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PwC stellt Robo-Bus-Radar 2025 vor

08.09.25

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hat ihre erste Studie zum autonomen Fahren öffentlicher Verkehrsmittel publiziert. Autonomes Fahren kann ÖPNV-Kosten senken und wesentlich zur Mobilitätswende beitragen. Pionierprojekte im Ausland geben die Richtung vor, aber auch in Deutschland sieht man positive Rahmenbedingungen. Mit herkömmlichen ÖPNV-Konzepten seien die anstehenden Herausforderungen, so heißt es bei PwC, kaum lösbar. Aber mit neuen Technologien: insbesondere mit solchen, die autonomes, also fahrerloses Fahren ermöglichen. Nach der ersten Ausgabe der Robo-Bus-Studie kündigte man bereits an, dass weitere folgen werden.

Maximilian Rohs, Public Transport Leader bei PwC Deutschland und verantwortlicher Autor, sagt: „Die Adressaten dieser Studie bekommen damit ein jährliches Markt-Update, das alle relevanten Einflussfaktoren und Fortschritte enthält. Der diesjährige Radar zeigt unter anderem klar, dass autonomes Fahren im ÖPNV keine reine Zukunftsvision mehr ist, sondern Realität wird – im Ausland und hierzulande.“

Der Robo-Bus-Radar 2025 thematisiert in einem anschaulichen Format mit vielen Grafiken insgesamt rund 20 Aspekte, die miteinander verflochten sind: Vom Fahrpersonalmangel über die Wahrnehmung des Angebots in der Bevölkerung, Verbesserungspotenziale durch autonomes Fahren, Aktivitäten in einzelnen Bundesländern und Städten bis hin zu den wirtschaftlichen Auswirkungen im öffentlichen Verkehr. Den Handlungsdruck verdeutlichen Zahlen wie diese: Bereits heute fehlen im ÖPNV rund 20.000 Fahrer im Busverkehr. Zudem erreichen bis zum Jahr 2030 rund 30.000 Fahrer das Rentenalter.

„Allein wegen des Fahrpersonalmangels wird es in den kommenden Jahren sehr schwer, das heutige ÖPNV-Angebot aufrechtzuerhalten – obwohl die Politik und die Verkehrsbetriebe genau das Gegenteil anstreben“, sagt Maximilian Rohs. „Um mehr Angebot und mehr Qualität zu erreichen, müssen die Verkehrsbetriebe die Automatisierung des Verkehrs massiv voranbringen, zumal sich 32 Prozent der Menschen in Deutschland vom ÖPNV abgehängt sehen. Überdurchschnittlich viele davon wohnen im ländlichen Raum, für den die Politik mit Städten vergleichbare Lebensverhältnisse will.“

Autonomes Fahren hat das Potenzial für flächendeckende Mobilität: unter anderem durch vollautomatisierte und rund um die Uhr einsetzbare On-Demand-Systeme. Zugleich würde der Straßenverkehr sicherer werden, weil menschliche Fehler wegfielen. Außerhalb Deutschlands sind vollautomatisierte öffentliche Verkehrsangebote schon Realität: Hierzu gehören beispielsweise ein Shuttle-Angebot in der Stadt Peachtree Corners (USA), ein vollautomatisierter Nachtbus in Seoul (Südkorea) und ein vollautomatisierter Elektrobus in Stavanger (Norwegen).

In Europa sind Frankreich und Deutschland am fortschrittlichsten – auch, weil hier die Politik bereits Regulierungen für vollautomatisiertes Fahren verabschiedet hat. Im Koalitionsvertrag der seit Mai 2025 amtierenden Bundesregierung ist vereinbart, dass sie Deutschland zum Leitmarkt für autonome Mobilität machen und mit den Bundesländern Modellregionen entwickeln und finanzieren will.

Gabriel Flore, Co-Autor und Manager im Bereich Infrastructure & Mobility bei PwC, ist sich sicher: „Bald wird im deutschen ÖPNV ein auf regionale Bedürfnisse abgestimmter Mix aus verschiedenen autonomen und nicht-autonomen Fahrzeugen eingesetzt.“

Inden vergangenen Jahren wurden in den meisten deutschen Bundesländern bereits etliche Forschungsprojekte umgesetzt und autonomes Fahren erprobt. Spitzenreiter hierbei sind Bayern, Baden-Württemberg und Hessen bzw. die Städte München, Ulm und Hamburg. Aktuell laufen in Deutschland mehr als 15 Projekte mit dem Ziel, das autonome Fahren zeitnah in den Regelbetrieb zu überführen. Vollautomatisierte Fahrzeuge im ÖPNV bieten großes wirtschaftliches Potenzial.

Zwar stehen den niedrigeren Fahrpersonalkosten erhöhte Kosten in anderen Bereichen, zum Beispiel der technischen Aufsicht, gegenüber. Insgesamt sind im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen allerdings deutliche Kostenvorteile zu erwarten. Das bedeutet, dass das ÖPNV-Angebot bei geringeren Kosten pro Fahrkilometer verbessert werden kann. Dadurch wäre in den nächsten Jahren eine Angebotsausweitung im Rahmen der bestehenden Finanzierungbudgets möglich. In den kommenden Jahren wird es hier, so ist man überzeugt, eine Menge Entwicklungen geben.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de