07.08.25
Die Deutsche Bahn hat in der letzten Woche ihre Bilanz für das erste Halbjahr 2025 vorgelegt. Der Konzern bleibt hochgradig defizitär, ist weiterhin stark verschuldet und hat einen massiven Investitionsbedarf. Allerdings ist der operative Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen, während man die Verwaltung weiterhin zu reduzieren plant. Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr 2025 ihren Sanierungskurs fortgesetzt und ihren operativen Verlust (EBIT, bereinigt) im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2024 um fast eine Milliarde Euro verringert.
Dazu beigetragen haben unter anderem, dass der Bund Vorleistungen für Instandhaltung der Infrastruktur übernommen hat, aber auch Kostendisziplin in allen DB-Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie eine erhebliche Verschlankung der Verwaltung. Das Konzernergebnis nach Ertragssteuern betrug minus 760 Millionen Euro (erstes Halbjahr 2024: minus 1,6 Milliarden Euro). Rechnet man positive Einmaleffekte im Wesentlichen aus dem Schenker-Verkauf hinzu, ergibt sich ein Ergebnis nach Steuern von 6,9 Milliarden Euro.
Der bereinigte Konzern-Umsatz stieg um 3,4 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro. Aufgrund der störanfälligen Infrastruktur, der hohen Zahl zusätzlich notwendiger Baustellen und der infolgedessen weiterhin schlechten Pünktlichkeit blieb der Umsatz insgesamt unter den Erwartungen. 63,4 Prozent aller Fernverkehrszüge kamen im ersten Halbjahr 2025 pünktlich ans Ziel (erstes Halbjahr 2024: 62,7 Prozent). Die Nachfrage blieb hoch.
Rund 943 Millionen Reisende fuhren im ersten Halbjahr 2025 mit den Zügen der DB (1. Halbjahr 2024: rund 919 Millionen Reisende). Die Verkehrsleistung im Schienenpersonenverkehr stieg auf 41,9 Milliarden Personenkilometer – ein Plus von knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Nach der erfolgreichen Veräußerung von DB Schenker konzentriert sich der DB-Konzern noch stärker auf sein Kerngeschäft. Zur strukturellen Sanierung von Infrastruktur, Betrieb und Wirtschaftlichkeit bis 2027 setzt die DB seit der zweiten Jahreshälfte 2024 das Gesamtprogramm S3 um. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Schiene wiederherzustellen und die Bahn zuverlässiger, pünktlicher und profitabler zu machen.
„Bei unserem Sanierungsprogramm S3 haben wir vor allem im Bereich Wirtschaftlichkeit große Fortschritte gemacht. Der DB-Konzern steht heute finanziell auf wesentlich stabileren Füßen als noch zu Beginn des Jahres. Unsere strikte Kostendisziplin zahlt sich aus. Wir kommen Schritt für Schritt voran“, sagte DB-Vorstandsvorsitzender Richard Lutz. So hat die DB mit einer Ausgabensteuerung im ersten Halbjahr 2025 rund hundert Millionen Euro Sachaufwand im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2024 eingespart und Personal vor allem in der Verwaltung abgebaut.
Die Erlöse aus dem Schenker-Verkauf sind vollständig im DB-Konzern verblieben und wurden wie geplant vorrangig für den Schuldenabbau verwendet. Dadurch sind die Netto-Finanzschulden der DB im Vergleich zum 31. Dezember 2024 um 10,5 Milliarden Euro auf rund 22 Milliarden Euro gesunken. Die wirtschaftliche Sanierung werde aber nicht ohne die grundlegende Erneuerung und Modernisierung des Netzes und die Stabilisierung des Betriebs gelingen. Das zeigt die Generalsanierung der Riedbahn, die vor einem Jahr begonnen und im Dezember 2024 planmäßig abgeschlossen wurde. Die infrastrukturbedingten Störungen auf der Strecke zwischen Frankfurt/Main und Mannheim konnten in den ersten sechs Monaten um sechzig Prozent verringert werden.
Beim Netzwerk Güterbahnen macht man sich indes große Sorgen um den Zustand der bundeseigenen Eisenbahn. Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger: „Der DB-Konzern stirbt seinem Eigentümer Bund unter den Händen weg. Die Qualität für die Kunden des Netzes und der Bahnunternehmen ist weiter gesunken, die Zustände im Bahnverkehr spiegeln sich nicht annähernd in der optimistisch gefärbten Berichterstattung wider.“
Westenberger: „DB Cargo hat fast ein Viertel seiner inländischen Verkehrsleistung verloren oder abgegeben. Ohne Bundes-Rating, Bundeszuschüsse und die Gelddruckmaschine Trassenpreissystem müsste der Konzern zum Insolvenzrichter. Man hangelt sich so durch. Zum Beispiel mit dem Schenker-Verkauf, der mit einem Erlös von 12,5 Milliarden Euro zu Ende April die Schulden reduzieren sollte. Berücksichtigt man diesen Einmaleffekt, hat der Konzern seine Nettofinanzschulden parallel im ersten Halbjahr schon wieder um knapp zwei Milliarden Euro erhöht.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de