26.06.25
Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat in der letzten Woche seinen aktuellen Qualitätsbericht für das letzte Jahr publiziert. Hauptgründe für die Probleme im Regionalverkehr auf der Schiene waren neben der hohen Zahl der Baustellen auch die marode Infrastruktur und Personalmangel. Dem Personalmangel im Fahrbetrieb bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen begegnen die nordrhein-westfälischen SPNV-Aufgabenträger im Fahrplanjahr 2025 mit einem NRW-weiten Aktionsprogramm.
Um die Lage für den Betrieb zu stabilisieren und vor allem für die Fahrgäste planbarer zu machen, sind die Fahrpläne dahingehend reduziert worden, dass sie mit dem tatsächlich vorhandenen Personal zuverlässig zu planen und um-zusetzen sind. Das Ziel: mehr Verlässlichkeit beim Angebot und weniger personalbedingte Ausfälle. Darüber hinaus bringt der VRR zusätzliche Maßnahmen auf den Weg, um die Situation im Interesse der Fahrgäste zu verbessern.
„Der Personalmangel war 2024 ein großes Problem, das die nordrhein-westfälischen SPNV-Aufgabenträger gemeinsam mit dem Land und den Eisenbahnverkehrsunternehmen angegangen sind. Neben gemeinsamen Ausbildungsprogrammen für das dringend benötigte Fahrpersonal haben wir im Zuge des ‚Aktionsprogramms Personal und Betrieb‘ einen reduzierten Fahrplan auf den Weg gebracht. Diese Maßnahmen schaffen „Luft“ für die EVU, die personalbedingten Ausfälle im Jahr 2025 bei einer Quote von unter einem Prozent zu halten und so die Verkehrsleistungen von RE, RB und S-Bahn zu stabilisieren“, sagt Oliver Wittke, Vorstandssprecher des VRR. „Dass dieser Plan aufgeht, zeigt sich bereits jetzt: Die Anzahl der personalbedingten Zugausfälle ist spürbar zurückgegangen.“
Zur Kompensation der Leistungsreduzierungen auf besonders stark frequentierten Verbindungen werden nach Aufforderung des VRR seit Jahresbeginn zusätzliche Züge von dritten Eisenbahnverkehrsunternehmen wie Lok-Partner, Smart Rail, Train Charter Service und Train Rental eingesetzt, die einzelne Fahrten übernehmen und die Fahrpläne stabilisieren. Damit wird zwar nicht der Qualitätsstandard erfüllt, der im Verkehrsvertrag gefordert wird, allerdings fahren zumindest Züge, sodass die betroffenen Fahrgäste nicht am Bahnsteig stehen bleiben.
Sie müssen verlässlich zur Arbeit, Ausbildung, Schule oder Hochschule und sind darauf angewiesen, dass ihre Verbindungen funktionieren. Mit den genannten Maßnahmen reagiert der VRR auf die seit Jahren konstant schlechter werdende Qualität im Regionalverkehr auf der Schiene. Insgesamt fiel im Jahr 2024 jeder fünfte Zug aus: Die Quote über alle bestellten Zugkilometer liegt bei 20,57 Prozent. Mehr als jeder zehnte Zug verkehrte baustellenbedingt nicht (10,52 Prozent).
„Die Quote der baustellenbedingten Zugausfälle steigt seit Jahren an. Das zeigt deutlich, wie modernisierungsbedürftig die Eisenbahninfrastruktur an Rhein und Ruhr ist“, sagt Oliver Wittke. Zudem fuhren die Züge im Jahr 2024 noch unpünktlicher als im Vorjahr: Die durchschnittliche Verspätung lag bei zwei Minuten und zehn Sekunden. Insbesondere bei den langlaufenden Regionalexpress-Linien hat sich die Situation merklich verschlechtert.
Nur 67,5 Prozent der Fahrten verliefen pünktlich, was einem Minus um 5,0 Prozentpunkte entspricht. Bei den Regionalbahnen waren 76,6 Prozent aller Züge gar nicht oder nur leicht verspätet. Die S-Bahnen waren mit 83,9 Prozent erneut die pünktlichsten Linien. Diese fahren allerdings oft auch deutlich kürzer als die langlaufenden RE-Leistungen.
„Ein zuverlässiger SPNV-Betrieb hängt nicht allein vom Personal ab, das die EVU zur Verfügung haben. Ebenso wichtig ist eine zügige Sanierung der Schieneninfrastruktur und eine schnelle Umsetzung von Baumaßnahmen. Das geht nicht von heute auf morgen. Insofern werden uns Baustellen und Störungen im Bereich der Infrastruktur ehrlicherweise noch Jahre begleiten. Bis die Modernisierung der maroden Infrastruktur Früchte trägt, wird es für die Fahrgäste noch über einen längeren Zeitraum Engpässe und Einschränkungen geben. Gerade in einem dichten Netz wie in NRW sind die Auswirkungen besonders gravierend. Die Situation bleibt weiter herausfordernd“, sagt Oliver Wittke.
Wittke: „Mit den Maßnahmen im Aktionsprogramm, den mit den EVU vereinbarten Ausbildungszielen sowie der Beschaffung neuer Fahrzeuge für den RE47 bemühen wir uns gemeinsam mit den EVU um mehr Verlässlichkeit für die Fahrgäste und hoffen, dass wir im Jahr 2026 zum Regelfahrplan zurückkehren zu können.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de