07.08.25
Die Betriebsaufnahme im Niederrhein-Münsterland-Netz wird sich verschieben. Der spanische Hersteller CAF und die beiden Aufgabenträger VRR und NWL haben sich auf eine gestaffelte Betriebsaufnahme verständigt – diese steht im Zusammenhang mit der Umsetzung technischer Weiterentwicklungen an den Fahrzeugen. Insgesamt werden 76 batterie-elektrische Triebzüge geliefert, die auf elektrifizierten Abschnitten aus der Oberleitung nachladen können.
Im Dezember 2027 gehen die Linien RB 31, RB 36 und RE 44 an den Start, Betreiber wird DB Regio sein. Im Dezember 2029 folgt die Linie RE 14, Betreiber wird ebenfalls DB Regio sein. Für alle anderen Linien läuft die Vergabe der Verkehrsleistungen aktuell noch. Im Dezember 2027 gehen die Linien RB 68 und RB 76 an den Start, hierbei handelt es sich um Reaktivierungsprojekte, wo es aktuell keinen SPNV gibt. Die Linien RE 10 und RB 43 folgen im Dezember 2028 und ein Jahr später die Linie RB 37.
Die technische Weiterentwicklung führte zu einer völlig neuen technischen Lösung, die künftig ein Nachladen der Traktionsbatterie auch über eine Niederspannungsstromversorgung (Elektrant) ermöglicht und das Fahrzeug unabhängig von der Abstellung unter Oberleitung machen würde. Dadurch kann bspw. auch auf unvorhersehbare Störungen an der Infrastruktur besser reagiert und ein zuverlässigerer Betrieb sichergestellt werden.
Eine Lösung, die für das Niederrhein-Münsterland-Netz auch von den Aufgabenträgern unterstützt wird, zumal eine Stromversorgung über Elektranten in den Gleisinfrastrukturen baulich mit geringem Aufwand hergestellt werden kann, weil deren 400 V Spannung im deutschen Bahnnetz flächendeckend verbreitet ist. Um das Nachladen über eine Niederspannungsstromversorgung zu ermöglichen sind im laufenden Produktionsprozess umfangreiche Änderungen an den Fahrzeugen vorzunehmen.
Das reicht von der Fertigung neuer Kabelbrücken über die Entwicklung neuer Stromlaufpläne und Softwaresteuerungen, bis hin zum Einbau neuer Komponenten wie bspw. einem Hochsetzsteller. Mit den notwendigen Beschaffungen, Tests und Dokumentationen stehen diese technischen Änderungen im laufenden Design- und Fertigungsprozess in einem unmittelbaren Wirkungszusammenhang zum Lieferplan, was eine Verschiebung der Inbetriebnahme begründet. Mit der Verschiebung können auch Verzögerungen im Design- und Fertigungsprozess sowie bei der Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen kompensiert werden.
Für den künftigen Betriebseinsatz der neuen Fahrzeuge sind darüber hinaus verschiedene Infrastrukturmaßnahmen erforderlich, wie bspw. die Modernisierung sowie der Aus- und Umbau von zahlreichen Bahnhöfen und Stationen. Das schließt insbesondere auch die Errichtung neuartiger Ladeinfrastruktur für nicht elektrifizierte Streckenbereiche ein, wie bspw. neue Ladesäulen in der Fläche oder Oberleitungsinselanlagen an den Endpunkten. Der aktuelle Betrieb läuft wie gewohnt weiter.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de