18.08.25
Wie am letzten Donnerstag bekanntgegeben wurde, wird der seit 2017 amtierende Bahnkonzernchef Richard Lutz (61) das Unternehmen vorzeitig verlassen. Er hat sich mit dem Aufsichtsrat und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) auf eine vorzeitige Vertragsauflösung geeinigt. Bis eine Nachfolgeregelung gefunden ist, wird er den Konzern kommissarisch führen. Sowohl Patrick Schnieder als auch der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Gatzer bedanken sich bei Richard Lutz und wünschen ihm für die verbleibenden Wochen viel Erfolg.
Richard Lutz ist studierter Betriebswird stammt aus einer Eisenbahnerfamilie. Er trat 1994 im Alter von dreißig Jahren erstmals in den Konzern ein, seit 2010 gehört er dem Vorstand an. 2017 wurde erst Vorstandsvorsitzender, zunächst übergangsweise nach dem Rücktritt von Rüdiger Grube und später wurde er zum dauerhaften Konzernchef berufen. Nun folgt also die Trennung. In seiner Amtszeit fuhr die DB AG tief in die roten Zahlen und befindet sich in einer massiven Unternehmenskrise – doch auch der Verkehrsträger Schiene selbst befindet sich in erheblicher Schieflage.
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) begrüßt die Trennung von Richard Lutz ausdrücklich. „Die Entlassung von Herrn Lutz war eine notwendige Konsequenz des jahrelangen Missmanagements, das die Deutsche Bahn immer tiefer in die derzeitige Krise geführt hat“, so der Bundesvorsitzende der GDL, Mario Reiß. „Diese Entscheidung war richtig und unumgänglich.“
Allerdings sei es mit einem reinen Austausch der Führungsperson nicht getan. Die GDL betont, dass die tiefgreifenden Probleme der Bahn umfassendere und nachhaltige Maßnahmen erfordern. Dazu gehören insbesondere die Sanierung und Entflechtung der Finanzströme, die dringend benötigte Modernisierung der Infrastruktur sowie eine grundlegende Reform der Unternehmensstruktur, um die Bahn zukunftsfest aufzustellen. Wiederholt hat die GDL die Entflechtung der DB-Strukturen gefordert.
eben der Entflechtung muss auch die Ausrichtung als Aktiengesellschaft auf den Prüfstand – der Bund als Eigentümer trägt hier die Verantwortung, endlich im Sinne der Fahrgäste und der Beschäftigten zu handeln. „Diese Ziele sind ein Marathon und kein Sprint“, so der stellvertretende Bundesvorsitzende der GDL, Lars Jedinat. „Der Eigentümer muss jetzt Verantwortung übernehmen und beweisen, dass er es ernst meint mit der Zukunft der Bahn, auch im Sinne des Klimawandels. Es geht nicht nur darum, Köpfe auszutauschen, sondern die Weichen für eine grundlegende Neuaufstellung des Eisenbahnsystems zu stellen.“
Hierbei sei auch eine stärkere Einbindung der Belegschaft von besonderer Wichtigkeit. „Nur wenn die Beschäftigten im Mittelpunkt stehen, wird die Bahn eine Zukunft haben, auf die Fahrgäste und Eisenbahner gleichermaßen stolz sein können“, so Jedinat. „Der Weg zu einer gerechten, zukunftsfähigen Bahn beginnt heute – mit der klaren Botschaft: Die Menschen, die Tag für Tag den Laden am Laufen halten, kommen an erster Stelle.“
Für den Verband der Güterbahnen auf der Schiene ist das ein wichtiger Moment, um die Führung und Ausrichtung der DB AG neu zu denken. Geschäftsführer Peter Westenberger: „Lutz hat die angebliche Rückbesinnung auf die „Eisenbahn in Deutschland“ intern nie konsequent umgesetzt. Stattdessen hat er darauf gesetzt, dass die geringe und sinkende Produktivität der DB-Schienengesellschaften und die stillschweigend akzeptierten unfairen Wettbewerbsbedingungen zur Straße durch immer mehr Zuschüsse der Politik ersetzt werden. Es ist dankenswert, dass er jetzt den Weg freimacht für eine neue Strategie und neue Köpfe. Für den Verkehrsminister wird es nun noch dringlicher, mit der angekündigten Bahnstrategie einen belastbaren Rahmen zu schaffen, dem fähige Schienenmanager als Grundlage für positive Veränderungen folgen können.“
Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht einen bloßen Personalaustausch an der Spitze als unzureichend an. Insgesamt ist eine aktivere Steuerung durch das Verkehrsministerium notwendig. Gleichzeitig müsse die DB AG ehrlicher und transparenter kommunizieren. Der Verband bedankt sich bei Lutz für eine gute persönliche Zusammenarbeit. Man verweist aber darauf, dass der bisherige Vorstand ebenfalls zahlreiche gute Ideen hatte, die an den mittleren Verwaltungsebenen gescheitert seien. Eine Art „Lehmschicht“ wehre resilient jegliche Innovationen ab und genau hier müsse man die Dinge verändern.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de