05.02.26
Die Verhandlungen zwischen National Express und den insgesamt fünf Aufgabenträgern aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz wurden zu einem Abschluss gebracht. Im Rahmen einer umfassenden Neuordnung hat man sich auf Änderungen geeinigt, die den Betrieb der Netze wieder in die schwarzen Zahlen bringen soll. Zuständig sind in Nordrhein-Westfalen der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), go.Rheinland und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). In Hessen obliegt die Vertragsanpassung dem Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV), in Rheinland-Pfalz dem Zweckverband SPNV Nord.
Ende Januar stimmten die zuständigen Gremien der zuständigen Aufgabenträger sowie von National Express und der Gesellschaft Mobico Group plc. der Ausarbeitung einer Neuordnung zu. Die Einigung soll eine langfristig tragfähige Perspektive für einen verlässlichen SPNV schaffen – für die Fahrgäste, die Aufgabenträger als Besteller der Verkehrsleistungen, das für den Betrieb verantwortliche Eisenbahnverkehrsunternehmen und seine Mitarbeiter gleichermaßen. Insgesamt werden den Aufgabenträgern über einen mehrjährigen Zeitraum einem Zeitungsbericht zufolge Gesamtkosten in Höhe von etwa 200 Millionen Euro entstehen.
Zum Vergleich: Der Marktaustritt von Abellio Rail NRW im Jahr 2022 hat zu Mehrkosten in Höhe von etwa 500 Millionen Euro geführt. Gleichzeitig hat man ein im Markt aktives Eisenbahnverkehrsunternehmen dauerhaft verloren. Das ist jetzt nicht der Fall, National Express bleibt im deutschen Eisenbahnmarkt langfristig aktiv und dadurch, dass man nun schwarze Zahlen schreiben wird, ist man auch nicht mehr auf die Zuschüsse eines Gesellschafters angewiesen.
Die Neuordnung soll in der nun noch final abzustimmenden Fassung unter anderem drei zentrale Punkte umfassen: Für die Linien RE 7 und RB 48 des Rhein-Münsterland-Express (RME) erfolgt eine Umstellung auf einen Bruttovertrag, bei dem die Aufgabenträger ein festes Entgelt unabhängig von den Fahrgeldeinnahmen zahlen, ab dem Jahr 2026. Der RME-Vertrag wird auf Basis des Verkehrsvertrags 2.0, der Stellhebel zur langfristigen Sicherung der Erbringung vereinbarter Verkehrsleistungen beinhaltet, angepasst und um mindestens zwei Jahre bis Dezember 2032 verlängert.
Die Laufzeit der vereinbarten Leistungen des Rhein-Ruhr-Express (RRX) wird von Dezember 2033 auf Dezember 2030 verkürzt. Dies dient der Vorbereitung einer Neuausschreibung im Rahmen des Nahverkehrsplans NRW. Zum RRX zählen die Linien RE 1, RE 4, RE 5, RE 6 und RE 11.
Marcel Winter, Geschäftsführer go.Rheinland: „Wir haben im gesamten Verlauf der Verhandlungen darauf gedrängt, Verbesserungen für die Fahrgäste zu erzielen. Die nun anvisierten Lösungen sind ein wichtiger Schritt für die Stabilisierung und qualitative Verbesserung des Zugverkehrs in NRW. Sie zeigen, dass die Aufgabenträger im Sinne der Fahrgäste bereits heute effizient und lösungsorientiert zusammenarbeiten.“
Oliver Wittke, Vorstandssprecher des VRR, fügt hinzu: „Die Verhandlungsergebnisse sind insbesondere für die Fahrgäste im SPNV eine gute Lösung, denn sie sichern langfristig die Zuverlässigkeit auf der Schiene auf wichtigen Linien in NRW.“
Fahrgäste sollen in diesem Zuge von festzuschreibenden Maßnahmen für mehr Pünktlichkeit und Sauberkeit profitieren. So will National Express die Verlässlichkeit durch mehr operative Puffer gegen Verspätungen erhöhen und auf besonders ausgelasteten Strecken die Sitzplatzkapazitäten ausbauen, um überfüllte Züge möglichst zu vermeiden.
Michael Hetzer, Geschäftsführer (CEO) der National Express Rail GmbH: „Wir sind uns der Verantwortung für die Fahrgäste bewusst und setzen uns für ein verlässliches Mobilitätsangebot für die Menschen in NRW und darüber hinaus ein. Gleichzeitig gibt die Neuordnung der Verträge den Mitarbeitenden von National Express verlässliche Zukunftsaussichten. Eine wirtschaftlich tragfähige Lösung ist die Grundlage für ein langfristiges Engagement von National Express auf dem deutschen Markt.“
Christiane Auffermann, Geschäftsführerin des NWL: „Wer die Mobilitätswende will, der muss einen verlässlichen, bedarfsgerechten SPNV sichern und weiterentwickeln. Aufgabenträger und EVU haben dabei ein gemeinsames Ziel: Wir müssen zuverlässiger Partner für die Fahrgäste sein. Ich freue mich, dass die Gespräche der vergangenen Monate in diesem Sinne nun in ein tragfähiges Ergebnis münden und wir alle unserer Verantwortung gerecht werden.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de