wettbewerbsfreundlicher Rahmenbedingungen für die Schiene erkannt. Werden die vereinbarten Maßnahmen zügig umgesetzt, kann das für größere Investitionen auf dem deutschen Markt sorgen“, so Schwämmlein. Gleichzeitig arbeitet FlixTrain mit der Europäischen Kommission zusammen, um den europäischen Zugverkehr zu fördern und das Angebot zu verbessern. Die neuen FlixTrains sind europäische Hochgeschwindigkeitszüge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 230 km/h.
Sie bieten barrierefreien Einstieg, den es derzeit in keinem Fernverkehrszug in Deutschland gibt, Fahrgastinformationssysteme, Wifi-Lösungen und viele weitere Eigenschaften, die den Reisekomfort erhöhen. Die Züge basieren auf der Plattform Talgo 230, mit der Projekte in Dänemark und Deutschland durchgeführt werden. Sowohl Flix als auch Talgo haben weitere projektspezifische Optimierungen vorgenommen, um eine hohe betriebliche Effizienz zu gewährleisten.
Darüber hinaus werden die Züge von Siemens-Lokomotiven (Siemens Vectron) angetrieben, die in den vergangenen Jahren ihre hohe Zuverlässigkeit im Betrieb unter Beweis gestellt haben. Eine Besonderheit der Züge ist ihr europäischer Charakter: Sie sind so konzipiert, dass sie in zahlreichen europäischen Ländern einsetzbar sind – und ermöglichen somit eine europäische Skalierung.
Derzeit sind dank einer umfassenden Kooperation mit Regionalzügen in ganz Deutschland rund 650 Ziele über FlixTrain buchbar; fünfzig Städte werden dabei direkt von FlixTrain bedient. Die neuen Züge sollen die Expansion in Deutschland und anderen europäischen Ländern vorantreiben. Erfreut zeigt sich auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die Bundesvorsitzende Kerstin Haarmann sagt: „ Gegenwärtig stehen die Missstände bei der Infrastruktur im Mittelpunkt der bahnpolitischen Debatte.
Die Chancen eines grundsanierten und ausgebauten deutschen und europäischen Bahnmarktes kommen dabei viel zu kurz. Dies zeigt die Milliarden-Investition von Flixtrain. Diese Fernzüge sollen erstmals so konzipiert sein, dass sie in zahlreichen europäischen Ländern einsetzbar und auch barrierefrei sind – letzteres ist bisher in Deutschland keine Selbstverständlichkeit.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de