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Lieferverzögerungen vorbereiten

04.08.25

Die KVB AG steckt in einer schweren Unternehmenskrise. Das lässt sich angesichts mehrerer Stufen von Notfahrplänen ebenso sagen wie die Erkenntnis, dass man im Stadtbahnbereich erst im Jahr 2030 zum Normalfahrplan zurückkehren wird – das ist im Rahmen der Bilanzpressekonferenz Anfang des Jahres klar und deutlich kommuniziert werden, man wird vor 2030 nicht in der Lage sein, den von der Stadt Köln bestellten Normalfahrplan zu fahren.

Ja, die Stadt Köln ist der Aufgabenträger und hat hier, wie bei Kommunalmonopolisten üblich, eine Doppelfunktion: Sie ist als Aufgabenträger sowohl der Auftraggeber der KVB AG, sie ist aber als deren Alleinaktionär (über die Stadtwerke Köln) auch der Eigentümer des Unternehmens, das man selbst beauftragt. Es ist also nicht Sache der KVB-Unternehmensführung alleine, sich mit Problemen zu befassen und Lösungen zu erarbeiten, sondern es ist ein politisches Thema, das auch für die Stadt relevant ist. Sehr wahrscheinlich wird man sich im Rathaus und anderen Verwaltungsstuben sagen, dass das allein Sache der KVB AG sei, aber eben das ist es nicht.

Dabei ist eines der Probleme im Zusammenhang mit der Unternehmenskrise, dass die Niederflur-Stadtbahnen, die man 2020 bei Alstom bestellt hat und deren Auslieferung 2023 beginnen sollte, noch nicht da sind. Noch überhaupt nicht da. Kein einziger der sechzig bestellten Triebzüge, deren Auslieferung vor zwei Jahren hätte starten sollen, ist verfügbar. Es fehlen Komponenten und Bauteile, die am Markt für den Hersteller derzeit nicht zu bekommen sind und deswegen kann man nur warten.

Hier stellt sich natürlich die Frage, ob und wenn ja wie man bei der KVB AG hier mögliche Lieferverzögerungen vorbereitet. Was passiert, wenn die ersten Züge nicht 2029, sondern erst 2033 da sind? Was passiert, wenn die Auslieferung nicht 2032, sondern vielleicht erst im Jahr 2040 abgeschlossen werden kann, weil es an Bauteilen fehlt? Das mag jetzt weit hergeholt klingen, aber genau diese Probleme hat man bei den Niederflur-Stadtbahnen von Alstom und wieso sollte man davon ausgehen, dass bei den Hochflur-Stadtbahnen von Stadler alles problemlos klappt?

Man ist auf die Lieferverzögerung der Alstom-Fahrzeuge komplett unvorbereitet gewesen, weil man sich im Jahr 2020 nicht hätte ausdenken können, dass die Liefertermine nicht einzuhalten sind. Dabei hätte man gerade am Beginn der Coronazeit wissen können, dass Lieferketten zusammenbrechen und dass eine Wirtschaft, die auf Just-In-Time statt auf Lagerhaltung basiert, nicht krisenfest ist.

Fünf Jahre später und um eine derartige Erfahrung reicher muss man auf jeden Fall Vorbereitungen treffen, um nicht völlig im Regen zu stehen, wenn die Lieferung wieder nicht pünktlich klappt. Hier geht es nicht darum, dass man absurde Eventualitäten mit abdeckt, sondern man muss aus der Erfahrung der Vergangenheit und den Zuständen in der Gegenwart Vorbereitungsszenarien für die Zukunft erarbeiten. Das muss auch ein krisengeschüttelter Kommunalmonopolist wie die KVB AG jetzt dringend tun.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de