14.07.25
Der spanische Schienenfahrzeughersteller CAF hat letzte Woche mit dem symbolischen ersten Spatenstich den Neubau und die Modernisierung des historischen Eisenbahnbetriebswerkes Gelsenkirchen-Bismarck gestartet. Hier werden zukünftig die batterieelektrischen Triebzüge für das Niederrhein-Münsterland-Netz instandgehalten. Im Februar 2025 konnte CAF mit dem Erhalt der Baugenehmigung von der Bezirksregierung Münster, das komplexe Plangenehmigungsverfahren für den Neubau des Bahnbetriebswerkes in Gelsenkirchen-Bismarck erfolgreich abschließen.
Damit wurde der Weg frei für die notwendigen Vorbereitungsarbeiten zur Einrichtung der künftigen Baustelle und für den Start der Baumaßnahmen. Mit dem offiziellen Spatenstich haben der CEO von CAF Deutschland, Ronald Lünser, die Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen, Karin Welge (SPD), der Vorstandsprecher des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr, Oliver Wittke und der für das weltweite Instandhaltungsbusiness zuständige CEO der spanischen CAF-Group, Ibon García, vor etwa hundert geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Verkehrsverbünden, die Weichen für Reaktivierung und Modernisierung des historischen Bahngeländes in Gelsenkirchen-Bismarck gestellt.
Mit dem symbolischen Spatenstich wurden aber nicht nur die Weichen für den Neubau gestellt, denn tatsächlich werden 14 neue Weichen und 3.500 Meter neue Gleise verlegt. Dazu gehört auch eine elektrifizierte Gleisgruppe zur Fahrzeugübergabe, Abstellung und Schnellladung der Traktionsbatterien. Zudem verfügt das Bahngelände im Osten und im Westen über zwei Gleisanschlüsse an die DB-Infrastruktur. Auf dem 90.000 Quadratmeter großen Areal werden bis zur geplanten Fertigstellung Ende 2026, unter anderem eine dreigleisige Werkstatthalle und verschiedene Technikgebäude, bspw. für die Außenreinigungsanlage der Züge oder für die Bearbeitung der Räder und Radsätze, neu errichtet.
Die zusammen zirka 6.500 Quadratmeter umfassenden Gebäude werden durch weitere technische Anlagen der Nachladeinfrastrukturen und zur Aufnahme und Ergänzung von Betriebs- und Hilfsstoffen sowie zur Ver- und Entsorgung für die Sanitäranlagen und zur Innenreinigung der Triebzüge ergänzt. Das frühere Bahnbetriebswerk Gelsenkirchen-Bismarck war von 1926 bis 1981 in Betrieb und galt jahrzehntelang als das größte Wartungszentrum für Dampflokomotiven in der Region. Die denkmalgeschützte, historisch wichtige Substanz bleibt in Form des Ringlokschuppens mit 16 Arbeitsständen, der Mittelhalle mit Achssenke und der Krananlage ebenso erhalten, wie die Dampflokdrehscheibe mit einem Durchmesser von 23 Metern.
Diese historische, in sich geschlossene bahnbetriebliche Einheit wird erneut an die Gleisinfrastruktur angeschlossen, um eine spätere Nutzung zu ermöglichen. Nach Abzug der letzten Dampflokomotiven lag das Gelände nahezu vierzig Jahre brach und wechselte den Besitzer von der DB AG zum Regionalverband Ruhr (RVR). Im Zuge einer Ausschreibung, die der RVR mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung der Stadt Gelsenkirchen durchführte, konnte CAF im Jahr 2022 das Gelände erwerben.
Mit seinem Engagement wird CAF nicht nur einen stillgelegten Industriestandort wiederherstellen, sondern auch die städtebauliche und wirtschaftliche Erneuerung des Areals mit einem Hightech-Projekt vorantreiben, das Nachhaltigkeit, Digitalisierung und effiziente Operationalisierung verbindet. Für die unterschiedlichen Instandhaltungsdisziplinen wird der künftige Werkstattkomplex im Sinne der Nachhaltigkeit so konzipiert, dass Wartung, Instandhaltung und Reinigung der Triebzüge über die gesamte Fahrzeuglebensdauer ressourcenschonend und mit maximaler Effizienz über einen Zeitraum von mindestens dreißig Jahren sichergestellt werden kann.
Dieser Nachhaltigkeitsansatz wird auch schon während der Bauphase mit dem Recycling und der Wiederverwendung von Altbausubstanz umgesetzt. Die spanische CAF-Gruppe investiert einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in den Neubau und in die Reaktivierung des Bahnbetriebswerks Gelsenkirchen-Bismarck und wird mit der ersten Ausbaustufe zwischen dreißig und vierzig Arbeitsplätze für Mechatroniker, Elektroniker und administrative Fachkräfte einrichten. CAF liegt im Zeitplan und strebt eine Fertigstellung Ende 2026 an. Zudem wird CAF insgesamt 76 Triebzüge an den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr liefern. Der Betreiber in der ersten Vertragsperiode wird DB Regio sein.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
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Quelle: Zughalt.de