24.07.25
Wir sind in Sachen Herstellerwartung inzwischen in einem so weit eingeschwungenen Markt, dass ein Akteur wie Siemens an seinem vorhandenen Standort Dortmund quasi „nebenbei“ noch einige Batteriezüge instandhalten kann, die man auf der Müngstener Brücke zwischen Remscheid und der Landeshauptstadt Düsseldorf einsetzen wird. Das wäre vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen, zeigt aber wie sehr der ganze Geschäftsbereich After-Sales für die Hersteller gewachsen ist.
Ja, natürlich hat es auch mit den wirtschaftlichen Interessen der Fahrzeugindustrie zu tun, hier zu expandieren, was im Bereich der Neufahrzeuge so ohne weiteres kaum noch möglich ist. Aber es sorgt dafür, dass auch relativ kleine Aufträge vergeben werden können, weil die notwendigen Großinvestitionen bereits getätigt worden. Allein im VRR-Raum gibt es den Siemens-Standort Dortmund, den Stadler-Standort Herne und demnächst den CAF-Standort Gelsenkirchen und an allen dreien ist es möglich, kleinere Fahrzeuge zusätzlich zu beheimaten um die Werkstattauslastung zu optimieren.
Gerade auf der Relation von Remscheid nach Düsseldorf sprechen wir tatsächlich über eine Verbindung, auf der die Elektrifizierung der Strecke nicht so ohne weiteres möglich ist. Die Müngstener Brücke – die unter Denkmalschutz stehende mit 107 Metern höchste Schienenbrücke in Deutschland, kann keine zusätzliche Oberleitung tragen. Die Züge der Linie RE 47 werden daher von Remscheid nach Solingen ohne und von Solingen nach Düsseldorf mit Oberleitung fahren – und zwischenzeitlich aus der Oberleitung nachladen, um für nicht elektrifizierte Abschnitte genügend Saft im Speicher zu haben.
Die Linie RE 47 ist vor allem deshalb so wichtig, weil sie die umsteigefreie Direktverbindung aus Remscheid nach Düsseldorf herstellt, um Berufspendler, Studenten und viele andere auch verlässlich über die Schiene in die Landeshauptstadt bringen zu können. Für viele Fahrgäste ist die künstliche Bruchstelle in Solingen unattraktiv, auch wenn man in der Theorie einen bahnsteiggleichen Übergang hat. Aber wenn dieser dann ein paar mal in Folge geplatzt ist, überlegt sich der eine oder andere Pendler, ob man nicht doch das Auto vorzieht.
Eine Direktverbindung ohne Umstieg wird da von vielen intuitiv als attraktiver wahrgenommen. Die Leute wollen nicht jedes mal, wenn man drei oder fünf Minuten zu spät ist befürchten, dass man nicht mehr in den Folgezug kommt. Aber auch die Qualität der Fahrzeuge spricht natürlich für sich.
In einer Zeit, in dem man im Auto nicht nur Radio, sondern auch selbst zusammengestellte Musiklisten oder zuvor ausgewählte Podcasts hören kann, muss auch die Eisenbahn entsprechend attraktiv sein und z.B. dafür sorgen, dass der Fahrgast während der Fahrt an seinem eigenen mobilen Endgerät verlässlich das mobile Internet benutzen kann. Steckdosen sind schon lange eine Selbstverständlichkeit, denn nicht nur der Zug, sondern auch das Smartphone will geladen werden. Aber insgesamt schafft man die Voraussetzung, den Verkehr effektiv auf eine gute Schiene zu verlagern.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de