16.06.25
Angesichts seiner Jahrestagung meldet der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) eine neue Mitgliederhöchstzahl: 675 Betriebe sind dort organisiert, davon siebzig außerordentliche Mitglieder. Dabei sieht man die Branche in einem Wandel, wie es ihn bislang nie gegeben hat, mit besonderen Herausforderungen, denen es sich jetzt zu stellen gilt.
VDV-Präsident Ingo Wortmann: „Wir sind der Branchenverband für den öffentlichen Verkehr in Deutschland und stehen damit für das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: den Personen- und Güterverkehr. Weil wir bei der Schiene im Land so viel zu tun haben, haben wir uns im VDV zuletzt personell verstärkt, denn die Eisenbahn in Deutschland steht an einem Wendepunkt: Es führt kein Weg an Sanierung, Modernisierung und Digitalisierung vorbei. Mit dem Ziel von achtzig Prozent Elektrifizierung bis 2035 setzt der VDV klare Maßstäbe für eine klimafreundlichere, leistungsfähigere Schieneninfrastruktur.“
Auch im öffentlichen Personenverkehr gilt es aus Sicht des VDV, als Branche gemeinsam die überfälligen Entwicklungen voranzutreiben: „Zwei Jahre nach seiner Einführung nutzen rund 13,5 Millionen Menschen das Deutschland-Ticket – ein echter Produkt-Neustart für den öffentlichen Nahverkehr. Die Abo-Quote ist seither um 62 Prozent gestiegen, und durch das Ticket konnten bereits über 2,3 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden. Das D-Ticket ist aus der öffentlichen Mobilität nicht mehr wegzudenken – es steht für Einfachheit, Attraktivität und Alltagstauglichkeit. Gleichzeitig wirkt das Ticket als faktische Preisobergrenze und bindet damit das unternehmerische Handeln der Verkehrsunternehmen“, so Ingo Wortmann.
Die Ergebnisse der großen Deutschlandumfrage Fahrpersonal 2025 zeigen, wie tiefgreifend sich die Realität im Fahrdienst verändert hat – und wo konkreter Handlungsbedarf für Branche und Politik besteht: „Mehr als die Hälfte des Fahrpersonals in Bus und Bahn kommt inzwischen als Quereinsteiger, während 51 Prozent das Image ihres Berufs als schlecht bewerten – ein Weckruf für Politik und Branche zugleich. Die Branche muss ihre Hausaufgaben bei der Digitalisierung der Bewerbungsprozesse, der Arbeitgeberattraktivität und der gezielten Quereinsteigeransprache machen. Zudem ist ein kontinuierlicher Spracherwerb auch den ersten Einsatzstunden unabdingbar und muss durch entsprechende Angebote der Bildungsträger und Arbeitsbehörden unterstützt werden. Eine moderne Verkehrspolitik muss dafür sorgen, dass bundeseinheitliche Sicherheitsstandards, eine Reform des Busführerscheinerwerbs und die Finanzierung besserer Arbeitszeitmodelle endlich Realität werden“, so Wortmann.
Wenige Wochen und der positiven öffentlichen Resonanz nach der ersten ÖPNV-Sicherheitskonferenz unterstreicht der VDV-Präsident für die Branche: „Wir scheuen keine Debatte, wo Aufklärung nötiger denn je ist – und nur gemeinsames Handeln Verbesserung verspricht. Sicherheit im ÖPNV ist ein zentrales Versprechen – für Millionen Fahrgäste ebenso wie für die Beschäftigten an vorderster Front. Deshalb fordert wir eine gesetzliche Ausweitung des § 115 StGB, eine dreißigtägige Speicherfrist für Videoaufzeichnungen und den Erhalt des Straftatbestands beim Schwarzfahren. Nur mit klarer Rückendeckung durch Politik, Polizei und Justiz lässt sich das Sicherheitsgefühl nachhaltig stärken. Trotz aller Investitionen in Technik und Personal stoßen Verkehrsunternehmen heute an rechtliche und strukturelle Grenzen. Was es jetzt braucht, ist ein Schulterschluss für mehr Präsenz der staatlichen Sicherheitskräfte, bessere Zusammenarbeit und einen rechtssicheren Rahmen für ein sichtbares Sicherheitsversprechen im Alltag von Bus und Bahn“, so Wortmann.
Dazu kommt der laufende Dieselausstieg: „Wir sind mitten in der Transformation: Vom Dieselbus zur E-Mobilität, mit über zehn Prozent E-Bussen im Stadtverkehr – und bereits heute fährt jedes zweite On-Demand-Fahrzeug elektrisch. Von einem linienzentrierten System hin zu einem integrierten, nachfrageflexiblen Netz aus Bus, Bahn und über 120 On-Demand-Projekten mit mehr als tausend Fahrzeugen, das zunehmend den ländlichen Raum erschließt“, so Ingo Wortmann. Sein Fazit lautet, dass es jetzt „eine moderne Verkehrspolitik mit verlässlicher Finanzierung, verbindlichen Angebotsstandards und der strukturellen Integration digitaler Bedarfsverkehre in das Deutschland-Angebot der Zukunft“ braucht. Hier stehen vor allem die Bundes- und Landespolitik in der Pflicht.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de