19.02.26
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat in der letzten Woche sein Gutachten für die Freie und Hansestadt Hamburg vorgelegt. Dort gehört der Nahverkehr zu den bundesweit besten Angeboten. Das Gutachten nun macht deutlich, wie sich Angebot, Nachfrage und Finanzierung bis 2040 entwickeln – und welche Chancen eine vorausschauende Verkehrspolitik für Hamburg bietet. Mit zwei Szenarien – Modernisierung 2040 und Deutschlandangebot 2040 – beschreibt das Gutachten, wie sich der ÖPNV in Hamburg entwickeln kann.
Beide Wege führen nur dann zum Erfolg, wenn die Finanzierung mitwächst. Schon heute stemmen Hamburgs Verkehrsunternehmen steigende Kosten für Personal, Energie, Fahrzeuge und Digitalisierung – bei sinkenden Fahrgelderlösen durch das Deutschlandticket. Merle Schmidt-Brunn, Vorständin der Hamburger Hochbahn AG: „Hamburg steht beim ÖPNV heute sehr gut da – das ist Ergebnis jahrzehntelanger Investitionen. Aber wenn wir diese Qualität halten und weiterentwickeln wollen, brauchen wir Planungssicherheit. Die Zahlen liegen jetzt durch das VDV-Gutachten auf dem Tisch.“
Hamburg bietet seinen Einwohnern im bundesweiten Vergleich schon heute eine herausragende ÖPNV-Anbindung. Ein Großteil der Bevölkerung profitiert bereits von einer sehr guten Erschließung mit dem ÖPNV. Durch gezielte Investitionen lässt sich dieser Wert noch deutlich verbessern. In beiden Szeanrien steigen sowohl das ÖPNV-Angebot als auch die Nachfrage an: Im einfachen Modernisierungsszenario würde man das bestehende Netz erhalten und leicht ausbauen. Fünf Prozent mehr Angebot würden zu 13 Prozent mehr Nachfrage führen.
Im Jahr 2040 hätte man einen Finanzierungsbedarf von 2,02 Milliarden Euro im Jahr – aktuell hat man einen Etat von etwa 930 Millionen Euro. Die stärksten Ausbauten wären im S-Bahnbereich fällig, aber auch bei den Infrastrukturen von AKN und Hochbahn. Im größeren Szenario Deutschlandangebot 2040 würde man das Angebot um 54 Prozent aufstocken, was zu 21 Prozent mehr Nachfrage führen würde. Für ein Drittel der Bevölkerung verbessert sich die Erschließung um eine Stufe, insbesondere in den Stadtrandgebieten. Der Finanzbedarf würde auf 3,62 Milliarden Euro steigen.
Lorenz Kasch, Geschäftsführer der vhh.mobility: „Ein verlässlicher Nahverkehr ist Teil der urbanen Daseinsvorsorge, auch außerhalb von verkehrlich gut erschlossenen Innenstädten. Die Ergebnisse des Gutachtens zeigen: Damit wir auch in den städtischen Randgebieten und darüber hinaus weiter wachsen können, müssen Angebot und Finanzierung Schritt halten.“
Alexander Möller, Geschäftsführer ÖPNV beim VDV: „Hamburg zeigt, wie moderner ÖPNV funktionieren kann. Wenn es eine gemeinsame Anstrengung der Unternehmen, des Verbundes und der Politik gibt. Mit Sorge sehen wir den Erhalt dieses starken ÖPNV. Wir zeigen mit dem Gutachten diese und andere Fakten, mit denen die Hamburger Politik nun Prioritäten setzen muss.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de