Jobportal für die Bahnbranche & ÖPNV

Eine gute und richtige Investition

13.10.25

Der Ausbau des Straßenbahnnetzes in München ist kein Symbolprojekt, sondern eine strategische Investition in die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Angesichts des anhaltenden Bevölkerungswachstums – München wird bis 2040 voraussichtlich über 1,7 Millionen Einwohner zählen – stoßen die bestehenden Verkehrsstrukturen längst an ihre Grenzen. Der Straßenbahnausbau bietet hier eine rundherum überzeugende Antwort auf das steigende Verkehrs- und Bevölkerungswachstum der bajuwarischen Landeshauptstadt.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Straßenbahn das mit Abstand effizienteste Verkehrsmittel für mittlere Transportmengen. Der Bau einer Straßenbahnstrecke kostet im Schnitt zwischen zwanzig und vierzig Millionen Euro pro Kilometer; im Gegensatz zu 150 bis 300 Millionen Euro bei U-Bahn-Projekten. Damit lassen sich für denselben finanziellen Aufwand deutlich größere Netzabschnitte realisieren. Die Straßenbahn kann also dort eingesetzt werden, wo eine U-Bahn wirtschaftlich nicht vertretbar, der Busverkehr aber bereits überfordert ist.

Besonders in wachsenden Stadtteilen ist das der entscheidende Vorteil, gerade wenn man bedenkt, dass die öffentlichen Kofinanzierungsmittel in den nächsten Jahren tendentiell eher knapper werden und zwar auch dann, wenn einzelne Projekte eine positive Kosten-Nutzen-Bewertung erhalten. Vergessen wir nicht: Der Koeffizient von größer als Eins ist lediglich die Grundvoraussetzung für die Förderfähigkeit. Man braucht für jedes konkrete Einzelprojekt, das diese Bedingung erfüllt, eine Finanzierungsvereinbarung zwischen Kommune, Land und Bund.

Technisch bietet die Straßenbahn eine hohe Leistungsfähigkeit. Eine einzelne Tram kann – je nach Typ – bis zu 250 Fahrgäste befördern und erreicht bei Vorrangschaltung an Ampeln eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von rund 20 bis 25 km/h. Damit ist sie in der Stadt schneller als das Auto im Berufsverkehr. Zudem kann sie auf eigenem Gleiskörper fahren, wodurch sie unabhängig vom Straßenstau bleibt.

Moderne Systeme ermöglichen eine enge Taktfolge und damit eine Kapazität, die weit über die eines konventionellen Busnetzes hinausgeht. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Flexibilität. Straßenbahnen können in bestehende Stadtstrukturen integriert und schrittweise verlängert werden – etwa in neue Wohnquartiere oder Gewerbegebiete. Die Umstellung von Bus- auf Straßenbahnbetrieb entlastet die Betriebshöfe, senkt den Energiebedarf und reduziert Wartungskosten.

Gleichzeitig bleibt die Barrierefreiheit gewährleistet, und die Fahrzeuge sind leise, vibrationsarm und komfortabel – ein erheblicher Vorteil für Anwohner und Fahrgäste. Wirtschaftlich betrachtet ist die Straßenbahn zudem ein Wertschöpfungsmotor. Man weiß, dass Investitionen in Straßenbahninfrastruktur den Immobilienwert im Umfeld steigern, den Einzelhandel und die Wirtschaftskraft stärken – sowohl während der Bauphase als auch im Betrieb. Für München ist also der Straßenbahnausbau genau richtig. Diesen Weg gilt es umzusetzen und weiterzuverfolgen.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de