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DB AG: Neue Chefin und neue Strategie

25.09.25

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG hat in seiner Sitzung am letzten Dienstag (23. September) Evelyn Palla zur neuen Vorstandsvorsitzenden mit Wirkung zum 1. Oktober 2025 berufen. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Richard Lutz scheidet im gegenseitigen Einvernehmen zum 30. September 2025 aus dem Unternehmen aus.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Gatzer erklärte in Berlin: „Evelyn Palla hat mit herausragenden operativen und strategischen Fähigkeiten in führenden europäischen Konzernen und seit 2019 auch bei der Deutschen Bahn bewiesen, dass sie Transformationsprojekte erfolgreich umsetzen kann. Das Geschäftsfeld DB Regio AG hat sie aus schwierigsten in ruhige Fahrwasser geführt – gemeinsam mit allen Beteiligten und vor allem mit den Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag für Millionen Kundinnen und Kunden im Einsatz sind. Wir sind fest davon überzeugt, dass der DB mit Evelyn Palla an der Spitze ein erfolgreicher Neustart gelingen und die vom Bundesverkehrsministerium vorgestellte Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene zügig umgesetzt werden kann.“

Die Südtirolerin Evelyn Palla (Jahrgang 1973) ist seit 2019 für die DB AG tätig, zunächst als Finanzvorstand bei DB Fernverkehr, seit 2022 als Vorstandsvorsitzende von DB Regio. Zuvor war sie acht Jahre in führender Funktion bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) beschäftigt.

Aufsichtsratschef Werner Gatzer dankte Richard Lutz für seine langjährige Arbeit für die DB: „Richard Lutz hat die Geschicke des Konzerns seit mehr als dreißig Jahren zunächst als Controller und Finanzvorstand und seit 2017 als Vorstandsvorsitzender entscheidend geprägt. Die von ihm umgesetzte Strategie der Starken Schiene hat einen wichtigen Beitrag zur verkehrspolitischen Wende in Deutschland geleistet und den Kolleginnen und Kollegen der DB Orientierung in Zeiten extremer betrieblicher Herausforderungen gegeben. Mit dem Sanierungsprogramm S3 hat er darüber hinaus im vergangenen Jahr die Sanierung des Konzerns in den drei Dimensionen Infrastruktur, Betrieb und Wirtschaftlichkeit eingeleitet und sichtbare erste Erfolge erzielt. Ich bedanke mich im Namen des gesamten Aufsichtsrats für die Verdienste, die Richard Lutz für die DB geleistet hat.“

Dies steht im Zusammenhang mit einer strategischen Neuausrichtung des Gesamtkonzerns, die Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) bereits am Montag vorgestellt hat. Mit der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ soll ein umfassendes Reformpaket nicht nur den DB-Konzern, sondern die Eisenbahn insgesamt verbessern. Ziel ist es, die Bahn wieder zu einem verlässlichen Verkehrsmittel zu machen – für Pendler, Reisende und Unternehmen gleichermaßen.

Doppelstrukturen sollen abgeschafft und die DB InfraGO AG im integrierten Konzern weiter entflochten werden. Die Allianz pro Schiene, der Bundesverband Schienennahverkehr (BSN) und der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) begrüßen es, dass der Bundesverkehrsminister heute lang erwartete Eckpunkte für den Bahnverkehr in Deutschland vorgelegt hat. Der erste Schritt auf dem Weg zu klareren Verantwortlichkeiten und Rollen sei damit getan, sagten die Verbände am Montag in der Bundespressekonferenz. Die Branche werde eigene Beiträge für einen kundenorientierten und effizienteren Schienennahverkehr leisten und stellte eigene Initiativen vor.

„Es ist eine gute Nachricht für alle Bahnreisenden in Deutschland, dass wir mit dem heutigen Tag erstmals seit dreißig Jahren Schwarz auf Weiß haben, welche strategischen Eckpfeiler der Bund für den Schienenverkehr in Deutschland“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, stellvertretend für die drei Verbände. „Was noch fehlt, ist die Verbindlichkeit und Konkretisierung. Der Bundesverkehrsminister sollte im Bundestag um einen breiten Rückhalt werben, damit aus dem Fundament eine Strategie wird, die auch die nächste und übernächste Legislaturperiode überdauert.“

Jan Görnemann, Geschäftsführer des BSN, kündigt zu diesem Anlass an: „Wir alle kennen es vom Bahnfahren: Jeder Regionalzug sieht anders aus. Es gibt unterschiedlich viele und breite Türen, unterschiedliche WCs und unterschiedlich lange Züge. Dabei ist es sowohl für die Aufgabenträger als auch für die Hersteller so viel einfacher, wenn wir uns bei der Bestellung neuer Züge auf einheitliche Standards einigen. 22 Aufgabenträger haben sich in unserer Charta dazu verpflichtet, sich an diese neuen, einheitlichen Standards zu halten.“

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de