09.10.25
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat ein Leistungskostengutachten für verschiedene Bundesländer vorgelegt – auch für Sachsen-Anhalt. Dabei zeigt sich: Nicht nur der Investitionsbedarf ist hoch, sondern auch der Nutzen. Beide im Gutachten untersuchten Szenarien – „Modernisierung 2040“ und „Deutschlandangebot 2040“ – ermöglichen deutliche Verbesserungen für die Menschen im Land: eine neue Qualität der öffentlichen Mobilität und – je nach Szenario – zusätzliche Angebote sowie eine bessere Erreichbarkeit.
Im Szenario „Modernisierung 2040“ wird das bestehende ÖPNV-System in Sachsen-Anhalt grundlegend erneuert: Der Sanierungsstau wird abgebaut, die Bus- und Bahnflotten werden auf emissionsfreie Antriebe umgestellt, Betriebshöfe und Werkstätten modernisiert und digitale Steuerungssysteme eingeführt. Einzelne Angebotsausweitungen –bei der Stadtbahn Halle und der Straßenbahn Magdeburg – kommen dazu. So bleibt das Angebot nicht nur erhalten, sondern wird qualitativ aufgewertet.
Das Szenario „Deutschlandangebot 2040“ geht noch einige Schritte weiter: Das Angebot mit Bussen wird verdichtet – insbesondere im ländlichen Raum. Flexible Kleinbusse auf Abruf (On-Demand) ergänzen den Linienverkehr. Das Angebot in den Straßen- und Stadtbahnnetzen der Städte wird um vierzig Prozent erweitert, die Fahrpläne beschleunigt. Im Schienenverkehr wird der Deutschlandtakt vollständig umgesetzt – inklusive Ausbau der SPNV-Knoten Dessau und Magdeburg, kürzerer Fahrzeiten und verlässlicher Anschlüsse.
Klar ist: Das kostet Geld. Der jährliche Finanzierungsbedarf in Sachsen-Anhalt steigt bis zum Jahr 2040 – je nach Szenario – auf 1,46 bis 2,02 Milliarden Euro. Das ist mehr als eine Verdopplung gegenüber heute. Doch schon allein durch die Inflation wird sich der Bedarf bis 2040 um 300 Millionen Euro erhöhen. Ohne gezielte Ausweitungen im Angebot droht ein Rückgang bei der Nachfrage – insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.
Für Sachsen-Anhalt heißt das vor allem: Das Land muss dauerhaft zusätzliche und zweckgebundene Mittel bereitstellen. Denn im Jahr 2025 liegt der landeseigene Anteil an den ÖPNV-Ausgaben bei nur rund sechs Prozent – der Rest stammt überwiegend aus den Regionalisierungsmitteln des Bundes. Die Berechnungen im Gutachten zeigen: Für rund ein Drittel der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt verbessert sich im Szenario Deutschlandangebot die Erschließung um zwei Güteklassen, für fast die Hälfte um eine Güteklasse.
Die durchschnittliche Angebotsqualität steigt von der Schulnote 4,1 auf 2,9 – ein Quantensprung für ein Flächenland. „Unsere Verkehrsunternehmen sind bereit, diese Transformation mit aller Kraft mitzugestalten“, so Birgit Münster-Rendel, Vorsitzende der VDV-Landesgruppe Ost. „Aber dafür braucht es einen klaren politischen Willen und Mut. Sachsen-Anhalt muss beim ÖPNV jetzt die Weichen richtig stellen – für mehr Lebensqualität, Klimaschutz und gleichwertige Lebensverhältnisse.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de