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VDV: Leistungsgutachten für BaWü

18.11.25

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat sein Leistungsgutachten für Baden-Württemberg vorgelegt. Es liefert erstmals eine realistische Finanzierungs- und Entwicklungsprognose bis 2040. Im Szenario „Modernisierung 2040“ wird das heutige System grundlegend erneuert: Moderne Betriebshöfe, erneuerte Stadtbahninfrastruktur, digitale Steuerungstechnik, dekarbonisierte und attraktive Fahrzeugflotten.

In Baden-Württemberg steigt das ÖPNV-Angebot in diesem Szenario, trotz des Fokus auf Bestandssicherung, bereits um fünf Prozent, die Nachfrage sogar um zehn Prozent. Damit kann das bestehende System nicht nur stabilisiert und qualitativ verbessert werden. Der dafür notwendige jährliche Finanzierungsbedarf steigt von aktuell circa 3,6 Milliarden Euro auf 6,67 Milliarden Euro im Jahr 2040. Ohne diese Investitionen drohen Angebotskürzungen – mit spürbaren Folgen für die Erreichbarkeit ganzer Regionen.

Im Szenario „Deutschlandangebot 2040“ erfolgt darüber hinaus ein gezielter Angebotsausbau: Taktverdichtungen bei Bussen und Bahnen, Rufbetrieb für strukturschwächere Räume und durchgängiger Deutschlandtakt im Schienenverkehr. Das Ergebnis: ein modernes Nahverkehrssystem, das Arbeits- und Ausbildungsplätze noch besser erreichbar macht, die Fachkräftemobilität erleichtert und die Standortqualität hebt – im ganzen Land. Dafür sind jährlich Landesmittel in Höhe von 10,82 Milliarden Euro nötig.

Die positiven Effekte des Deutschlandangebots in Baden-Württemberg: ÖPNV-Nachfrage steigt um 38 Prozent. Die durchschnittliche Angebotsqualität verbessert sich von Schulnote 3,6 auf 2,4. Für über ein Drittel der Bevölkerung verbessert sich die Erschließung um zwei Güteklassen. Strukturschwache Regionen werden besser angebunden, was die Erreichbarkeit und damit die lokale Wirtschaft stärkt. Besonders profitieren Mittelzentren und Ballungsräume mit einem hohem Anteil an Pendlern.

Die verbesserten Anschlüsse im Regional- und Busverkehr schaffen zusätzliche Potenziale für Pendlermobilität. Die zusätzlichen Mittel des Landes in den ÖPNV wären also gut investiert. Denn allein durch die Inflation, also die allgemeine jährliche Kostensteigerung, ergibt sich bis 2040 ein Mehrbedarf von über 1,3 Milliarden Euro jährlich. Ohne, dass damit zusätzliche Verbesserungen im ÖPNV möglich wären. „Gerade in Baden-Württemberg ist der öffentliche Nahverkehr ein entscheidender Standortfaktor“, sagt Alexander Pischon, Vorsitzender der VDV-Landesgruppe.

„Wenn wir auch künftig attraktiv für gut ausgebildete Fachkräfte sein wollen, müssen wir landesweit für verlässliche Mobilität sorgen – nicht nur in den Großstädten, sondern auch im ländlichen Raum.“ Alexander Möller, Geschäftsführer ÖPNV beim VDV, ergänzt: „ÖPNV ist mehr als Daseinsvorsorge – er ist ein Argument für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort. Unser Gutachten zeigt: Mit klaren politischen Entscheidungen kann Baden-Württemberg bis 2040 ein leistungsfähiges Verkehrsnetz weiterentwickeln.“

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de