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Sachsen-Anhalt: Gemischte ÖPNV-Bilanz

08.01.26

Kurz vor Weihnachten hat Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP) eine gemischte Bilanz für den öffentlichen Verkehr zwischen Stendal und Naumburg gezogen. Das Fahrgastniveau hat, auch Dank des Deutschlandtickets, ein neuerliches Rekordniveau erreicht und liegt erstmals über dem letzten Vor-Corona-Jahr 2019 – und das deutlich. Die Nachfrage im Fahrplanjahr 2025, das vom 15. Dezember 2024 bis zum 13. Dezember 2025 ging, hatte man 84 Prozent mehr Fahrgastnachfrage als 2019.

Hüskens: „Noch nie in den vergangenen dreißig Jahren sind die Menschen so häufig mit der Bahn gefahren wie heute. Die Nachfrage im Schienenpersonennahverkehr hat ein Rekordniveau erreicht. Gleichzeitig wird das Angebot kontinuierlich angepasst, ausgeweitet und verdichtet, um dieser Entwicklung gerecht zu werden. Dennoch erleben viele Fahrgäste Tag für Tag, dass Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit mit dieser Dynamik nicht Schritt halten – im Gegenteil: Sie befinden sich auf einem historischen Tiefstand.“

Das Deutschlandticket spielt hier eine besondere Rolle. Hüskens: „Das Ticket wirkt bei uns besonders stark, da die Ausgangsnachfrage vor seiner Einführung vergleichsweise niedrig war. Hinzu kommt die geografische Lage unseres Landes. Viele Reisende durchqueren Sachsen-Anhalt auf dem Weg in die Metropolen. Doch auch Regionen ohne klassischen Durchgangsverkehr profitieren deutlich. Hier wurden Nachfragesteigerungen von bis zu fünfzig Prozent verzeichnet.“

Trotzdem schlagen die Probleme in der Branche weiter zu: 43 Prozent der Zugausfälle lagen in Personalmangel begründet, 16 Prozent ist nicht verfügbaren Fahrzeugen und 14 Prozent in infrastrukturellen Defiziten. „Diese Entwicklungen haben natürlich deutliche Auswirkungen auf die Qualität des Angebots. Die Pünktlichkeit ist seit 2019 kontinuierlich rückläufig. Während damals noch 93,8 Prozent der Züge pünktlich ihr Ziel erreicht haben, werden es 2025 voraussichtlich nur noch 84,7 Prozent sein – nach 87,3 Prozent im Jahr 2024“, so Lydia Hüskens.

Insbesondere die infrastrukturell bedingten Störungen entziehen sich weitgehend dem Einfluss der Eisenbahnverkehrsunternehmen. Sie wirken sich jedoch massiv auf die Angebotsqualität, vor allem auf die Pünktlichkeit aus. „Hier muss das Land handeln. Nicht erbrachte Leistungen können wir ganz einfach nicht bezahlen“, betonte Hüskens mit Blick auf die Notwendigkeit, Minderungen geltend zu machen. „Würden diese Minderungen in vollem Umfang zum Tragen kommen, wären die Unternehmen in ihrer Existenz bedroht.

Daher ist es im Interesse des Landes, hier mit Augenmaß vorzugehen und die Rückforderung nicht in voller Höhe auszuschöpfen“, erläuterte sie das Verfahren. Im Umkehrschluss müssten die Betreiber aber in die Pflicht genommen werden und an der Qualität ihres Angebots arbeiten, fügte die Ministerin hinzu. Daher wendet der Aufgabenträger Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) seit 2023 bei der Bewertung der Leistungserbringung das pflichtgemäße Ermessen an.

„Dadurch wird das vertragliche Risiko aus Zugausfällen und Qualitätsmängeln teilweise begrenzt.“ Man geht davon aus, dass es landesweite Pönalisierungen von etwa dreißig Millionen Euro gegeben hat, während es 2024 noch rund 53 Millionen Euro waren. „Hier kann man nur ein Fazit ziehen: Die Qualität des ÖPNV im Land muss besser werden. Das hat für mich höchste Priorität“, sagte die Ministerin.

„Langfristig setzen die Verkehrsverträge klare finanzielle Anreize dafür. Parallel dazu wurden für kurzfristige Verbesserungen – insbesondere bei der Personalverfügbarkeit – im vergangenen Jahr im Rahmen eines runden Tisches zwischen Eisenbahnverkehrsunternehmen und dem Land konkrete Maßnahmen erarbeitet. Der intensive Austausch zwischen den Unternehmen hat sich dabei als besonders wertvoll erwiesen“, ergänzte sie.

Gemeinsam mit der DB InfraGO seien zudem besonders störanfällige Strecken identifiziert worden, um die Ursachen für Unpünktlichkeit streckenscharf zu analysieren und gezielt abzustellen. „Neben dem gravierenden Personalmangel sind aber vor allem auch der Zustand der Infrastruktur, die dichte Belegung des Netzes und die vielen, oftmals auch sehr kurzfristigen Baumaßnahmen Hauptursachen für Zugausfälle und Verspätungen. Hier sind die Handlungsmöglichkeiten der Verkehrsunternehmen aber begrenzt. Deshalb geht mein Appell erneut in Richtung DB InfraGO, stärker in den notwendigen Ausbau der Eisenbahninfrastruktur zu investieren“, so Lydia Hüskens abschließend.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de