22.09.25
Beim zwölften VDV-Personalkongress, der letzte Woche in Dresden stattgefunden hat, stand die Zukunftssicherung des öffentlichen Personen- und des Eisenbahnverkehrs im Mittelpunkt. Das Programm war geprägt von innovativen Strategien zur Bewältigung des Arbeits- und Fachkräftemangels sowie von praxisnahen Impulsen für das Tagesgeschäft der Unternehmen und Verbünde im Hinblick auf moderne Personalarbeit. Die Schlüsselthemen des Kongresses in Sachsens Landeshauptstadt waren Führung, Vielfalt und Resilienz.
Harald Kraus, Vorsitzender des VDV-Personalausschusses und Vorstandsvorsitzender der VDV-Akademie: „Angesichts von gegenwärtig über drei Millionen Arbeitssuchenden in Deutschland wird die Branche ihren Beitrag leisten, diese Menschen wieder in Lohn und Brot zu bringen. Wir suchen in allen Bereichen und müssen unsere Vorzüge nicht nur besser zur Geltung bringen, sondern weiter ausbauen. Mit dem Kongress reagieren wir auf diese neuen Anforderungen, möchten Impulse setzen und einen Raum schaffen, in dem unterschiedliche Perspektiven auf die Zukunft der Arbeitswelt zusammenkommen. Die Mischung aus praxisnahen Vorträgen und gemeinsamen Diskussionen macht diese Veranstaltung so wertvoll. Denn nur zusammen können wir den Wandel aktiv gestalten – mit Mut, Ideen und einer klaren Haltung für gutes Arbeiten in unserer Branche, orientiert an den Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden sowie an den Interessen unserer Beschäftigten.“
200 Fach- und Führungskräfte nahmen an dem Kongress teil. Unter dem Motto „Zukunftssicher? – Zukunft sichern!“ diskutierten Fach- und Führungskräfte zu den Themen Fachkräftemangel, KI, „Generation Z“, neue Führungskulturen und Sprachangebote auf dem VDV-Personalkongress. Harald Kraus: „Das Motto spricht für sich. Wir sind mitten in einer umfassenden Transformation. Über siebzig verschiedene Berufe haben wir in der Branche, wir sind vielfältig, wir werden digitaler, internationaler, flexibler.“
Laut VDV sind die Aufgaben, die der Wandel mit sich bringt, immens – und diese können die Verkehrsunternehmen nur mit starken, verantwortungsvollen Partnern bewältigen. Das zeigt auch die erstmalige Aufnahme des Forums Mitbestimmung in das Kongressprogramm.
„Wir haben bereits damit begonnen, gemeinsam mit unseren betrieblichen Sozialpartnern die großen personalpolitischen Herausforderungen zu lösen. Denn auch wenn wir von unterschiedlichen Seiten kommen, haben wir häufig gemeinsame Zielsetzungen. Aus diesem Grund freut es mich sehr, dass wir auf unserem Personalkongress diese Gespräche fortsetzen können“, so Kraus.
Die zusammen mit der Digitalberatung nexum durchgeführte Große Deutschlandumfrage Fahrpersonal Bus & Bahn, bei der das Fahrpersonal im öffentlichen Personen- und im Schienengüterverkehr direkt befragt wurde, zeigt den Handlungsbedarf für Branche und Politik auf. Dort heißt es: „Die Ergebnisse sind ein klares Signal für einen Wandel, den wir aktiv gestalten müssen: Über 54 Prozent unseres Fahrpersonals sind Quereinsteiger – das ist eine enorme Chance, wenn wir gezielt darauf eingehen. Gleichzeitig bewerten 51 Prozent das gesellschaftliche Image des Berufs als schlecht oder sehr schlecht – hier braucht es dringend Wertschätzung und politische Unterstützung. Und: Dreißig Prozent empfinden die aktuellen Dienstpläne kaum vereinbar mit dem Privatleben. Wer künftig mehr Busse und Bahnen auf die Straße bringen will, muss auch mehr für die Menschen am Steuer tun.“
Der Kongress bot dafür nicht nur Impulse aus der Praxis, sondern auch eine Plattform für Austausch und Vernetzung. Die Branche hatte ihre Kräfte bereits vor Jahren in der VDV-Arbeitgeberinitiative gebündelt, stärkt die Personalgewinnung und -bindung, erhöht die Sichtbarkeit und fördert digitale Transformation, Schulung und Vernetzung.
Wie die große Deutschlandumfrage Fahrpersonal Bus und Bahn gezeigt hat, müssen die Unternehmen ausländische Fachkräfte bei der Integration mithilfe von speziellen Sprachkursen unterstützen – insbesondere beim Fahrpersonal. Schon heute können zehntausende Stellen am Lenkrad nicht besetzt werden – bei 100.000 Busfahrern insgesamt. Allein im ÖPNV fehlen bereits heute zehntausende Busfahrer sowie mindestens dreitausend Triebfahrzeugführer. Es geht also schon heute um das Aufrechterhalten des Status quo beim Fahrplan und um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Lkw – dabei muss das Angebot ausgebaut werden und hierfür bedarf es sehr viel Personal.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
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Quelle: Zughalt.de