13.02.26
Der Carsharing-Anbieter teilAuto geht in das erste Jahr als Genossenschaft. Das in Mitteldeutschland tätige Unternehmen ist die erste GmbH dieser Größenordnung in Deutschland, die eine Umwandlung in eine Genossenschaft per Formwechsel vollzogen hat. Aktuell nutzen rund 100.000 Privat- und Geschäftskund*innen die mehr als 2.200 Fahrzeuge in dreißig Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
„Für uns war seit Beginn von teilAuto klar, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen würde, unser Unternehmen in die Hände der Allgemeinheit zu übergeben“, erklärt Vorstand Patrick Schöne und ergänzt, „Wir öffnen teilAuto nun für alle, die mit ihrem Geld einen Beitrag zu einer umweltfreundlichen, gemeinschaftlichen und zuverlässigen Mobilität leisten wollen.“ Mit der Umwandlung verfolgt teilAuto das Ziel, die Verkehrswende nicht in die Hände von Investoren oder Konzernen zu legen, sondern in die der Nutzergemeinschaft.
„Damit sind wir in Deutschland bislang eine Ausnahme. Die Umwandlung einer profitablen GmbH in eine wachstumsstarke Genossenschaft ist in Deutschland ein Novum und könnte als Modell für andere nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen dienen“, betont Vorstand Michael Creutzer. Für ihn steht fest, dass „eine Genossenschaft uns vor kurzfristigen Renditezielen und Übernahmen schützt. Ein wichtiger Teil der Verkehrswende ist für uns, dass diese demokratisch organisiert ist.“
Ab dem 1. Mai 2026 können sich Menschen unabhängig von ihrer bisherigen Nutzung mit Genossenschaftsanteilen beteiligen. Ein Anteil kostet 300 Euro. Damit erhält jedes Genossenschaftsmitglied eine Stimme – unabhängig von der Anzahl der gezeichneten Anteile. Während Gewinnausschüttungen sich nach der Anteilsmenge richten, bleibt das Stimmrecht gleich verteilt. So stellt teilAuto sicher, dass nicht das Kapital, sondern die Mitgliedergemeinschaft über die Unternehmensentwicklung entscheidet.
Die Transformation markiert eine Rückkehr zu den Ursprüngen: 1992 gründeten zehn Menschen in Halle (Saale) den Verein teilAuto, um aus ökologischen und ökonomischen Gründen gemeinsam ein Auto zu nutzen. Im Frühjahr 1993 stand der erste Wagen bereit – ein Skoda Favorit, dessen Schlüssel in einem Rohrtresor lag und dessen Reservierung per Anrufbeantworter erfolgte. Mit wachsender Nachfrage expandierte teilAuto ab 2000 nach Erfurt und Leipzig.
2004 wurde die Mobility Center GmbH gegründet, um den Geschäftsbetrieb professionell zu führen. In den Folgejahren kamen Dresden (2006), Jena (2009), Magdeburg (2011), Chemnitz (2012) und Gera (2018) hinzu. Mit rund fünfzig Mitarbeitern erwirtschaftete teilAuto 2025 einen Jahresumsatz von gut 33 Millionen Euro. Seit 2019 ist das Unternehmen das erste gemeinwohlzertifizierte in Mitteldeutschland. Während der Carsharing-Markt zunehmend von großen Plattformen und internationalen Konzernen dominiert wird, geht man hier den umgekehrten Weg – ob erfolgreich, wird man sehen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de