04.12.25
Nach fast dreißig Jahren im DB-Konzern ist Werner Lübberink letzte Woche von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) im nordrhein-westfälischen Landtag feierlich verabschiedet worden. Als Konzernbevollmächtigter für Nordrhein-Westfalen war Lübberink in den vergangenen Jahren der wichtigste Ansprechpartner für Politik, Verwaltung und Ministerien, Wirtschaft und Verbänden. Damit war er das Gesicht der DB zwischen Rhein und Weser. Als Konzernbevollmächtigter der DB für das Land NRW übernahm er 2016 die Federführung im bevölkerungsreichsten Bundesland.
Als NRW-Bahnchef sorgte er für wichtige Weichenstellungen im Westen. Der 66-jährige Rheinländer gilt als Mann für schwierige Aufgaben. Mit seinem Leitsatz „Wiederaufbau West“ machte er sich erfolgreich stark für die Modernisierung der Schieneninfrastruktur in NRW. So konnten die Investitionen in Netz und Bahnhöfe während seiner Zeit verdreifacht werden. Die Weiterentwicklung von ehemaligen Bahnflächen an Schienen und Bahnhöfen war ihm besonders wichtig.
Den Diplom-Kaufmann und Harvard MBA, der vier Sprachen spricht, führte sein internationales Studium nach Paris, Oxford, Berlin, Zürich und Boston. Er begann seine berufliche Laufbahn bei der Mannesmann AG in Düsseldorf, wo er im Stahlexport tätig war. Nach einem Wechsel in die strategische Unternehmensberatung folgte der Sprung in die Mobilitätsbranche. Bei der Volkswagen AG war Lübberink für die Ergebnisanalyse der Marke VW verantwortlich, bevor er die Leitung des internationalen Marketings des Konzerns übernahm.
Im Jahr 1995 folgte der Rommerskirchener dem Ruf der Deutschen Bahn und stieg bei DB Fernverkehr ein. Dort verantwortete Lübberink das Internationale Marketing sowie das Produkt- und Angebotsmanagement. In dieser Funktion wirkte er an der Umsetzung des Integralen Taktfahrplans mit. Darüber hinaus war er verantwortlich für die Einführung neuer internationaler Verbindungen, wie etwa ICE International nach Brüssel, Amsterdam, Wien, Zürich, Kopenhagen und Paris. Der von ihm initiierte „Berlin-Warschau-Express“ ist bis heute unterwegs.
Diese Verbindungen sorgen noch heute für komfortables Reisen in die europäischen Nachbarländer. Ebenso profitieren bis heute Fahrgäste von den Europa Sparpreisen, die Lübberink konzipiert, mit ausländischen Bahngesellschaften verhandelt und umgesetzt hat. Schon in dieser Position waren seine internationale Erfahrung und sein politisches Geschick gefragt. Nach seiner Station beim DB Fernverkehr kam 2002 der Wechsel in die Leitung der EU-Konzernrepräsentanz in Brüssel. Hier vertrat Lübberink die Interessen der DB gegenüber den europäischen Institutionen.
Dort begleitete er die Verhandlungen der tiefgreifenden sogenannten Eisenbahnpakete 1-4. Die Eisenbahnpakete regeln grundlegende und signifikante Themen des Eisenbahnsektors neu. Besonders hervorzuheben sind hier die europäischen Reisendenrechte, technische Harmonisierung und Sicherheit sowie der grenzüberschreitende Einsatz von Triebfahrzeugführern. Insbesondere setzte sich Lübberink erfolgreich für die Aufrechterhaltung der Struktur des integrierten DB-Konzerns ein. Auch hier kamen Lübberink seine Expertise, internationale Erfahrung und diplomatisches Geschick zugute.
Darüber hinaus engagierte sich der überzeugte Europäer für die Weiterentwicklung der transeuropäischen Netze (TEN-Korridore) sowie des wichtigen Sicherheitssystems European Train Control System (ETCS). Außerdem unterstütze Lübberink die Gründung und den Aufbau der europäischen Eisenbahnagentur (ERA) in Lille. Der letzte berufliche Umstieg war 2016 von Brüssel nach Düsseldorf, als er den Posten des DB-Konzernbevollmächtigten für NRW übernahm.
Lübberinks Zeit in NRW war geprägt von vielfältigen und großen Herausforderungen. Dazu zählten unter anderem eine nie dagewesene Anzahl von Großbaustellen sowie eine stark überlastete Infrastruktur. Dank seiner Sachkenntnis, langjährigen Erfahrung, seiner lösungsorientierten Herangehensweise und seinem effektiven Stakeholdermanagement kann Lübberink auf zahlreiche erfolgreiche Projekte zurückblicken, die er begleitet hat.
Dazu zählen insbesondere die Inbetriebnahme des ICE-Werkes in Köln, der Baubeginn für das ICE-Werk in Dortmund. die verschiedenen Modernisierungsoffensiven der letzten Jahre oder der Ausbau des Rhein-Ruhr-Express, auch wenn dieser von DB Regio nicht gefahren wird. Zum 1. Januar 2026 übergibt Lübberink den Staffelstab an Jens Gräfer.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de