19.01.26
In der letzten Woche fand in Chemnitz das dritte Bahngespräch zum Ausbau der Strecke nach Leipzig statt. Eingeladen hatten der Freistaat Sachsen, die Stadt Chemnitz, die DB InfraGO, die IHK Chemnitz sowie der Verkehrsverbund Mittelsachsen. Vertreter aus Kommunal-, Landes- und Bundespolitik, Wirtschaft und Verbänden sollten über den aktuellen Stand des Projekts informiert werden.
Der Freistaat Sachsen hat die zusätzlich notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt. Die Finanzierung der Planungsleistungen für diesen Abschnitt ist somit gesichert. Eine entsprechende Finanzierungsvereinbarung haben der Freistaat Sachsen und die Deutsche Bahn Ende des vergangenen Jahres in Höhe von 9,24 Millionen Euro unterzeichnet. Kritik kommt jedoch sowohl vom Fahrgastverband Pro Bahn als auch von der Stadt Chemnitz.
„Für die Region entscheidende Fragen zum Zeitplan und zur Zweigleisigkeit wurden gestellt – doch sowohl der Freistaat Sachsen als auch die DB InfraGO blieben uns hierzu klare Antworten schuldig und wichen aus“, erklärt Markus Haubold, Vorsitzender des Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland. Weder ein konkreter Baustart noch ein Fertigstellungstermin für die beiden Projektabschnitte wurden benannt.
Auch zur Frage des geplanten Ausbauumfangs im Nordabschnitt gab es lediglich ausweichende Aussagen. Offenbar wird in Abstimmung zwischen dem Freistaat Sachsen und der DB InfraGO eine Variante geprüft, die eingleisige Abschnitte beinhalten könnte. Das Ziel sei es offenbar, Kosten zu senken. Offen blieb trotz Nachfrage, welches Betriebskonzept dem Prüfauftrag genau zugrunde liegt und ob mehrere Ausbauvarianten Bestandteil des Prüfauftrages sind.
„Wir befürchten, dass aufgrund fehlender finanzieller Mittel eine Minimalvariante verfolgt wird – ohne ausreichende Infrastrukturreserven und ohne die nötige Resilienz für ein zuverlässiges Angebot zwischen Chemnitz und Leipzig“, warnt Markus Haubold. Aus Sicht der Bahninitiative Chemnitz stellt dies einen klaren Bruch mit den vor zwei Jahren gemachten Zusagen dar.
Enttäuscht zeigt sich auch der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD): „Alle Akteure am Tisch sind sich der hohen Priorität dieses wichtigen Infrastrukturprojektes bewusst. Dafür muss es aber die verbindliche Zusage geben, dass wir in den frühen 2030-er Jahren eine weitgehend zweigleisige und elektrifizierte Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig im Dreißig-Minuten-Takt haben werden. Die Erkenntnisse, die wir aus dem dritten Bahngespräch gewonnen haben, sind allerdings für die Stadt Chemnitz und die Region nicht zufriedenstellend. Daher wird es im März weitere Gespräche geben, die positive Ergebnisse liefern müssen. Gemeinsam mit dem VMS und Politik werden wir den Druck und die Ambitionen aufrechterhalten, damit der Ausbau der Strecke auch in naher Zukunft umgesetzt werden kann.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de