30.10.25
Aufgrund kurzfristiger Zugausfälle am vergangenen Wochenende haben die zuständigen Aufgabenträger schwere Kritik an National Express geübt. Die Linie RRX 4 ist sowohl Samstag als auch Sonntag auf dem vollständigen Laufweg zwischen Aachen, Düsseldorf, Wuppertal, Hagen und Dortmund ausgefallen. Am Sonntag fuhr zudem auch die Linie RRX 11 auf dem Fragment zwischen Düsseldorf und Oberhausen nur im Zweistundentakt.
Bei den Aufgabenträgern heißt es: „Eigenmächtig und unabgestimmt Leistungen zu reduzieren, so wie es National Express bereits in den zurückliegenden Monaten auf wichtigen und stark nachgefragten Verbindungen in NRW getan hat, ist für die SPNV-Aufgabenträger VRR und go.Rheinland nicht akzeptabel.“ Die Aufgabenträger wurden mit kurzem Vorlauf informiert, sodass auch keine Zeit mehr bestand, Ersatzleistungen bei Dritten zu bestellen. Ein Ersatzkonzept konnte nicht mehr auf die Beine gestellt werden.
In der Erklärung der Aufgabenträger heißt es dazu: „Damit greift das Unternehmen in das öffentliche Nahverkehrsangebot ein und gefährdet die Mobilität von tausenden Fahrgästen auf einer Verbindung von landesweiter Bedeutung.“ Die von National Express durchgeführten Leistungsreduzierungen erfolgten ohne Billigung der Aufgabenträger. National Express ist nun nachdrücklich aufgefordert, auf den Ausfall der Verkehrsleistungen, der den Aufgabenträgern erst am Donnerstagabend (23. Oktober) mitgeteilt wurde, zu verzichten und das bestellte Angebot vollumfänglich und zuverlässig zu erbringen.
Darüber hinaus fordern die Aufgabenträger von National Express, dass die betroffenen Fahrgäste frühzeitiger über Ausfälle dieser Art informiert werden. Auch muss gewährleistet sein, dass im Fall von kurzfristigen Ausfällen im Sinne der Fahrgäste adäquate Ersatzleistungen angeboten werden. Bereits seit längerer Zeit kommt es auf von National Express betriebenen Linien immer wieder zu Zugausfällen in erheblichem Umfang.
Dieser nicht vertragskonforme Zustand zieht sich bereits über Monate hin und hat bis heute zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt. Aus diesem Grund ist bereits im November vergangenen Jahres eine erste und im Juli diesen Jahres die zweite Abmahnung gegen das Unternehmen ausgesprochen worden. Beide Abmahnungen haben jedoch nicht zu einer ausreichenden Qualitätsverbesserung geführt.
Auch ist dieses Vorgehen nicht Teil der vereinbarten Fahrplanreduzierung im Rahmen des „Aktionsprogramms Personal und Betrieb“, mit der die Aufgabenträger den Eisenbahnverkehrsunternehmen weitestmöglich entgegengekommen sind. Ziel des Programms ist es, dass durch eine gezielte und abgestimmte Reduzierung der Verkehre vorübergehend Ruhe in die Fahrpläne einkehren soll und somit für den Fahrgast eine notwendige Verlässlichkeit einhergeht.
Sollte das Unternehmen weiterhin gegen geltende Vereinbarungen verstoßen, werden die SPNV-Aufgabenträger alle rechtlichen und vertraglichen Mittel ausschöpfen, um die Interessen der Fahrgäste und des öffentlichen Nahverkehrs konsequent zu schützen. Allerdings sind die Züge offensichtlich nicht wegen Personalmangel ausgefallen, sondern die Zugausfälle stehen im Zusammenhang mit aktuellen Verhandlungen zwischen National Express und den Aufgabenträgern um Vertragsanpassungen.
In einem Rundschreiben an die Belegschaft, das seit dem Wochenende im Internet kursiert, heißt es, dass man von einem Zurückbehaltungsrecht gebrauch mache. Das ist eine gesetzliche Regelung, die gibt es etwa wenn auf einer Baustelle die Zahlungen ausbleiben und die Bauunternehmen dann bis zur Bezahlung offener Rechnungen die Arbeit einstellt. Auch Telefonanbieter können Kunden bei nicht bezahlten Rechnungen die Leitung sperren – im Eisenbahnbereich gibt es das jedoch erstmals überhaupt.
Die Züge fallen nicht aus, weil die Gewerkschaft die Belegschaft dazu aufruft, in den Streik zu treten, sondern das Unternehmen selbst stellt seine Leistungen ein, um Druck in die laufenden Verhandlungen zu bringen. In dem Rundschreiben an die Belegschaft heißt es ausdrücklich: „Es liegen keine personellen oder materiellen Engpässe zum Betrieb der Leistungen vor. Die betroffenen Kollegen werden entsprechend informiert und Schichten umgeplant.“ Außerdem ist die Rede von einem nicht näher bezeichneten „Projekt Carbon“, das man zu einem späteren Zeitpunkt unter den Mitarbeitern bekanntmachen wird. Unklar ist aktuell, ob die angespannte Situation damit weiter eskalieren wird.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de