23.06.25
Die Kölner Verkehrsbetriebe AG hat das Geschäftsjahr 2024 mit einem Unternehmensergebnis abgeschlossen, das geringfügig besser ausfiel als geplant. „Das Jahr war erneut von schwierigen Rahmenbedingungen geprägt“, so KVB-Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks. „Es waren vor allem drei Faktoren, die unsere Betriebsqualität beeinträchtigt haben: die nach wie vor angespannte Personalsituation im Fahrbetrieb, die deutlich verspätete Auslieferung unserer neuen Stadtbahnen und die Probleme bei der Beschaffung von Ersatzteilen. Umso mehr freuen wir uns, dass die Fahrgäste uns die Treue gehalten haben und die Zahl der Stammkunden sogar deutlich gestiegen ist.“
Im vorigen Jahr hat das Unternehmen 236,2 Millionen Fahrten mit den Bussen und Bahnen der KVB absolviert, das waren 0,1 Prozent mehr als 2023 (235,8 Millionen). Sehr erfreulich ist die wachsende Zahl der Stammkunden, die mit einem Zeitticket unterwegs sind: Ihre Zahl stieg um rund acht Prozent von 298.100 im Jahr 2023 auf 334.700 im vorigen Jahr. Dieser Anstieg ist vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Fahrgäste vom Bartarif oder anderen Abo-Angeboten auf das im Mai eingeführte Deutschlandticket umgestiegen sind. „Es bleibt ein wesentliches Ziel für uns, diese Stammkundschaft zu binden und weitere Stammkunden hinzuzugewinnen“, so Stefanie Haaks.
Erfreulich entwickelt haben sich auch die Verkehrserlöse: Sie stiegen von 233,4 Millionen Euro in 2023 auf 244,5 Millionen Euro in 2024. Ein wesentlicher Grund dafür war die Tarifanpassung im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS). Das Deutschlandticket bremste auch im Geschäftsjahr 2024 einen weiteren Anstieg der Verkehrserlöse. Die entgangenen Erträge sowie Vertriebsmehrkosten und ähnliche Aufwendungen aus dem vergünstigten Deutschlandticket wurden durch staatliche Zuschüsse in Höhe von 95,9 Millionen Euro ausgeglichen.
Das Unternehmensergebnis war mit einem Fehlbetrag von 185,1 Millionen Euro um 53,7 Millionen Euro schlechter als 2023, aber rund 700.000 Euro besser als geplant. Gründe für den höheren Verlust sind vor allem ein deutlich gestiegener Materialaufwand (vor allem durch Rückstellungen für die notwendige Instandsetzung der Stadtbahn-Baureihe K4000), stark gestiegene Stromkosten und ein erhöhter Personalaufwand. Der Aufwanddeckungsgrad sank von 75,4 Prozent auf 70,8 Prozent. Der Verlust wird im Rahmen des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages durch die Stadtwerke Köln ausgeglichen.
Stefanie Haaks: „Die Eröffnung des ersten reinen E-Bus-Betriebshofs in Porz und unser Großeinsatz während der Fußball-Europameisterschaft im Sommer sind nur zwei Beispiele, dass wir in diesen herausfordernden Zeiten außergewöhnliche Leistungen vollbringen können. Wir sind mit unseren Anstrengungen, den Fahrgästen wieder die gewünschte Leistung anbieten zu können, auf einem guten Weg. So werden wir nach den Sommerferien im Busbereich wieder unser komplettes Fahrplanangebot fahren können.“
Das wird allerdings im Stadtbahnbereich nicht passieren: Hier gibt es nicht nur zu wenig Personal, sondern es fehlen auch Triebzüge. Frühestens im Jahr 2030 wird man hier zum Regelfahrplan zurückkehren können. Im Klartext heißt das, dass der Fahrplan dann sieben Jahre ausgedünnt worden sein wird. Das liegt daran, dass das Unternehmen auch Fahrschulkapazitäten erst aufwendig aufbauen musste – sicherlich eine Fehlentscheidung der Unternehmensführung, dies nicht rechtzeitig getan zu haben.
Zur Erinnerung: Als man im August 2023 erstmals in den Notfahrplan gegangen ist, tat man das unter der Prämisse, zum Beginn der Vorweihnachtszeit ebenjenes Jahres wieder zum Regelfahrplan zurückkehren zu können. Von mehr als sieben Jahren war damals nicht die Rede. Es gibt aber noch einen weiteren Punkt, nämlich die Nichtverfügbarkeit von Stadtbahn-Triebzügen. Im Jahr 2020 hat man 62 neue, sechzig Meter lange Triebzüge des Herstellers Alstom bestellt – die Auslieferung sollte eigentlich im Jahr 2023 beginnen. Das Investitionsvolumen betrug 363 Millionen Euro.
Jetzt, im Juni 2025 – also zwei Jahre nach dem ursprünglichen Liefertermin – ist noch kein einziges neues Fahrzeug da und es gibt auch keinen konkreten Lieferplan oder gesicherte Termine. Der Hersteller leidet unter der Nichtverfügbarkeit von Bauteilen. Als Reaktion darauf sollen vierzig Triebzüge aus dem Bestand modernisiert werden – doch diese stehen während der Modernisierung für den Betrieb nicht zur Verfügung.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de