11.06.25
Nach aktuellem Stand soll das Großprojekt Stuttgart 21 im Dezember 2026 an den Start gehen – neun Jahre später und mehr als doppelt so teuer als geplant. Zahlreiche Bahnverbindungen im Südwesten Deutschlands sollen davon betroffen sein. Aus Schweizer Sicht ist insbesondere die Digitalisierung der Leit- und Sicherungstechnik im gesamten Bahnknoten relevant. Viele Wege führen aus der Schweiz nach Deutschland, darunter drei wichtige Bahnverbindungen: Ab Basel führt die Rheintalbahn über Freiburg und Karlsruhe nach Frankfurt, Hamburg oder Berlin.
Wer nach München will, erreicht die bayrische Metropole ab St. Margrethen mit dem EuroCity in gut zwei Stunden. Etwa gleich lang dauert die Fahrt mit der Gäubahn von Schaffhausen in die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart. Diese dritte Verbindung steht vor großen Veränderungen, wenn im Dezember nächsten Jahres der Tiefbahnhof wirklich in Betrieb gehen sollte. um verkehrstechnisch wie baulich komplexen Großprojekt gehören vier neue Bahnhöfe, 56 Kilometer Tunnel, 42 Brücken und über hundert Kilometer neue Gleise, die mit bis zu 250 km/h befahren werden können.
Der Ausbau mit Gesamtkosten von rund elf Milliarden Euro kommt nicht nur Stuttgartern zugute, sondern drei Viertel der elf Millionen Einwohner Baden-Württembergs. Sie profitieren von umsteigefreien Verbindungen und erheblich verkürzten Reisezeiten im Fern- und Regionalverkehr. Beim Baubeginn 2010 waren die Kosten mit 4,5 Milliarden Euro gedeckelt. Es gab Rechtsstreitigkeiten zwischen Bahn und Land, weil man in Baden-Württemberg nicht bereit war, mehr Geld bereitzustellen, als man vertraglich verpflichtet war.
Ursprünglich sollte sich Stuttgart 21 sogar durch Erlöse aus Grundstücksverkäufen selbst finanzieren – wovon jedoch längst niemand mehr spricht. Die Strecke Ulm-Stuttgart-Mannheim, die Baden-Württemberg von Osten nach Nordwesten quert, wird neu in 62 Minuten (statt 101 Minuten) zurückgelegt. Der Zeitgewinn ist unter anderem der 60 Kilometer langen Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm zu verdanken, die parallel zu Stuttgart 21 gebaut wurde und im Dezember 2022 den Betrieb aufnahm. Wer zwischen den Studentenstädten Heidelberg und Tübingen reist, ist neu umsteigefrei unterwegs. Die Fahrtzeit ab Stuttgart Hbf zum Flughafen Stuttgart schrumpft von 27 auf sechs Minuten.
„Mehr als zehn Millionen Fahrgäste allein im Fernverkehr werden jährlich vom Ausbau des Bahnknotens Stuttgart und der Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm profitieren“, sagt Jörg Hamann im Namen der Deutschen Bahn. Die Nachfrage wird gemäß Prognosen jährlich um zwei Millionen Reisende ansteigen und damit zur Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene beitragen. Der bisherige Kopfbahnhof hatte 16 Gleise, aber nur fünf zu- und abführende Gleise. Die acht Gleise des neuen Durchgangsbahnhofs bewältigen stündlich mindestens 49 Züge (statt bisher 37), was einer Kapazitätssteigerung um dreißig Prozent entspricht.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de