28.07.25
Im Freistaat Bayern soll das Ausbilden von Triebfahrzeugführern für die Unternehmen attraktiver werden. Dazu haben acht im bajuwarischen Regionalverkehr tätigen Eisenbahnverkehrsunternehmen und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) als Aufgabenträger in der letzten Woche eine Vereinbarung unterzeichnet, mit der sich die Branche zur wechselseitigen Erstattung der Ausbildungskosten bei diesem Berufszweig verpflichtet. Ähnliche Regelungen gibt es schon seit einigen Jahren z.B. in Nordrhein-Westfalen.
Christian Bernreiter (CSU), Bayerns Verkehrsminister und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der BEG, lobt das Ergebnis: „Das ist ein nachhaltiger Schulterschluss. Wer vorne im Führerstand die Fahrgäste sicher befördert, gehört beim Bahnfahren zu den wichtigsten Rädern im Getriebe. Wir brauchen fürs Bahnland Bayern hier weiterhin motivierte und qualifizierte Leute. Deshalb stärken wir jetzt die Motivation der Unternehmen, in diese wichtige Ausbildung zu investieren.“
Bärbel Fuchs, Geschäftsführerin der BEG, ergänzt: „Es bringt der Branche als Ganzes nichts, wenn sich Unternehmen wechselseitig Lokführer abwerben. Die Ausbildungskostenerstattung macht es deutlich attraktiver, selbst in die Zukunft zu investieren.“
Wechseln Lokführer vom Unternehmen, das sie ausgebildet hat, zu einem anderen in Bayern, zahlt der neue Arbeitgeber dem ehemaligen künftig einen finanziellen Ausgleich. Diese Ausbildungskostenpauschale variiert, beispielsweise abhängig davon, wie lange die Ausbildung zurückliegt. Je länger die Mitarbeiter bei ihrem Ausbildungsunternehmen beschäftigt waren, desto geringer ist die Summe, die der neue Arbeitgeber dem anderen erstatten muss. Die BEG, welche die Eisenbahnverkehrsunternehmen im Auftrag des bayerischen Verkehrsministeriums mit dem Betrieb des Regional- und S-Bahn-Verkehrs im Freistaat beauftragt, übernimmt als neutrale Instanz die Funktion einer Clearingstelle für die Erstattung der Ausbildungskosten.
Beispielsweise stellt die BEG auf Basis von übermittelten, anonymisierten Daten den Übertritt von einem zum anderen Unternehmen fest. Bei Konflikten um die Erstattung der Ausbildungskosten fungiert die BEG zudem als Mediator. Zudem wird nicht für jeden Wechsel eine „Ablösesumme“ fällig, sondern die Summen werden am Jahresende berechnet und dann können die Finanzierungsansprüche der Unternehmen untereinander geltend gemacht werden.
Die nun getroffene Vereinbarung ist Resultat des 2024 von der BEG gegründeten Aktionsbündnisses Bahnberufe Bayern, das gemeinsam Maßnahmen gegen den Personalnotstand im Regional- und S-Bahn-Verkehr umsetzt. Ihm gehören neben der BEG folgende Eisenbahnverkehrsunternehmen an, die zusammen 99 Prozent des gesamten Regional- und S-Bahn-Verkehrs in Bayern leisten: Agilis, Arverio Bayern, Bayerische Regiobahn, DB Regio Bayern, DB Regionetz Verkehr (Südostbayernbahn und Westfrankenbahn), S-Bahn München, Erfurter Bahn und die Länderbahn.
„Im Rahmen des Aktionsbündnisses arbeiten wir gemeinsam an weiteren Maßnahmen, um die Gewinnung von Fachkräften weiter zu forcieren“, sagt Bärbel Fuchs. „Dazu zählt unter anderem unsere Kommunikationskampagne ‚Superjobs‘, die letztes Jahr angelaufen ist und bereits zu einer höheren Zahl an Interessenten und Bewerbungen bei den bayerischen Eisenbahnverkehrsunternehmen geführt hat.“
Ob perspektivisch auch andere Unternehmen beitreten, ist aktuell noch nicht geklärt. Naheliegend wäre etwa die DB Fernverkehr AG, aber natürlich auch die verschiedenen Güterverkehrsunternehmen, die ebenfalls im Freistaat Bayern zahlreich auf der Schiene aktiv sind. Seit Ende Juni 2025 läuft unter dem Motto „Superjobs im Bahnland Bayern“ die nächste Phase der Kampagne. Mit ihr sollen potenzielle Auszubildende und Quereinsteiger von den Karrieremöglichkeiten bei den bayerischen Bahnen überzeugt werden.
Diese werden auf einer dafür eingerichteten Homepage präsentiert, unter anderem mit Videoporträts von Bahnmitarbeitern sowie einem Berufsorientierungstest für Karrieremöglichkeiten im Eisenbahnwesen. Auch in der gemeinsamen Personalakquise ist man in Bayern zwar kein Pionier, geht jedoch den Weg, der in anderen Teilen der Republik bereits erfolgreich beschritten wurde. So sind die Verkehrsunternehmen zwar in laufenden Ausschreibungsverfahren um die Aufträge Konkurrenten, haben aber darüber hinaus das gemeinsame Ziel, eine gute und zuverlässige Eisenbahn auf die Beine zu stellen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de