08.12.25
Im Mittelpunkt der 19. Berliner Bahngespräche stand die Finanzierung des SPNV – und die Verabschiedung von Thomas Prechtl als ausgeschiedener Präsident des Bundesverbands Schienennahverkehr e.V. In den Räumen der Landesvertretung des Freistaats Bayern in Berlin folgten Ende November etwa 130 Gäste der Einladung des Bundesverbands Schienennahverkehr (BSN) zu dieser Abendveranstaltung. In der Begrüßung hob Vizepräsident Thorsten Müller hervor, dass die Schienenverkehre dringend und schnell wieder Zuverlässigkeit in finanzieller, planerischer, technischer und betrieblicher Sicht benötigen.
Die finanzielle Zuverlässigkeit stand dann im Mittelpunkt von Impulsen und der Podiumsdiskussion. Stefan Schell, im bayerischen Verkehrsministerium verantwortlich für die Bereiche Eisenbahnpolitik und Schienenpersonenverkehr, begrüßte die Gäste stellvertretend für den kurzfristig verhinderten Vorsitzenden der Verkehrsministerkonferenz, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Er hob die hohe Relevanz des Schienenpersonenverkehrs in Deutschland und die aktuellen Rekordzahlen im Regionalverkehr hervor, die durch das Deutschlandticket höher sind als im Vor-Corona-Jahr 2019.
Zugleich adressierte Stefan Schell die Kernprobleme des Verkehrsträgers Schiene in Hinblick auf den Zustand der Infrastruktur und die mangelnde Zuverlässigkeit und Qualität: „Das Bahnsystem in Deutschland braucht dringend ein Update – und das kostet. Bayern und die anderen Bundesländer drängen gemeinsam beim Bund darauf, dass die Finanzierungssituation verbessert wird. Der SPNV ist Teil der Daseinsvorsorge in Deutschland und unverzichtbar für die Mobilität in unserem Land. Daher brauchen wir eine nachhaltige und auskömmliche Finanzierung, sonst drohen Abbestellungen quer durch ganz Deutschland.“
Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin erläuterte in seinem Impulsvortrag die rechtlichen und finanziellen Herausforderungen, die sich auch aus dem bestehenden Trassenpreissystem ergeben und skizzierte Lösungswege. „Wir müssen das bestehende Trassenentgeltsystem dringend reformieren. Wir brauchen stabile und planbare Trassenpreise für die Marktteilnehmenden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche sicherzustellen,“ so Böttger.
Schließlich nutzte der aus dem Amt als Präsident des BSN scheidende Thomas Prechtl seinen Vortrag für einen Appell an die Branche: „Wir müssen zusammenarbeiten. Das zeigt auch das Deutschlandticket deutlich. Es zwingt uns, die über Jahrzehnte erprobten und entwickelten Strukturen unserer Branche auf den Prüfstand zu stellen und neue Ideen zu entwickeln. Die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen können wir nur gemeinsam als Branche lösen. Wer nicht selbst gestaltet, wird gestaltet.“
In der darauffolgenden Podiumsdiskussion diskutierten Jens Bergmann, Vorstand für Finanzen und Controlling von der DB InfraGO, Christian Böttger, Bundestagsabgeordnete Anja Troff-Schaffarzyk (SPD), Verkehrsausschussvorsitzender Tarek Al-Wazir Grüne) sowie Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Unter Moderation von BSN-Vizepräsident Thorsten Müller knüpften die Gäste zunächst an der Delegationsreise des Verkehrsausschusses nach Österreich an.
Die Erfahrungen im Nachbarland zeigen, dass es über Legislaturperioden hinausgehende Infrastrukturpläne braucht, ebenso wie überjährige Finanzierungskonzepte, wie beispielsweise einen Eisenbahnfonds. Alle Gäste waren einig darin, dass es kein Erkenntnisproblem gibt, sondern Finanzierungs- und Umsetzungsprobleme. Das Sondervermögen Infrastruktur und der im Koalitionsvertrag festgeschriebene Modernisierungspakt sollen Auswege liefern, bleiben jedoch hinter den Erwartungen zurück.
Im Anschluss wurde Thomas Prechtl von Jan Görnemann und Thorsten Müller verabschiedet. Im Namen der Verbandsmitglieder und Mitarbeiter dankten sie ihm für sein herausragendes Engagement für den Verband nach innen und außen sowie für die ganze Branche. „Thomas Prechtl hat sich um eine intensive Zusammenarbeit mit anderen Verbänden verdient gemacht. Er hat auch in Krisenzeiten immer schnell, zielgerichtet und pragmatisch zum Wohl des SPNV als zentrales Element der Daseinsvorsorge gehandelt. Wir bedanken uns herzlich bei ihm und wünschen für den neuen Lebensabschnitt alles Liebe und Gute,“ sagte Thorsten Müller stellvertretend für den Vizepräsidenten Kai Daubertshäuser.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
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Quelle: Zughalt.de