11.07.25
Der Fahrgastverband Pro Bahn zeigt sich um die Zukunft des SPFV in Deutschland besorgt. Nach verifizierbaren Medienberichten plant die Deutsche Bahn, ihre Fernverkehrsflotte massiv zu reduzieren. Der Fahrgastverband zweifelt an der Nachhaltigkeit dieser Strategie, die auf keinen Fall auf das Ziel, die Fahrgastzahlen auf der Schiene zu verdoppeln, einzahlt. Man fordert Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) auf, zeitnah eine Eigentümerstrategie für den DB-Konzern und eine Zielvision für das Eisenbahnsystem vorzulegen.
Ein Bestellerprinzip wie im Regionalverkehr gibt es nicht. Einzig Artikel 87e des Grundgesetzes sieht vor, dass der Bund den Personenverkehr auf der Schiene sicherzustellen hat, der nicht dem Regionalverkehr zuzuordnen ist – das nähere regelt ein Bundesgesetz. Obwohl ein solches bereits zweimal im Bundesrat verabschiedet wurde, hat man es nie im Bundestag debattiert und es steht noch immer aus. Wenn also die DB AG bestimmte Leistungen einstellen will, kann sie das tun.
Dabei sah es vor gar nicht allzu lange Zeit noch besser aus: Zum Erscheinen des dritten Entwurfs des Deutschlandtakts im Jahr 2020 kündigte die Deutsche Bahn vollmundig an, alle Fernverkehrslinien in diesem Entwurf auch fahren zu wollen. Davon ist heute wenig übrig. Stattdessen werden – noch bevor die neuen Fahrzeuge überhaupt zugelassen sind – ICE- und Intercityfahrzeuge abgestellt, zerlegt oder verkauft.
Entsprechende Medienberichte, die sich auf Aufsichtsratsunterlagen der DB Fernverkehr, konnte der Fahrgastverband Pro Bahn inzwischen unabhängig verifizieren. An ein Angebotswachstum und eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen auf der Schiene ist damit nicht mehr zu denken. Auch das Dementi der Deutschen Bahn stößt beim Pro Bahn auf wenig Verständnis.
„Die Aussage, die neuen Fahrzeuge bereiteten einen geringeren Wartungsaufwand und verjüngten die Flotte, war bereits bei der Beschaffung der ICE 3 und ICE T um die Jahrtausendwende zu hören. Die fehlende Wartung in den Anfangsjahren rächt sich jetzt durch in dieser Zeit entwickelte langfristige Störungen. Und die Neufahrzeuge von heute sind die Altfahrzeuge der Zukunft“, kommentiert Lukas Iffländer, stellvertretender Bundesvorsitzender.
Der Fahrgastverband ist insbesondere bezüglich Aussagen über den Wartungsaufwand des ICE L skeptisch, da dieser bisher nicht einmal zugelassen ist und daher keine Vorhersagen zum Praxiseinsatz möglich sind. Der Abbau kommt beim Fahrgast an. Die zum Fahrplanwechsel abgestellten fünfteiligen ICE T fehlen zwischen Dresden, Leipzig, Frankfurt und Wiesbaden. Züge fallen aus oder sind überfüllt. Mehrere Intercity-Linien stehen unmittelbar vor der Ausdünnung oder Streichung.
„Die bisherige Art, Fernverkehr zu betreiben, ist dem Verkehrsträger Schiene nicht mehr zuträglich“, stellt Detlef Neuß fest, Bundesvorsitzender bei Pro Bahn. Deutschland ist das einzige europäische Land mit Eisenbahnverkehr, in dem der SPFV völlig ohne politischen Einfluss geplant wird.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de