Jobportal für die Bahnbranche & ÖPNV

VRR schreibt Tarifreform fort

02.10.25

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat in der letzten Woche die politischen Weichen für die zweite Stufe der großen Tarifreform eingeleitet. Durch die Vereinfachung und Neustrukturierung des Tarifsystems schafft der VRR die Grundlage für eine zukunftsorientierte, digitale und noch einfachere Mobilität vor dem Hintergrund des Deutschlandtickets und des eezy-NRW-Tarifes. „Die vereinfachten Tarifstrukturen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Deutschlandticket in unserem Verbundraum auf große Nachfrage stößt. Und auch der digitale Tarif eezy.nrw verzeichnet ein rasantes Wachstum“, erläutert der VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke die bereits erfolgreich vollzogene erste Stufe der Reform.

Das Deutschlandticket wird im VRR aktuell monatlich über 1,6 Millionen Mal verkauft und generiert rund achtzig Prozent des Gesamtumsatzes. Die digitale Ticketlösung eezy.nrw verzeichnet einen dynamischen Anstieg der Nutzungszahlen: Im Zeitraum zwischen August 2024 und August 2025 stieg die Zahl der Fahrten pro Monat um 154 Prozent. Im August 2025 wurden bereits 542.000 Fahrten per eezy.nrw absolviert – ein neuer Höchststand. Mehr als die Hälfte aller eezy.nrw-Fahrten sind im VRR-Gebiet absolviert worden. Für das Jahresende wird ein weiteres Wachstum auf rund 800.000 monatliche Fahrten prognostiziert.

„Das gibt uns Rückenwind für den nächsten Schritt, mit dem wir unseren Tarif im kommenden Jahr weiter vereinfachen. Hierdurch möchten wir auch andere Verbünde dafür begeistern, Komplexität abzubauen und innovative Mobilitätsangebote konsequent weiterzuentwickeln“, so Oliver Wittke weiter. Zentraler Baustein der zweiten Stufe ist die Vereinfachung des Tarifgebietsmodells. Die Städte Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Wuppertal, die bislang in jeweils zwei Tarifgebiete unterteilt waren, werden zu eigenen Tarifgebieten zusammengeführt.

Für Fahrgäste bedeutet dies, dass die Ticketwahl einfacher und die Geltungsbereiche transparenter werden. Darüber hinaus werden im Niederrhein sowie in Teilen des Ruhrgebiets die Tarifgebietsgrenzen neu gezogen und stärker an den tatsächlichen Verkehrsströmen ausgerichtet. Damit trägt der VRR gezielt den Mobilitätsbedürfnissen der Bürger Rechnung und erleichtert die Nutzung des Nahverkehrs insbesondere für Fahrgäste, die nur gelegentlich mit Bus und Bahn unterwegs sind. Vor allem Nutzer des Bartarifs und des digitalen Tarifs eezy.nrw sollen von dieser Anpassung profitieren.

Mit den strukturellen Änderungen einher geht auch die Abschaffung der Waben und des Zwei-Waben-Tarifs, mit dem angrenzende Tarifgebiete mit unterschiedlichen Preisstufen mit einem Ticket der Preisstufe A befahren werden können. Dieses System wurde geschaffen, um Tarifhärten an Stadtgrenzen abzumildern. Neue Mobilitätsformen und die hohe Akzeptanz moderner Ticketangebote wie dem Deutschlandticket und eezy.nrw haben gezeigt, dass starre, historisch gewachsene Tarifstrukturen nicht mehr zeitgemäß sind.

Lediglich weniger als ein Prozent der heutigen Fahrgäste sind von der Umstellung betroffen. „Das ist für uns ein Beleg, dass sich die Mobilitätslandschaft im VRR immer weiter verändert“, sagt Oliver Wittke. Ein konkreter Zeitpunkt zur Umsetzung im kommenden Jahr ist noch nicht festgelegt.

Parallel zur inhaltlichen Neuausrichtung hat der Verwaltungsrat des VRR eine moderate Preisanpassung beschlossen. Ab 1. Januar kommenden Jahres werden die Ticketpreise im VRR im Schnitt um 4,9 Prozent angehoben. Maßgeblich hierfür sind die seit Jahren wachsenden Kosten für Personal, Energie und die Transformation hin zu nachhaltigen Antrieben. Auch die Umsetzung der Mobilitätswende verursacht signifikante Mehraufwendungen bei den Verkehrsunternehmen. Die Preisanpassung betrifft nur noch einen begrenzten Anteil der Ticketumsätze, da Deutschlandticket und eezy.nrw mittlerweile den größten Teil der Verkäufe ausmachen.

„Der Finanzierungsdruck bleibt dennoch hoch. Um das Niveau und die Qualität des Nahverkehrsangebots zu erhalten, sind die kommunalen Verkehrsunternehmen auf zusätzliche Mittel angewiesen. Die Tariferhöhung ist daher ein notwendiger Schritt, wenngleich sie den Mehrbedarf nur zu einem kleinen Teil abfedern kann“, so Wittke. Das Deutschlandticket ist nicht von den Preisanpassungen im VRR-Tarif betroffen, es wird unabhängig davon ab dem 1. Januar von aktuell 58 auf dann 63 Euro steigen. Hierbei handelt es sich um eine Entscheidung der Verkehrsministerkonferenz und nicht der einzelnen Verkehrsverbünde.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de