03.09.25
Die beiden großen Eisenbahnergewerkschaften üben unabhängig voneinander schwere Kritik an DB Cargo und möglichen Planungen, Instandhaltungswerke in Deutschland zu schließen und in Osteuropa neue zu eröffnen. In einem Aushang der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) heißt es: „Ja, die Lage im Schienengüterverkehr ist angespannt. Aber statt endlich mit einem klaren Zukunftskonzept voranzugehen, setzt Sigrid Nikutta ausschließlich auf Kürzungen, Schließungen und Stellenabbau.“
Dabei wirft man der Unternehmensführung auch grundlegend vor, keine langfristigen Konzepte zu haben: „Alle paar Monate neue Abbaupläne, aber keine Ideen, keine Vision, keine Perspektive. Zudem sind zahlreiche Vereinbarungen aus den zurückliegenden Interessenausgleichen noch lange nicht erfüllt. Hier muss der Vorstand endlich seine Hausaufgaben machen und nicht immer neue Ausflüchte finden.“
Insgesamt elf Werke könnten von der Schließung bedroht sein, bis zu 170 Arbeitsplätze wären betroffen: Zwar gibt es im DB-Konzern grundsätzlich keine betriebsbedingten Entlassungen, aber den betroffenen Mitarbeitern könnten überregionale Versetzungen drohen, weil man vor Ort keine Angebote mehr für die in den Werkstätten tätigen Berufsgruppen hat. „Darüber hinaus entstehen weitere massive Probleme, die nicht allein auf die DB-Cargo, sondern auch auf die anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen abstrahlen“, ist sich der Bundesvorsitzende der GDL – Mario Reiß – sicher.
Das derzeitige flächendeckende Instandhaltungsnetz würde bei Schließung der zehn Außenstellen Rostock, Osnabrück, Magdeburg, Senftenberg, Hamburg-Billwerder, Offenburg, Ingolstadt, Regensburg, Emden und Stendell auf fünf Standorte heruntergeschrumpft. „Demzufolge ist dann zu erwarten, dass sich der Aufwand für die Zuführung von Fahrzeugen eklatant erhöhen wird“, so Reiß weiter. „Die Konzentration auf fünf Standorte würde einen hohen Personalverlust, und zwar über die Zahl von 170 Arbeitsplätzen hinaus, bedeuten,“ so der GDL-Chef Mario Reiß.
Da im Ergebnis dieser Planung ein sehr großer Teil der nutzbaren Werke geschlossen werden sollen, wird sich der Verkehr durch Leerfahrten, Zufahrten und Schadzügen in den hochbelasteten Strecken weiter erhöhen.
Die daraus resultierende Streckenbelastung führt zu einer Erhöhung der Verspätungen und Stauwirkungen. Ein solches Handeln wird die angeschlagene Wirtschaftlichkeit des Unternehmens DB Cargo verstärken, denn die Fahrzeugverfügbarkeit wird verringert. Das Fachpersonal wird noch ineffizienter eingesetzt und dementsprechend ein positives Unternehmensergebnis in weite Ferne gerückt. „Eine Beteiligung der Betriebsräte ist bis heute wohl nicht erfolgt, aber zwingend erforderlich,“ so Mario Reiß.
Auch bei der EVG zeigt man sich abschließend kämpferisch: „Wir nehmen diese Schließungsorgien nicht hin. Wir stehen zusammen – für unsere Arbeitsplätze und für eine DB Cargo mit Zukunft!“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de