21.07.25
Das Land Sachsen-Anhalt reagiert auf die wachsenden Sicherheitsbedenken im SPNV und stellt in diesem Jahr ein zusätzliches Budget in Höhe von rund einer Million Euro für einen breiten Fächer an Sicherheitsmaßnahmen zur Verfügung. Die Landesregierung will damit den Schutz von Fahrgästen und Beschäftigten im Nahverkehr weiter verbessern, sagte die Ministerin für Infrastruktur und Digitales, Lydia Hüskens (FDP), letzte Woche am Magdeburger Hauptbahnhof bei einem Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Eisenbahnverkehrsunternehmen.
„Wer täglich Verantwortung im Zug übernimmt, verdient Rückhalt und Schutz. Dafür steht dieses Sicherheitsbudget. Bodycams oder Schulungen zum Eigenschutz sind wichtige Bausteine, um Übergriffe zu verhindern und das Sicherheitsgefühl für Personal wie Fahrgäste zu stärken“, betonte Ministerin Hüskens. Neben der Nahverkehrsservicegesellschaft Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) als Aufgabenträger für den SPNV nahmen die drei Eisenbahnverkehrsunternehmen DB Regio Südost, Abellio Rail Mitteldeutschland und die Start GmbH an der Veranstaltung teil.
Im Rahmen des Sonderbudgets prüft die NASA GmbH gemeinsam mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen, welche zusätzlichen Maßnahmen über die bisherigen vertraglichen Regelungen hinaus sinnvoll und umsetzbar sind. Ein Beispiel dafür ist der bereits praktizierte Bodycam-Einsatz bei der DB Regio Südost. In Sachsen-Anhalt kommen die Kameras vereinzelt und ausschließlich auf freiwilliger Basis im Regionalverkehr zum Einsatz. Sie sollen potenzielle Aggressionen abschrecken und im Ernstfall Beweismaterial liefern.
Beim Termin in Magdeburg stellte die DB Regio diese Maßnahme beispielhaft vor. Die Einführung oder Ausweitung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen erfolgt in enger Abstimmung mit den verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen. Neben technischer Ausstattung wie Bodycams werden unter anderem Schulungen zum Eigenschutz und zur Deeskalation, der gezielte Einsatz von Sicherheitspersonal sowie weitere Sicherheitsgadgets geprüft.
Aufgebaut wird dabei auf einer Reihe bereits etablierter Maßnahmen: Die Verkehrsverträge des Landes enthalten Vorgaben zur Videoüberwachung in nahezu allen Fahrzeugen, zum Einsatz von Sicherheitspersonal und – im Netz Elbe-Spree – zu einem automatischen Aggressionserkennungssystem. So sollen nicht nur Beweise gesichert werden, sondern auch die Abschreckung erhöht werden.
Ergänzend ist die NASA GmbH in verschiedenen Sicherheits- und Ordnungspartnerschaften aktiv, etwa mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen, DB InfraGO, DB Sicherheit und der Bundespolizei, um die Zusammenarbeit aller relevanten Akteure weiter zu stärken. So besteht z.B. die Möglichkeit, dass die Mitarbeiter der DB Sicherheit bei entsprechenden Anzeichen frühzeitig die Bundes- oder auch die Ortspolizei informieren, die dann Präsenz zeigen. Außerdem lassen sich Sicherheitspartnerschaften auch vor Ort um kommunale Ordnungsämter ergänzen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de