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Stuttgart 21 erneut verzögert

24.11.25

Wie in der letzten Woche bekanntgegeben wurde, wird sich die Eröffnung des umstrittenen Eisenbahnprojektes Stuttgart 21 erneut verzögern. Eine zumindest teilweise Eröffnung des Tiefbahnhofes zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 ist definitiv nicht mehr möglich. Zur Erinnerung: Der ursprüngliche Eröffnungstermin war im Dezember 2017. Baubeginn war im Jahr 2010, dass man also weit über eine Verdoppelung der Bauzeit hinaus ist. Ein konkreter neuer Eröffnungstermin wurde dabei nicht genannt, eventuell soll Mitte kommenden Jahres ein solcher bekanntgegeben werden, vielleicht verzögert sich aber auch das.

Baden-Württembergs Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne): „Die erneute Verschiebung von Stuttgart 21 auf unbestimmte Zeit ist für Region, Stadt und Land und vor allem für die Fahrgäste eine fatale Nachricht. Die Fahrgäste ächzen seit Jahren unter den Folgen der Großbaustelle und es ist einfach kein Ende des angeblich ,best geplanten Bauprojekts absehbar. Das letzte bisschen Vertrauen in die Bahn wird mit dieser Ankündigung verspielt. Noch vor einem Monat hat uns die Bahn den Eröffnungstermin im nächsten Jahr bestätigt – auch auf Rückfragen. Diese Zusagen waren offensichtlich windig oder falsch. Wir fühlen uns getäuscht.“

Es gab aufgrund der Kostensteigerungen bereits gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen der Bahn und dem Land Baden-Württemberg. Grundsätzlich gibt es bei Kostensteigerungen eine Sprechklausel, also eine Pflicht für Nachverhandlungen. Allerdings ist das Land Baden-Württemberg nicht bereit gewesen, sich an Mehrkosten zu beteiligen. Die DB AG hat während dieser Zeit die Baumaßnahmen nicht etwa ausgesetzt, sondern weitergebaut in der Hoffnung, dass das Land die Gerichtsprozesse verlieren wird. Inzwischen ist klar: Das Land Baden-Württemberg muss sich nicht an den Mehrkosten beteiligen, die muss die DB AG bzw. ihr Alleinaktionär der Bund alleine tragen. Seit 2012 lehnt die Landesregierung das Projekt ab, das noch deutlich vorher beschlossen worden ist.

Hermann: „Es bestätigt sich abermals, dass die Bahn politisch in ein unfassbar kompliziertes und teures Mega-Projekt getrieben wurde. Stuttgart 21 zeigt seit Jahren ein Muster: Die Deutsche Bahn vertröstet, beschönigt, verzögert und die Kosten steigen. Offenbar ist die Bahn mit diesem Großprojekt überfordert. Sie hat Schwierigkeiten beim Bauen und beim Digitalisieren. Beides gemeinsam zu organisieren, gelingt ihr noch weniger.“

„Jetzt scheint die Digitalisierung das Problem zu sein. Dabei ist schon seit vielen Jahren klar, dass dieser Knoten und die Schiene in Deutschland digitalisiert werden müssen. Eine mögliche Verschiebung auf unbestimmte Zeit kann nicht das letzte Wort sein. Wir fordern von der neuen Bahnchefin Evelin Palla echte Transparenz. Wir wollen keine neuen Termine ohne Substanz. Wir erwarten Ehrlichkeit statt weiterer Vertröstungen. Deshalb ist ein Sonderlenkungskreis zu Stuttgart 21 dringlich erforderlich“, so Hermann abschließend.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de