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Gesamtstaatlich die Eisenbahn stärken

21.07.25

Es ist ja eigentlich selbstverständlich, dass die DB AG, wenn auch Bundesunternehmen, vor Ort mit den Ländern zusammenarbeitet, um eine möglichst gute Schiene auf die Beine zu stellen. Dafür gibt es Regionalgesellschaften bei DB InfraGO und dafür gibt es auch verschiedene Regionalleitungen bei DB Regio, soweit man denn der Verkehrsbetreiber der jeweiligen Linien ist. Besonders auffällig ist, dass man jetzt die direkte Verbindung aus Köln durch den Eurotunnel nach London realisieren möchte.

Bereits im Jahr 2010 hat die DB Fernverkehr AG dort erstmals ihren ICE vorgestellt, den man eigens durch den Eurotunnel hat schleppen lassen. Die Ankündigung lautete damals, dass man im Dezember 2013 den Regelbetrieb aufnehmen möchte. Nun, knapp zwölf Jahre später, stellen wir fest, dass diese Direktverbindung noch immer auf sich warten lässt. Wenn man einen TGV umsteigefrei von London nach Köln fahren lässt, wäre dort Endstation.

Wenn es aber gelänge, einen ICE bis London zu schicken, dann könnte dieser von Köln auch über die Schnellfahrstrecke im Westerwald weiterfahren bis Frankfurt am Main. Womöglich gäbe es, wenn die Eisenbahn einigermaßen funktioniert, auf der Schiene eine echte Alternative für die Verbindung von London nach Frankfurt am Main. Das klingt alles ganz nett und dem einen oder anderen werden hier Erinnerungen an Hartmut Mehdorns Bodenhansa-Phantasien kommen.

Denn tatsächlich ist es notwendig, zunächst die grundständigen Probleme zu lösen. Selbstverständlich, da hat Landesverkehrsminister Oliver Krischer sehr recht, muss ein fairer Teil des Sondervermögens für die Infrastruktur an die Schiene gehen und hier wiederum auch nach Nordrhein-Westfalen. Doch wenn ein Landespolitiker einseitig Geld vom Bund fordert, stellt dieser natürlich mit Recht die Frage: Was ist denn mit Eurem Anteil? Klar ist jedenfalls, dass man eine fundamentale Verbesserung der Eisenbahn vor Ort nicht umsetzen kann, wenn ein Landesverkehrsminister alles mögliche ankündigt, aber bezahlen soll es der Bund und bitte keinesfalls das Land. Hier muss auch das Land Verantwortung übernehmen.

Gleichzeitig ist es angezeigt, gute Kompromisse zu finden zwischen dem Personen- und Güterverkehr. Immer wieder hört man davon, dass Stellwerke wegen Personalmangel in der Tagesrandlage nicht besetzt sind, damit der Personenverkehr am Tag fließen kann. Für den Güterverkehr kann das aber eine existentielle Bedrohung sein. Natürlich fahren Güterzüge nicht nur nachts, sondern sind auch tagsüber unterwegs.

Aber gerade das relative kurze Zeitfenster zwischen Mitternacht um sechs Uhr morgens ist für den Güterverkehr wichtig, weil er nicht immer wieder durch bevorrechtigte Personenzüge ausgebremst wird. Dazu muss man auch bei Fern- und Regionalzügen eine gute Kompromisslösung finden. Verspätete Fernzüge fahren in die Trassen pünktlicher Regionalzüge, das ganze passiert vor dem Hintergrund einer defektanfälligen und insgesamt verfallenden Infrastruktur. Da braucht es jede Menge ganz konkreter Lösungsansätze.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de